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Medizin

Cannabis verlangsamt das Sehen (und das Denken?)

Freitag, 9. Dezember 2016

dpa

Nancy – Regelmäßige Konsumenten der Cannabis-Droge zeigen bei einer elektro­physiologischen Untersuchung der Augen eine verlangsamte Verarbeitung von Lichtsignalen in der Netzhaut. Die klinische Bedeutung der in JAMA Ophthalmology (2016; doi: 10.1001/jamaophthalmol.2016.4761) vorgestellten Untersuchungs­ergebnisse ist unklar.

Regelmäßigen Cannabis-Konsumenten wird eine gewisse psychomotorische Trägheit nachgesagt. Gedächtnis, Aufmerksamkeit und auch die exekutiven Funktionen, sprich der Verstand, scheint verlangsamt zu sein. Ob dies eine Charaktereigenschaft von Menschen ist, die zum Konsum der Droge neigen oder ob Cannabis eine direkte hemmende Wirkung auf die Neurone hat, lässt sich nicht unterscheiden. 

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Es gibt aber einen „Vorposten“ des Gehirns, in dem sich die Geschwindigkeit der Nervenverarbeitung messen lässt. Dies ist die Netzhaut des Auges. Die von den Stäbchen und Zapfen aufgefangenen Lichtreize werden in den retinalen Ganglienzellen einer ersten neuronalen Verarbeitung unterzogen. Die dabei entstehenden Aktions­potenziale können mit der sogenannten  Elektroretinographieaufgefangen werden. Dem Patienten werden dabei mehrere Elektroden zwischen Nase und Schläfe aufgesetzt. Sie fangen die elektrischen Signale auf, die durch Lichtsignale auf die Retina entstehen.

Eine spezielle Untersuchung ist die Muster- oder Pattern- Elektroretinographie. Die Lichtsignale bestehen dabei aus einem Schachbrettmuster, in dem in rascher Folge die schwarzen und weißen Felder ausgetauscht werden. Das Ergebnis ist ein Leistungstest der retinalen Ganglienzellen.

Ein Team um Vincent Laprevote vom Pole Hospitalo-Universitaire de Psychiatrie du Grand Nancy hat diese Untersuchung bei 28 regelmäßigen Cannabis-Konsumenten durchgeführt und die Ergebnisse mit denen von 24 Kontrollpersonen verglichen, die keine Drogen nehmen.

Ergebnis: Bei den Cannabis-Konsumenten vergingen bis zum Auftreten des Ausschlags P95 im Elektroretinogramm im Durchschnitt 98,6 Millisekunden. Bei der Kontrollgruppe waren es 88,4 Millisekunden. Die Differenz von median 8,4 Millisekunden war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 4,9 bis 11,5 Millisekunden statistisch signifikant. 

Wenn es in den weiteren Umschaltstellen der Sehbahn – im Corpus geniculatum laterale und im Sulcus calcarinus der Sehrinde – ebenfalls verzögert wird, dann könnte das Sehen von regelmäßigen Cannabis-Konsumenten durchaus verlangsamt sein. Und wenn alle Synapsen des Gehirns betroffen sein sollten, dann könnten dies das Denken der Konsumenten insgesamt verlangsamen, argumentiert Laprevote.

Allzu groß ist die Beweiskraft der Studie allerdings nicht. Es ist zwar richtig, dass die Retina der einzige Ort des Gehirns ist, an dem die Signalübertragung von einem Neuron auf das nächste untersucht werden kann. Diesen einzelnen Befund auf alle neuronalen Netzwerke des Gehirns zu übertragen, ist jedoch gewagt.

Es ist durchaus denkbar, dass die Störung nur einzelne Teile des Gehirns, vielleicht auch nur die retinale Informationsverarbeitung betrifft. Es fehlt zudem der Nachweis, dass die Verzögerung in irgendeiner Weise die Sehleistung der Patienten einschränkt. Hinzu kommt, dass eine Pilotstudie an wenigen Teilnehmern leicht zu verzerrten Ergebnissen führt. Es bleibt abzuwarten, ob andere Forscher die Ergebnisse reproduzieren können. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 13. Dezember 2016, 22:40

@Dr Bayerl

Aha... dann führen also auch Meditation und Yoga zur Verblödung... wusste doch, mit den ganzen Esoterikern stimmt was nicht...
Avatar #697854
Dr.Bayerl
am Dienstag, 13. Dezember 2016, 20:34

was für eine generelle "Verlangsamung" spricht,

ist die Depression der gamma-Wellen im EEG.
Vulgo cannabis führt zur Verblödung.
Avatar #110206
kairoprax
am Montag, 12. Dezember 2016, 19:17

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