NewsMedizinChirurgie: Sonde erkennt Krebszellen am pH-Wert
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Chirurgie: Sonde erkennt Krebszellen am pH-Wert

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Adelaide – Eine optische Sonde, die den pH-Wert im Gewebe misst, hat in einer Pilot­studie recht zuverlässig gesundes Gewebe von Krebswucherungen unterschieden. Die relativ einfache Technik könnte ohne großen technischen Aufwand in der Pathologie oder im Operationssaal eingesetzt werden, berichten die Erfinder in Cancer Research (2016; doi: 10.1158/0008-5472.CAN-16-1285).

Krebszellen gewinnen ihre Energie vor allem durch den unvollständigen Abbau von Glukose. Als Abbauprodukte entstehen Säuren, die den pH-Wert des Gewebes senken. Eine Sonde, die Wissenschaftler des Centre of Excellence for Nanoscale BioPhotonics an der Universität Adelaide entwickelt haben, nutzt diesen Umstand, um durch eine punktförmige pH-Messung gesundes Gewebe von Krebswucherungen zu unter­scheiden.

Die Sonde besteht aus einer lichtleitenden Glasfaser, die an ihrer Spitze mit einem Polymer beschichtet ist, das durch Licht zur Fluoreszenz angeregt werden kann. Dabei ist die Farbe abhängig vom pH-Wert in der Umgebung der Spitze. Dies ermöglicht eine punktuelle pH-Messung in Echtzeit. Der einzige Störfaktor ist die Auto-Fluoreszenz des Gewebes, weshalb Pathologen oder Chirurgen die Spitze zur Messung kurz anheben müssten. Der Arbeitsablauf würde dadurch kaum beeinträchtigt, versichern Erik Schartner und Mitarbeiter von der Universität Adelaide.

Anzeige

Die Forscher haben die neue Messsonde bisher nur im Labor an Gewebeproben untersucht. Nach mehreren Messungen waren die Forscher in der Lage, Tumor- und Normalbereiche mit einer Sensitivität von 88 Prozent und einer Selektivität von 90 Prozent zu unterscheiden. Die Probe könnte dem Pathologen helfen, schneller als bisher zu erkennen, ob ein Tumor komplett entfernt wurde oder sich in seinem Rand­bereich noch Tumorzellen befinden. Schartner glaubt, dass die Technik auch im Operationssaal eingesetzt werden könnte, um die Ausdehnung der Resektion zu begrenzen.

Bislang werden Tumore mit einem gewissen Sicherheitsabstand entfernt. Danach wird die Operation unterbrochen, bis der Pathologe durch die mikroskopische Untersuchung von Randschnitten geklärt hat, ob der Tumor komplett entfernt wurde oder ob nach­reseziert werden muss. Ob die von den Forschern entwickelte pH-Sonde dieses Prozedere verkürzen kann, müsste jetzt in klinischen Studien untersucht werden. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. September 2019
Berlin – Neue Krebstherapien mit gentechnologisch veränderten Immunzellen sollten nur unter sehr kontrollierten Bedingungen in die Versorgung eingeführt werden, weil sie risikoreich und außerdem sehr
Ersatzkassen und Ärzte fordern Erprobung teurer Zelltherapien in spezialisierten Zentren vor Einführung in die Regelversorgung
17. September 2019
Regensburg – Mediziner der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) haben als Referenzzentrum ein neues robotisch gesteuertes Operationsmikroskop
Neurochirurgen aus Regensburg entwickelten robotisches Operationsmikroskop mit
16. September 2019
London – Eine vorangegangene Behandlung mit Breitbandantibiotika hat in einer Kohortenstudie in JAMA Oncology (2019; doi: 10.1001/jamaoncol.2019.2785) die Effektivität einer Krebsbehandlung mit
Krebs: Antibiotika können Checkpoint-Inhibitoren wirkungslos machen
13. September 2019
Berlin – Deutschland ist beim Verbrauch von Spenderblut Spitzenreiter, in keinem anderen Land werden so viele Erythrozytenkonzentrate transfundiert wie hierzulande. Die Behandlung präoperativer
Zu viele Bluttransfusionen, Anämietherapie spart Blut
12. September 2019
Berlin – Checkpoint-Inhibitoren zur Krebstherapie können Nebenwirkungen aus dem rheumatischen Formenkreis auslösen. Eine rheumatologische Begleitbehandlungweise ist daher oft nötig. Darauf weist die
Checkpoint-Inhibitoren können entzündlich rheumatische Erkrankungen auslösen
28. August 2019
Heidelberg – Einen Ansatz, um in den Krebszellen beim Sézary-Syndrom die Fähigkeit zum Zelltod wiederherzustellen, haben Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum und der
Doppelte Therapiestrategie soll programmierten Zelltod beim Sézary-Syndrom auslösen
23. August 2019
Berlin – Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebshilfe haben die Konsultationsfassung der neuen
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER