NewsÄrzteschaftVersorgungsatlanten können Impulse für eine bessere Versorgung geben
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Versorgungsatlanten können Impulse für eine bessere Versorgung geben

Mittwoch, 30. November 2016

www.versorgungsaltlas.de

Berlin – Mit Hilfe von Versorgungsatlanten können regionale Unterschiede in der medizi­ni­schen Versorgung der Bevölkerung öffentlichkeitswirksam aufbereitet werden. Sie regen an, den Ursachen für solche Versorgungsunterschiede auf den Grund zu gehen und Maß­­nahmen zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung zu entwickeln, zum Beispiel durch die Entwicklung von medizinischen Leitlinien. Das sagte Reinhard Busse, Profes­sor für Management im Gesundheitswesen an der Technischen Universität Berlin, heute bei der Tagung „Gesundheit unter der Lupe – Fünf Jahre regionalisierte Forschung am Versorgungsatlas“ des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) in Berlin.

Busse würdigte die Leistung eines der Pioniere der Versorgungsatlanten, des US-ame­rikanischen Forschers John Wennberg, der in den 1970er-Jahren geografische Einhei­ten als Forschungsobjekte entdeckt und sichtbar gemacht habe. Busse betonte jedoch zugleich, dass Versorgungsatlanten die Versorgungsforschung nicht ersetzen könnten. Die Atlanten lieferten in erster Linie Informationen und zeigten Probleme auf. Die Antwor­ten darauf lieferten andere, wie zum Beispiel die evidenzbasierte Medizin.

Anzeige

Mit dem Ziel, Anhaltspunkte dafür zu liefern, wie die gesundheitliche Versorgung ver­bes­sert werden kann, trat vor fünf Jahren auch der Versorgungsatlas des Zi an. „Damals gab es keine reguläre Datengrundlage, mit deren Hilfe die Realität der medizinischen Ver­sorgung hätte erforscht werden können“, erklärte Zi-Leiter Dominik von Stillfried. Das Institut erhielt daher von seinen Trägerorganisationen, der Kassenärztlichen Bundesver­einigung und den Kassenärztlichen Vereinigungen, den Auftrag, zuerst eine bundes­weite Datenbasis für die ärztliche Versorgung und die Arzneimittelverordnungen zu entwickeln und dann den Versorgungsatlas zu etablieren.

Seither analysieren die Wissenschaftler des Zi auf der Basis der bundesweiten Abrech­nungsdaten der Vertragsärzte und -psychotherapeuten regionale Unterschiede in der ambulanten Versorgung sowie deren unterschiedliche Strukturen und Abläufe. Dabei werden Fragen beantwortet wie: In welchen Regionen Deutschlands sind die Impflücken bei Masern besonders groß? Wie hat sich die Verordnung von Antibiotika in den vergangenen Jahren in Deutschland verändert? Wie werden Kinder mit ADHS diagnosti­ziert? Wie gut sind Patientinnen und Patienten mit Demenz oder Herzschwäche in Deut­sch­land versorgt? Die Informationen werden in dem frei zugänglichen Internetportal www.versorgungsatlas.de in Karten, Tabellen und Grafiken aufbereitet. Insgesamt wur­den in dem Portal bislang 53 Zi-eigene Studien veröffentlicht.

Mit Blick auf zum Teil große regionale Versorgungsunterschiede zitierte der KBV-Vor­sitz­en­de Andreas Gassen den Pionier des Versorgungsatlas Wennberg: „Der Wohnort ent­scheidet über die medizinische Versorgung.“ Für das Zi müsse dieser Spruch ein Weck­ruf sein, regionale Unterschiede darzustellen und zwar mit dem Ziel, Anregungen zur Dis­kussion und Verbesserung zu liefern und nicht zu skandalisieren. „Das KV-System stellt sich kritischen Nachfragen“, betonte Gassen.

Dabei sind regionale Unterschiede keine deutsche Besonderheit. „Es gibt diese Unter­schiede in allen Gesundheitssystemen, egal wie sie organisiert sind, und es gibt sie welt­weit“, sagte Zi-Leiter von Stillfried. Die Daten des Versorgungsatlas zeigten darüber hi­naus auch, dass es für nahezu jede Fragestellung Best-Practice-Beispiele gebe.

„Die Studien belegen vor allem, dass in unserem System viel möglich ist“, erklärte von Stillfried. Denn es genüge nicht, nur zu beschreiben, was bei den Patienten im Versor­gungsalltag tatsächlich ankomme. Die Untersuchungen sollten vor allem dazu beitragen, die Versorgung besser zu gestalten.

Dabei könne es bei derart komplexen Frage­stellun­gen keine einfachen Antworten ge­ben, stellte der Leiter des Versorgungsatlas, Jörg Bätzing-Feigenbaum, klar. Schwierig sei es auch, die eigenen Forschungs­erkennt­nisse in die Praxis zu übertragen. „Wir können nur den Entscheidungsträgern unsere Erkenntnisse nahebringen.“ © HK/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. August 2019
Berlin – Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) hat die Förderung von weiteren 59 Versorgungsforschungsprojekten beschlossen. Dazu gehören 19 themenspezifische sowie 34
Versorgungsforschungsprojekte profitieren weiterhin vom Innovationsfonds
17. Juli 2019
Berlin – Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) in Köln soll mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn fusionieren. Die
Behördenfusion im Gesundheitswesen geplant
26. Juni 2019
Berlin – Etwa jeder siebte Bundesbürger, der bei Deutschlands großer Gesundheitsstudie NAKO mitmacht, war schon einmal wegen einer Depression beim Arzt. Das ist eines der ersten Zwischenergebnisse der
Jeder Siebte hat laut NAKO-Studie Erfahrung mit Depressionen
31. Mai 2019
Berlin – In Pflege- und Seniorenheimen gibt es einen erheblichen Nachholbedarf hinsichtlich der augenärztlichen Versorgung. Zu diesem Schluss kam bereits 2016 eine Studie OVIS (Ophthalmologische
Stiftung Auge will ophthalmologisches Versorgungsdefizit in Seniorenheimen beheben
8. Mai 2019
Berlin – Vor dem Hintergrund von Diskussionen um Big Data und dem Hype um künstliche Intelligenz (KI) haben es Register in der medizinischen Forschung zuweilen schwer, aus dem Schatten dieser Themen
15,5 Millionen Euro für modellhafte Register der Versorgungsforschung
2. Mai 2019
Mannheim – Defizite bei der Versorgungsforschung zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland sieht die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK). Die
Kardiologen wollen Versorgungsforschung zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorantreiben
29. März 2019
Berlin – Der Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) hat sich etabliert und ist geeignet, die Versorgung in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) mit weiterzuentwickeln. Das geht
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER