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Medizin

Augmented Reality hilft Patienten mit Phantomschmerzen

Freitag, 2. Dezember 2016

Mölndal – Computergestütze erweiterte Realitätswahrnehmungen könnten Phantom­schmerzen von Menschen mit Amputationen lindern. Dafür bewegen Betroffene ihren amputierten Arm im virtuellen Raum, beispielsweise bei einem Autorennspiel. Forscher aus Schweden haben die Wirkung in einer kleinen Studie mit 14 armamputierten Patienten erprobt. Ihre Ergebnisse publizierten sie im Lancet (2016, doi: 10.1016/S0140-6736(16)31598-7).

Die Studienteilnehmer leben bereits zwei bis 36 Jahre mit einem amputierten Arm. Herkömmliche medikamentöse Therapien konnten ihre Phantomschmerzen bisher nicht lindern. Erfolgsversprechend scheint eine Spiegeltherapie, bei der die Betroffenen anstelle des fehlenden Körperteils das Spiegelbild des vorhandenen Arms oder Beins betrachten und bewegen. Aber auch dieser Ansatz hilft nicht jedem, vor allem nicht Doppelamputierten.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgten die Forscher um Max Ortiz Catalan von der Chalmers University of Technology in Mölndal mit der sogenannten „phantom motor execution“. Dafür befestigten sie Sensoren auf dem Armstumpf, um die verbliebene Muskelaktivität zu messen. Mithilfe dieser Info erstellte ein Computerprogramm einen virtuellen Arm auf dem Bildschirm. Die Probanden durchliefen dann drei Phasen, in denen sie den virtuellen Arm in zwölf zweistündigen Sitzungen trainierten, unter anderem mit einem Autorennspiel (siehe Video).

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Vor jeder Sitzung wurden die Teilnehmer aufgefordert, ihre Schmerzen einzuschätzen. Sechs und zwölf Monate nach Abschluss des letzten Trainings befragten die Autoren die Probanden erneut. Das Ergebnis fiel positiv aus: Sowohl die Intensität, als auch die Qualität und Häufigkeit der Phantomschmerzen hatte sich durchschnittlich fast halbiert (37 bis 51 %). Über einen unterbrochenen Schlaf klagten die Teilnehmer 61 % seltener. Tagsüber fiel die Bewertung nicht ganz so gut aus: Aktivitäten wurden 43 % weniger durch den Phantomschmerz gestört. Nur ein Patient konnte keine Besserung berichten. Bei einem anderen traten zumindest Krankheitsschübe seltener auf.

Ob Placeboeffekte die Besserung beeinflusst haben könnten, wurde in der Studie nicht erfasst. Einschränkend geben die Autoren zu Bedenken, dass sich dieser Therapie­ansatz nur für Menschen eignet, die den Armstumpf noch bewegen können. Verletzte Nerven seien zudem ein Ausschlusskriterium.

Auch im Rahmen des Projekts PACT (PAtient Centered Telerehabilitation) untersuchen Mediziner unterschiedliche kognitive Übungsprogramme. Enthalten sind zum Beispiel eine Videoanleitung für die Spiegeltherapie und ein „Augmented Reality“-Übungs­programm, bei dem die im Tablet-PC integrierte Kamera das intakte Bein filmt und als Bewegung des amputierten Beins darstellt. © gie/aerzteblatt.de

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