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Politik

Innovationsfonds: 29 Projekte gehen an den Start

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Berlin – Über mangelndes Interesse an den Geldern aus dem Innovationsfonds kann man sich im Gesund­heitswesen nicht beklagen: Insgesamt hätten 1,7 Milliarden Euro ausgegeben werden können, 570 Projektanträge mussten innerhalb von wenigen Mona­ten begutachtet werden, etliche Tages- und Nacht­sitzungen des Innovations­ausschusses beim Gemein­samen Bundes­aus­schuss (G-BA) folgten.

Am Ende haben 29 Projekte im Bereich neue Versor­gungsformen im Volumen von ins­ge­samt 225 Millionen Euro den Zuschlag bekommen, 62 Projekte wurden für die Förderung der Versorgungsforschung ausgewählt. Für diese wurden 75 Millionen Euro für das Jahr 2016 vergeben. Die 29 Pro­jekte hat der G-BA heute in Berlin offiziell vorgestellt. Die Pro­jektliste lag auch dem Deutschen Ärzteblatt (DÄ), wie berich­tet, seit einigen Tagen vor. Alle Projekte hat das DÄ in einer Übersicht zusammengefasst.

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Für den unparteiischen Vorsitzenden des G-BA, Josef Hecken, ist es fast ein biblischer Moment, dass die Arbeit am Innovationsfonds „vollbracht“ ist. Er habe noch Anfang des Jahres daran gezweifelt, ob der Aufbau des Fonds sowie eine strukturierte Zusammen­ar­beit zwischen allen Beteiligten der Selbstverwaltung in kurzer Zeit funktionieren könne. Auch andere Mitglieder des Ausschusses bestätigten öffentlich nun die strukturierte so­wie gute Zusammenarbeit zwischen den sonst oft zerstrittenen Vertretern von Kassen, Ärzten und Kliniken.

„Wir konnten uns hier einmal auf einem anderen Feld treffen und Themen friedlich mit­ein­ander aushandeln“, erklärte Nicole Schlottmann von der Deutschen Krankenhaus­ge­sellschaft.  Am Ende seien alle Anträge einstimmig beschlossen worden, bestätigte He­cken. Allerdings soll es – so ist es immer wieder zu vernehmen – hinter den Kulissen auch öfter heftig gekracht haben.

Zum Start der Projekte zeigte sich Hecken zufrieden, dass vor allem große Vorhaben aus­gewählt wurden. Denn seiner Meinung nach ist die Größe entscheidend, ob es ein Projekt nach vier Jahren in die Regelversorgung schafft. „Der Erfolg des Innovations­fonds wird daran gemessen, dass es eine gewisse Zahl an Projekten in die Regelver­sor­gung geführt werden“, so Hecken. „Und wenn wir das nicht schaffen, müssen sich die Bänke im G-BA fragen lassen, warum gut evaluierte Projekte nun nicht umgesetzt wer­den.“ Sein Appell, unterstützt von der Patientenvertreterin Ilona Köster-Steinebach, geht auch an die Politik: „In vier Jahren müssen die Gesundheitspolitiker auch offen dafür sein, neue Strukturen in Gesetzgebung eingehen zu lassen.“

Dass die ausgewählten Projekte einen großen Umfang haben werden, zeigt die vorge­stellte Liste eindrücklich: Bei 28 der 29 Projekte sind Krankenkassen beteiligt, bei 14 sind Unikliniken federführend. In vielen Bereichen sind auch die Kassenärztlichen Verei­ni­gungen engagiert, Kommunen und städtische Regionen runden das Bild ab. „Bei vielen Projekten sehen wir große Chancen, dass sie den Kollektivvertrag weiterentwickeln können“, sagte Sibylle Steiner von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Die KBV selbst ist beim Projekt zur Antibiotikaresistenzen dabei.  

Für den Vorsitzenden des Expertenbeirates des Innovationsfonds, Holger Pfaff, ist der Fonds und die Projekte auch ein Meilenstein für die deutsche Forschungslandschaft: „Wir waren in der internationalen Forschung immer Trittbrettfahrer, jetzt können wir zum Selbstversorger werden. Unsere eigenen Projekte lassen sich viel besser auf die deut­sche Versorgungsrealität übertragen als internationale Ergebnisse.“ Besonders lobte er, dass es durch die Zusammenarbeit in den Projekten zu vielen innovativen Strukturen kommt: „Wir haben innovative Konstellationen, was die Zusammenarbeit im Gesund­heits­wesen betrifft. Auch die Kommunen sind als Innovator dazu gekommen.“

Enttäuscht zeigte sich Hecken, dass kaum Projekte, die die Versorgungsmodelle für pfle­ge­bedürftige und ältere Menschen untersuchen, eingereicht wurden. Für Projekte, bei de­nen Delegations- und Substitutionsmodelle erprobt werden, wurden keine Anträge eingereicht. „Das ärgert mich schon“, erklärte Hecken.

Für den Förderungsbereich der Versorgungsforschung hat der Innovationsausschuss nun 62 Projekte angeschrieben, die Fördergelder erhalten sollen. Die Liste dazu ist noch nicht öffentlich – dazu müssen erst alle 62 Projekte der Förderungsvereinbarung bis zum 12. Dezember zustimmen.

Im Februar 2017 soll eine zweite Förderungswelle für neue Versorgungsformen verge­ben werden. Dann sollen Projekte aus den Bereichen Geriatrische Versorgung, Ver­bes­se­rung der Arzt-Patientenkommunikation, Förderung der Gesundheitskompetenz sowie Versorgungsmodelle für Menschen mit Behinderung im Fokus stehen. © bee/aerzteblatt.de

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