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Ärzteschaft

Chirurgen fordern mehr Zeit für den Patienten

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Berlin – Die Chirurgen in Deutschland benötigen mehr Zeit für ihre Patienten. Aber zu­nehmender Personalmangel in der Pflege, auf Stationen und im Operationsdienst bei gleichzeitig wachsender Behandlungsbedürftigkeit einer älter werdenden Bevölkerung fordern den Ärzten immer mehr ab. Diese Leistungsverdichtung hat nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) mittlerweile bedenkliche Ausmaße erreicht.

Leidtragende seien die Patienten sowie das gesamte Behandlungsteam, für das es immer herausfordernder werde, den eigenen, sehr hohen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden, erklärte der Präsident der Fachgesellschaft, Tim Pohlemann. Die Engpässe betreffen laut dem Direktor der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederher­stellungs­chirurgie am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg/Saar Ärzte und den Pflegedienst.

Im ärztlichen Dienst führe dies zum Beispiel dazu, dass Patienten zwar formal korrekt auf­geklärt würden, dies aber oft ein Arzt übernehme, der bei der Operation gar nicht anwe­send sei. „Das stellt eine enorme Belastung für den Patienten dar – er hat vor einer Ope­­ration meist Angst und will mit demjenigen sprechen, der ihn operiert“, betonte Poh­le­mann. Damit fehle nicht selten Zeit für den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses, das in der Chirurgie von zentraler Bedeutung sei.

Der Pflegemangel wiederum führe dazu, dass eine bedarfsgerechte Pflege der Patien­ten in der frühen Phase direkt nach der Operation auf chirurgischen Normalstationen kaum noch zu leisten sei. „Bei den für den einzelnen Patienten zur Verfügung stehenden Pfle­ge­kapazitäten fällt Deutschland im internationalen Vergleich zunehmend zurück und un­ter­scheidet sich bereits signifikant von skandinavischen Ländern“, berichtete Pohle­mann. Während sich in Skandinavien auf einer Normalstation eine Pflegekraft um drei Patienten kümmere, betrage dieses Verhältnis in Deutschland eins zu zehn. Viele frisch Operierte müssten daher oft zu lange warten, bis das überlastete Personal kommen und helfen könne.

Bürokratische Aufgaben verschärfen diesen Mangel laut der Fachgesellschaft weiter. „Dazu zählen rigide Controllingvorgaben und aufwendige Dokumentationsprozesse, die aus unserer Sicht zu keiner erkennbaren Qualitätssteigerung führen“, berichtete Poh­le­mann. „Chirurgen brauchen mehr Freiheiten“, ist sich der DGCH-Präsident sicher. Sie müssten in Abläufe und Prozesse eingreifen und sie nach medizinischen Erforder­nissen gestalten können. „Diese Voraussetzungen gilt es zu schaffen – im Zweifel mit weniger, dafür aber gut ausgestatteten Kliniken“, so Pohlemann. © hil/aerzteblatt.de

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