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Neonatales Entzugssyndrom: Opiode sorgen für Anstieg in ländlichen Regionen der USA

Montag, 12. Dezember 2016

/ Bernd Kasper, pixelio.de

Michigan – In ländlichen Regionen der USA hat sich die Häufigkeit des neonatalen Abstinenzsyndroms (NAS) seit 2004 prozentual fast verdoppelt. Während 2004 auf dem Land noch 12,9 Prozent der Neugeborenen mit diesem Syndrom zur Welt kamen, berichten Forscher der University of Michigan in JAMA Pediatrics diese Woche über einen Anstieg auf 21,2 Prozent im Jahr 2013 (2016, doi: 10.1001/jamapediatrics.2016.3750). Mitverursacher des regionalen Unterschieds sehen die Autoren in opioidhaltigen Schmerzmitteln.

Für die Inzidenz bedeutet das sogar einen Anstieg von 1,2 auf 7,5 pro 1.000 Neugebo­re­ne aus ländlichen Regionen. Bei den Stadtkindern war die Zunahme seit 2004 nicht ganz so hoch: 1,4 auf 4,8 pro 1.000 Neugeborene. Gleichzeitig beobachteten die Autoren zunehmend Fälle von mütterlichem Opioidabusus. Schwangere, die auf dem Land leben, nahmen von 1,3 auf 8,1 pro 1.000 Krankenhausentbindungen zu. Unter den Stadtmüttern stieg die Inzidenz von 1,6 auf 4,8 im gleichen Zeitraum.

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NAS tritt bei maternalem Drogenabusus etwa von Kokain oder Methadon auf. Auch opioidhaltige Schmerzmittel, die während der Schwangerschaft wegen Kopfschmerzen, Migräne oder Muskelproblemen verschrieben werden, können das Syndrom verur­sachen. Der Stoffaustausch über die Plazenta führt beim Fetus zu einer Abhängigkeit. Nach der Geburt erfährt der Säugling dann eine Drogenabstinenz, die Entzugssympto­me zur Folge haben: Tremor, Schwitzen, Hyperaktivität, kontinuierliches helles Schreien, Reizbarkeit, Erbrechen und Diarrhoe, Trinkschwäche bei übermäßigem Saugen und seltener auch Atemstörungen und Krampfanfälle.

Die Forscher um Nicole L.G. Villapiano von der Robert Wood Johnson Foundation Clinical Scholars Program an der University of Michigan untersuchten mehr als 20.000 Neugeborene mit NAS und mehr als 50.000 Mütter mit Opioidabusus, deren Daten aus dem „National Inpatient Sample for neonatal births and obstetric deliveries“ stammen.

Schon zwischen den Jahren 2000 und 2012 verzeichneten Studien einen Inzidenz­anstieg um das Fünffache. Zudem gab es Hinweise darauf, dass einige ländliche Regionen stärker betroffen waren als städtische. Auch Hepatitis C und Tod durch eine Drogenüberdosis trat hier häufiger auf.

Für Deutschland liefert der aktuelle Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2016 keine Zahlen zu NAS. Jeder vierte Drogenabhängige habe Schätzungen zufolge Kinder und die Hälfte von ihnen mehr als eines, heißt es auf einer Website des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Lübeck. Man könne daher davon ausgehen, dass mindestens 50.000 bis 60.000 Kinder in Deutschland von der Drogenproblematik ihrer Eltern betroffen sind. © gie/aerzteblatt.de

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