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Medizin

Crizanlizumab: Antikörper lindert Schmerzen bei Sichelzellanämie

Dienstag, 6. Dezember 2016

Chapel Hill/North Carolina – Die Behandlung mit einem monoklonalen Antikörper, der die Adhäsion von Erythrozyten an der Gefäßwand verhindert, kann bei Patienten mit Sichelzellanämie die Zahl der Schmerzkrisen deutlich senken. Dies zeigen die Ergeb­nisse einer Phase-2-Studie, die auf der Jahrestagung der American Society of Hematology in San Diego vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2016; doi: 10.1056/NEJMoa1611770) publiziert wurden.

Die Punktmutation in der B-Kette des Hämoglobins, die Menschen afrikanischer Her­kunft vor einer Malaria schützt, führt bei der Sichelzellanämie zu der namens­gebenden Form der Erythrozyten, die vor allem bei Sauerstoffmangel in den Kapillaren „hängen“ bleiben. Es kommt dann zu einer schweren Schmerzkrise, die neben der hämolytischen Anämie und der Organschädigung das zentrale Kennzeichen der Sichelzellanämie ist. Was die „Vasookklusion“ auslöst, ist letztlich nicht geklärt, die Erythrozyten „kleben“ jedoch an einem P-Selectin genannten Protein auf der Oberfläche der Endothelzellen.

Der gegen P-Selectin gerichtete monoklonale Antikörper Crizan­lizumab kann dies verhindern. Nachdem der von der Firma Selexys entwickelte Antikörper SEG101 transgene Mäuse zuverlässig vor Vasookklusionen geschützt hat, wurde das jetzt Crizanlizumab genannte Präparat in einer Phase-2-Studie in 60 Zentren in den USA, Brasilen und Jamaika an 198 Patienten getestet.

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Die Patienten hatten vor Beginn der Studie zwischen zwei und zehn Schmerzkrisen erlitten, die durch eine Behandlung mit Hydroxycarbamid (Hydroxyurea), dem einzigen zugelassenen Medikament, nicht oder nur unzureichend verhindert wurden. In der SUSTAIN-Studie wurden die Patienten auf drei Gruppen randomisiert. Sie erhielten alle vier Wochen eine Infusion, die den Antikörper in einer niedrigen oder hohen Dosis (2,5 oder 5,0 mg/kg) oder Placebo enthielt. Primärer Endpunkt war die Zahl der Sichel­zellkrisen im Verlauf der Studiendauer von 52 Wochen.

Die höhere Dosis von Crizanlizumab senkte die durchschnittliche Anzahl der Schmerz­krisen von 2,98 auf 1,63 pro Jahr, eine Reduktion um 45,3 Prozent, wie Kenneth Ataga von der Universität von North Carolina in Chapel Hill und Mitarbeiter ausgerechnet haben. Unter der niedrigen Dosis sank die Zahl der Schmerzkrisen auf 2,01, was ein Rückgang um 32,6 Prozent ist. Die Dauer bis zur ersten Krise wurde von 1,38 Monaten in der Placebogruppe auf 2,20 Monate unter der niedrigen und auf 4,07 Monate unter der hohen Dosierung verlängert. Die Schmerzkrise trat unter der hohen Dosierung nach 10,32 Monaten und unter der niedrigen Dosierung nach 9,20 Monaten auf, während im Placeboarm nur 5,09 Monate vergingen.

Die Verträglichkeit von Crizanlizumab war gut. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Arthralgie, Durchfall, Pruritus, Erbrechen und Schmerzen in der Brust. Es kam laut Ataga zu keinem erkennbaren Anstieg der Infektionen und die fünf Todesfälle der median erst 27 Jahre alten Patienten waren vermutlich auf die Erkrankung und nicht auf die Behandlung zurückzuführen. © rme/aerzteblatt.de

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