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Medizin

Gebrechlichkeit: Screening kann Sterblichkeit nach Operationen senken

Donnerstag, 1. Dezember 2016

dpa

Pittsburgh – Ein präoperatives Screening auf eine Gebrechlichkeit des Patienten hat an einer US-Klinik die postoperative Sterblichkeit deutlich gesenkt, wie eine Studie in JAMA Surgery (2016; doi: 10.1001/jamasurg.2016.4219) zeigt.

Die Zahl der älteren Menschen, die sich einer geplanten Operation unterziehen, ist in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen. Technisch sind die meisten Eingriffe auch an hochbetagten Patienten möglich. Untersuchungen haben aber gezeigt, dass das postoperative Mortalitätsrisiko mit der Gebrechlichkeit der Patienten zunimmt.

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Eine größere Klinik der US-Veteranenbehörde in Omaha (jährlich 3.600 Operationen in 12 chirurgischen Abteilungen) hat deshalb eine „Frailty Screening Initiative“ gestartet. Seit Mitte 2011 wird jeder ältere Patient vor einer geplanten Operation auf seine Gebrech­­lichkeit hin überprüft. Dies geschieht mit einem 14 Punkte-Fragebogen, mit dem innerhalb von wenigen Minuten ein Risk Analysis Index (RAI) erstellt wird. Ab 21 Punkten auf dem RAI (von 0 bis 81 Punkten) werden vor der Operation noch einmal die möglichen Risiken des Eingriffs geklärt.

Dabei geht es weniger um die Operationsindikation; jeder Patient, der sich mit den Chirurgen auf einen Eingriff verständigt hatte, sollte grundsätzlich auch operiert werden. Laut Daniel Hall von der Universität Pittsburgh ging es in der Vorbesprechung eher darum, welche Operationsmethode und welche Anästhesie für den Patienten mit dem geringsten postoperativen Risiko verbunden ist. Die Zahl der Operationen ist laut Hall seit Einführung der „Frailty Screening Initiative“ nicht zurückgegangen. 

Deutlich zurückgegangen ist allerdings die Zahl der Patienten, die in den ersten Tagen, Wochen und Monaten nach der Operation gestorben sind. Waren vor der Einführung des Screenings noch 84 von 5.275 Patienten (1,6 Prozent) gestorben, waren es danach nur noch 26 von 3.878 Patienten (0,7 Prozent). Bei den gebrechlichen Patienten sank die 30-Tagessterblichkeit sogar von 12,2 auf 3,8 Prozent, aber auch bei den robusten Patienten kam es zu einem leichten Rückgang von 1,2 Prozent auf 0,3 Prozent. Der Abstand vergrößerte sich nach 180 Tagen und nach einem Jahr. Vor Einführung der „Frailty Screening Initiative“ waren ein Jahr nach der Operation 34,5 Prozent der Patienten gestorben, nach Einführung des „Frailty Screening Initiative“ waren es nur noch 11,7 Prozent.

Welche medizinischen Maßnahmen genau für den Rückgang der postoperativen Mortalität verantwortlich waren, konnte die Studie nicht klären. Hall vermutet, dass viele Faktoren zusammenkamen: von der präoperativen Entscheidungsfindung über das intraoperative Management bis zu postoperativen Rettungsmaßnahmen gäbe es viele Möglichkeiten, die Überlebenschancen des Patienten zu verbessern.

Dass sich auch die Prognose der robusten Patienten verbesserte, deutet auf einen Hawthorne-Effekt hin. Zu ihm kommt es, wenn Ärzte und Patienten wissen, dass sie an einer Studie teilnehmen, was die Aufmerksamkeit steigert. Dies konnte den Patienten in der Studie nur nutzen, es könnte aber auch bedeuten, dass der Nutzen der „Frailty Screening Initiative“ mit der Zeit nachlässt, wenn keine weiteren Prüfungen vorgesehen sind. © rme/aerzteblatt.de

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