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Medizin

Verkürzte Gabe von Kortikosteroiden nach Nieren­transplantation senkt Diabetesgefahr

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Chicago/Dresden – Die auf eine Woche verkürzte Gabe von Kortikosteroiden nach Nie­ren­­transplantation senkt die Gefahr eines Diabetes als häufige Nebenwirkung der Im­mun­suppression fast auf die Hälfte, ohne dass sich die Rate an Abstoßungs­reaktionen oder anderen Endpunkten erhöht. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Christian Hugo vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden in der Zeitschrift Lancet (2016; doi: 10.1016/S0140-6736(16)32187-0).

Der Leiter des Bereichs Nephrologie der Medizinischen Klinik III wurde jetzt auch einge­la­den, die Ergebnisse auf der Hauptveranstaltung des Jahreskongresses der American So­ciety of Nephrology (ASN) in Chicago vorzustellen.

Nach der Übertragung eines Spenderorgans ist zunächst eine Vierfachtherapie mit Im­munsuppressiva nötig, um die Gefahr zu bannen, dass der Körper dieses fremde Ge­webe wieder abstößt. Dank neuer Medikamente haben sich in den vergangenen beiden Jahr­zehnten die Chancen deutlich erhöht, dass Patienten viele Jahre mit dem Spender­organ leben können.

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An einer wichtigen Grundlage hatte Hugo bereits seit 2001 mitgewirkt. Er arbeitete an der ELITE-Symphony-Studie mit, an der sich 1.645 Nieren­transplantierte aus 15 Ländern beteiligten. In diesem Rahmen fanden die Ärzte und Wissenschaftler heraus, dass sich Dank der Kombination innovativer Medikamente die Dosis solcher den Organismus stark schädigender Immunsuppressiva senken lässt.

„Mit den Ergebnissen der Studie wurde 2007 ein Standard geschaffen, der bis heute Be­stand hat“, sagte der Dresdner Nierenexperte. Aber es gab und gibt weiteren For­schungs­­bedarf: Eine Nebenwirkung der Kortikosteroide, die auch in dem 2007 bestätig­ten Therapieregime eingesetzt werden, sind erhöhte Blutzuckerwerte. Für die Trans­plan­tierten steigt damit das Risiko, eine Zuckerkrankheit zu entwickeln.

Konkret erkranken zwischen 20 bis 40 Prozent der Patienten an Diabetes – die Zahl va­riiert in Abhängigkeit von der Detektionsmethode. Um diese Rate zu senken, initiierten die Dresdner Nephrologen vor neun Jahren eine neue Studie mit Namen „Harmony“. Mit dem Ziel, das Auftreten des Diabetes im Rahmen einer immunsuppressiven Therapie zu senken, verkürzten sie die Gabe von Kortikosteroiden nach Nierentransplantation auf ei­ne Woche. An dieser Studie, die in zwei Varianten sowie in die Kontrollgruppe mit der Stan­dardmedikation unterteilt wurde, nahmen insgesamt 615 Patienten aus ganz Deut­schland teil.

Das Ergebnis war überzeugend: Während 20 beziehungsweise 40 Prozent der Patien­ten, die im ersten Jahr nach der Transplantation durchgehend Kortikosteroide erhielten, in die­sem Zeitraum einen Diabetes entwickelten, waren es bei der auf eine Woche reduzier­ten Gabe lediglich etwas über zehn beziehungsweise 20 Prozent.

In weiteren Studien sollen nun die Effekte der verkürzten Steroidgabe über einen Drei­jah­res- sowie einen Fünfjahreszeitraum überprüft werden. © hil/aerzteblatt.de

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