Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Ratschlag zur Flüssigkeitsaufnahme bei Infekten kaum evidenzbasiert

Dienstag, 6. Dezember 2016

/dpa

London – Der Ratschlag, bei grippalen Infekten viel Flüssigkeit aufzunehmen, ist nicht immer gut. Im British Medical Journal veröffentlichten Laura Christine Lee und Maryann Noronha vom King's College London einen Fallbericht, in denen das Trinken zu einer lebensbedrohlichen Hyponatriämie geführt hat (2016; doi: 10.1136/bcr-2016-216882).

Bei milden Infektionskrankheiten wie Erkältungen, manchen Harnwegsinfekten oder Bronchitiden geben viele Ärzte ihren Patienten den Hinweis, viel zu trinken, berichten die Autoren. Dahinter stehe die Vorstellung, dass durch die erhöhte Flüssigkeitsaufnahme die Urin- oder Sekretproduktion angestoßen werde und so Krankheitserreger ausge­schwemmt würden. Eine gut belastbare Evidenz besteht laut Autoren aber nicht.

Sie berichten über den Fall einer 59-jährigen sonst gesunde Frau, die an einem Harn­wegs­infekt litt. Im Glauben, sich etwas Gutes zu tun, trank die Patientin mehrere Liter Wasser. Im Verlauf entwickelte sie ein Zittern, erbrach mehrfach und litt unter Sprach­störungen. Unter der Verdachtsdiagnose eines Schlaganfalls wurde die Patientin ins Royal London Hospital eingeliefert.

Es stellte sich heraus, dass sie durch das Trinken eine ausgeprägte Hyponatriämie mit 123 mmol/L entwickelt hatte (Referenz 135–145 mmol/l). Nach einer Restriktion der Trink­menge auf einen Liter normalisierten sich die Elektrolytwerte und die Patientin konnte bereits am Folgetag entlassen werden. Die Forscher berichten über einen wei­teren sehr ähnlichen Fall, in dem eine junge gesunde Frau nach exzessivem Trinken bei Gastroenteritis eine Hyponatriämie entwickelte.

Hyponatrimänien unter 125 mmol/l gehen laut Autoren mit einer Sterblichkeit bis zu 30 Prozent einher. Nierengesunde Erwachsene hätten auch bei exzessivem Trinken aller­dings nur ein geringes Risiko, eine Hyponatriämie zu entwickeln. Da es jedoch an rando­misierten Studien fehle, die einen Vorteil für das exzessive Trinken zeigten, empfeh­len die Wissenschaftler ein normales Trinkverhalten bei milden Infektions­erkrankungen. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

doc.nemo
am Donnerstag, 8. Dezember 2016, 09:17

Die Dosis macht's.

Gilt für Hühnerbrühe gleichermaßen wie für Wasser. Wer pro Tag zwanzig Gramm Kochsalz in Wasser mit Hühnergeschmack aufgelöst zu sich nimmt, tut sich auch nichts Gutes.
Dr.Bayerl
am Mittwoch, 7. Dezember 2016, 20:17

richtig muss es lauten

viel Wasser heist auch viel Salz,
das ist nun leider für unsere volkserziehenden Ernährungsberater ein (falsches) Problem geworden.
Hyponatriämien sind selbstverständlich gefährlich, wer den Beipackzettel von Lasix mal gelesen hat, da steht auch Nierenversagen als Nebenwirkung, auch wegen Hyponatriämie, nicht nur Hypovolämie.
Daher ist die extrem häufige Gabe von unterstützenden Diuretika bei medikamentöser Cardioprotektion gerade alter Menschen nicht ungefährlich. Auch ein Ileus kann die Folge von Hyponatriämie sein, natürlich ein "paralytischer", nichts für den Chirurgen, auch wenn der Cardiologe ruft.

Viel trinken ist daher richtig und nützlich, wenn dabei die Salzzufuhr ausreichend ist.
praxis@blumenstein.de
am Dienstag, 6. Dezember 2016, 19:51

Benzin und Wasser sind beide flüssig...

Die allermeisten Kollegen werden zu (Hühner-)Brühe raten bei Atemwegsinfekten. Ein Hyponatriämie-Problem dürfte da wirklich nicht aufkommen. Da haben die Briten wohl zu viel Tee getrunken...

Nachrichten zum Thema

12.05.17
Paris – Frankreich hat testweise Grippeimpfungen in Apotheken zugelassen. In zwei französischen Regionen müssen Patienten für die Impfung künftig nicht mehr zwingend zum Arzt, wie aus einem......
05.05.17
Neue multivalente Inhibitoren hemmen Influenzaviren im Tiermodell
Berlin – Bislang gibt es keine antivirale Therapie, die Influenzaviren hemmen könnte, wenn die Infektion schon ausgebrochen ist. Neue Wirkstoffe, die das Virus über verschiedene Oberflächenproteine......
03.04.17
Hannover – Seit Jahresbeginn haben 38 Prozent mehr Patienten mit Grippesymptomen die zentrale Notaufnahme der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) aufgesucht als im gleichen Zeitraum des......
29.03.17
Berlin – In Deutschland neigt sich die Grippewelle dem Ende zu. Seit Mitte März werde nur noch eine geringe Grippeaktivität verzeichnet, teilte die Arbeitsgemeinschaft Influenza heute mit. „Das Ende......
23.03.17
Schwangere meist unzureichend gegen Grippe geschützt
Berlin – In Deutschland sind schwangere Frauen meist nur unzureichend durch eine Impfung vor Grippe geschützt. Im Jahr 2014 waren im Bundesdurchschnitt nur elf Prozent der Schwangeren effektiv gegen......
27.02.17
Potsdam – In Brandenburg gab es in den ersten acht Wochen des Jahres mit 3.053 registrierten Fällen dreimal so viele Grippefälle wie im Vorjahreszeitraum (959 Fälle). Das hat das......
23.02.17
Gegen Bundestrend: Zahl der Grippefälle in Mecklenburg-Vor­pommern steigt
Rostock – Die Zahl der Grippefälle in Mecklenburg-Vorpommern steigt gegen den Bundestrend weiter an. In der vergangenen Woche wurden landesweit 488 neue Grippefälle gemeldet, wie das Landesamt für......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige