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Medizin

UVB-Licht könnte junge Menschen vor Kurzsichtigkeit schützen

Montag, 5. Dezember 2016

dpa

London – Menschen in Nord- und Südeuropa, die sich vor allem in ihrer Jugend lange Zeit im Freien aufgehalten hatten und dort einer erhöhten UVB-Exposition ausgesetzt waren, entwickelten seltener eine Myopie oder Kurzsichtigkeit. Dies ergab eine Quer­schnittstudie, die jetzt in JAMA Ophthalmology (2016; doi: 10.1001/jamaophthalmol.2016.4752) veröffentlicht wurde.

Die Ursachen der Myopie, die in den letzten Jahrzehnten in Ostasien, aber auch in Europa sehr viel häufiger geworden ist, sind unbekannt. Der Pathomechanismus ist eine Verlängerung des Bulbus, durch den die Retina hinter den Brennpunkt der Augen­kamera verschoben wird, was bei der Sicht in die Ferne zu einem unscharfen Bild führt.

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Was dieses Wachstum auslöst, ist unklar. Die Vermutungen reichen von der Stimulie­rung dopaminerger Zellen in der Retina bis zu einem Vitamin-D-Mangel. Beides erklärt die epidemiologischen Beobachtungen, nach denen Menschen, die sich als Kinder selten im Freien aufhalten, häufiger kurzsichtig werden.

Urbanisierung und Bildung sind zwei etablierte Risikofaktoren der Myopie, die auf einen Mangel an natürlichem Licht als Ursache hinweisen. Im letzten Jahr fanden chinesische Forscher in einer randomisierten Studie heraus, dass eine zusätzliche tägliche Frei­stunde an Grundschulen die Zahl der Kinder senkt, die später eine Brille benötigen.

Ein Team um Astrid Fletcher von der London School of Hygiene and Tropical Medicine ist dem Einfluss der Umwelt jetzt in einer Querschnittstudie nachgegangen. Die European Eye Study hat Senioren aus sieben Städten von Bergen in Norwegen bis Alicante in Spanien nach ihrem Lebensstil befragt. Von 3.168 Teilnehmern, die augen­ärztlich untersucht wurden, waren 371 kurzsichtig. Wie sich schnell herausstellte, hatten diese Senioren sich in ihrer Jugend und im frühen Erwachsenenalter seltener im Freien aufgehalten.

Forscher der Universität East Anglia errechneten aus den Angaben der Senioren die UVB-Exposition im Verlauf des Lebens. In einer Blutprobe wurde die Konzentration von Vitamin D und anderen Substanzen bestimmt, die das Risiko einer Myopie beeinflussen könnten.

Die Forscher fanden heraus, dass Menschen mit einer erhöhten UVB-Exposition im jüngeren Lebensalter seltener eine Myopie entwickelt hatten. Die Zunahme der UVB-Exposition um eine statistische Standardabweichung im Alter von 14 bis 19 Jahren war mit einem Rückgang der Myopie-Häufigkeit um 19 Prozent verbunden (Odds Ratio 0,81; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,71–0,92). Im Lebensalter von 20 bis 39 Jahren kam es sogar zu einem Rückgang um 30 Prozent (Odds Ratio 0,70; 0,62–0,93).

Ein Einfluss des Vitamin-D-Spiegels war dagegen nicht nachweisbar. Dafür wurde eine Beziehung zum Lutein-Spiegel gefunden. Das Fünftel der Teilnehmer mit den höchsten Lutein-Spiegeln war zu 43 Prozent seltener kurzsichtig als die Senioren mit den geringe­ren Lutein-Spiegeln (Odds Ratio 0,57; 0,46–0,72).

Lutein gehört zu den Carotenoiden. Der Farbstoff ist in der Netzhaut in höherer Konzen­tration enthalten und unter anderem für die gelbliche Farbe der Macula lutea verant­wortlich, dem Ort des schärfsten Sehens. Lutein wurde in früheren Studien mit einem verminderten Risiko auf eine altersbedingte Makuladegeneration in Verbindung gebracht, und es soll bei gesunden Menschen das Kontrastsehen verbessern.

Ein Bezug zur Kurzsichtigkeit wurde bisher nicht hergestellt. Fletcher betrachtet die Entdeckung deshalb vor allem als Anlass für weitere Untersuchungen. Eine kausale Beziehung lasse sich aufgrund einer einzelnen Querschnittstudie nicht herstellen. © rme/aerzteblatt.de

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