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Politik

Warum die Notaufnahmen der Krankenhäuser immer voller werden

Montag, 12. Dezember 2016

/dpa

Berlin – Das Thema steht im Mittelpunkt der gesundheitspolitischen Diskussion: Immer häu­figer suchen Patienten die Notaufnahmen der Krankenhäuser auf, denen eigentlich auch ein niedergelassener Arzt in seiner Praxis oder im Bereitschaftsdienst helfen könn­te. Die Motive der Patienten, die Klinik aufzusuchen, haben jetzt Wissenschaftler der Cha­ri­té – Universitätsmedizin Berlin untersucht. Sie befragten dafür 64 Patienten aus drei Notaufnahmen. Ihre Ergebnisse hat das British Medical Journal (2016; doi: 10.1136/bmjopen-2016-013323) veröffentlicht.

„Wir haben herausgefunden, dass die Patienten die Rettungsstelle als eigenständigen Anlaufpunkt medizinischer Versorgung wahrnehmen. Interessant dabei war, dass sich die Motive der Patienten aus ländlichen und städtischen Gegenden nur geringfügig unter­schei­den“, erklärte Martin Möckel, ärztlicher Leiter der Rettungsstellen am Campus Cha­rité Mitte und am Campus Virchow-Klinikum.

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Ein Beweggrund der Patienten waren dabei die verfügbaren Haus- und Facharzt­ter­mine. Etwa die Hälfte der befragten Patienten hatte laut der Befragung zuvor versucht, einen Termin bei einem niedergelassenen Arzt zu bekommen. Die Anstrengungen, die sie dafür unternommen hatten, variierten jedoch recht deutlich. Manche versuchten es lange, an­de­re nur ein oder zwei Mal. Andere Patienten hielten es für grundsätzlich bequemer, di­rekt eine Notaufnahme aufzusuchen.

Einige von ihnen gaben auch an, niedergelassene Ärzte hätten ihnen empfohlen, dies zu tun. Die Qualität der Versorgung und die Möglichkeit, verschiedene Untersuchungen di­rekt vor Ort vornehmen lassen zu können, war für andere der Hauptgrund für den Be­such der Notaufnahme. Die Unter­suchungen ergaben auch, dass die Befragten aus den ländlichen Regionen alle haus­ärztliche Verbindungen hatten, während in der Stadt einige die Notaufnahme als Haus­arztersatz nutzten.

Die Ergebnisse zeigten, dass die strikte Trennung zwischen ambulanten und stationären Versorgungsangeboten nicht bedarfsgerecht sei und nicht der Lebenswirklichkeit der Pa­tienten entspreche, so Möckel. „Wenn wir die medizinische Qualität für Patienten aller Be­­handlungsbedürfnisse garantieren wollen, muss die Notfall- und Akutmedizin als ei­ge­ner, dritter Sektor verstanden und dementsprechend finanziert werden“, betonte der Not­fallmediziner.

Die Patientenzahl in Notaufnahmen steigt stetig. Wie sieht der Alltag in Ihrer Notauf­nah­me aus? Was könnte man ändern oder was wird bei Ihnen schon umgesetzt, um die Pa­tientensteuerung zu verbessern? Schreiben Sie uns: notaufnahme@aerzteblatt.de. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #560064
nocure
am Mittwoch, 21. Dezember 2016, 13:35

2/3 gehören da nicht hin

Die beste Statistik lieferte die Praxisgebühr. Am Anfang bei jedem Notdienstbesuch zu entrichten. Prompt fielen die Zahlen teilweise um über 60% innerhalb eines Monats. Dann wurde die Gebühr nur noch einmal im Quartal fällig, die Zahlen stiegen wieder. Auf "Normalniveau" landeten dann die Fallzahlen, nachdem die Gebühr wieder komplett abgeschafft wurde.
In D erklärt sich nun einmal gerne jeder selbst für krank und geht dann zum Zentrum seiner Wahl, denn diese Wahl ist ja per se richtig.
Eine "Triage" wäre richtig - nur bitte nicht nach dem unseligen holländischen Vorbild.
Avatar #110206
kairoprax
am Dienstag, 13. Dezember 2016, 10:25

geht es wirklich um die strikte Trennung von stationär und ambulant?


Es ist keineswegs zielführend, 64 Patienten zu befragen, die aus drei Notaufnahmen kamen. Stattdessen sollte man Patienten befragen, welche in den Portalpraxen der KV Hilfe suchen, das vergleichen mit den Aussagen der Patienten aus den Notaufnahmen der Krankenhäuser und schließlich mit Patineten, die primär oder ausschließlich ihren Hausarzt aufgesucht haben.

Es kämen ganz unterschiedliche Ergebnisse heraus.

Wenn ich 64 Menschen frage, die mit dem Auto zur Arbeit fahren, bekomme ich schließlich auch keine Aussagen darüber, was Fahrradfahrer und Benutzer der Straßenbahn für Beweggründe haben.
Es läßt sich feststellen, daß sowohl die Notarzteinsätze als auch die Inanspruchnahme der Notaufnahmen zunehmen, während die Portalpraxen der KV keinen rechten Zuspruch haben.

In Baden-Württemberg, wo die KV sehr früh und sehr restriktiv die vorhandenen wohnortnahen Wochenenddienstbereiche zerschlagen hat, wäre es angebracht, Befragungen der Hausärzte, der Notärzte und der Notaufnahmeärzte durchzuführen, um an die Ursachen der Schieflage zu kommen.
Es wäre auch sinnvoll und angebracht, Patienten stichprobenmäßig und flächendeckend zu befragen zu ihrer Zufriedenheit mit den meist wohnortfernen Portalpraxen, und warum sie an diesen vorbei Notärzte und Notfallambulanzen aufsuchen.

Danach erst wäre es angebracht, Schritte in eine bessere Lösung zu überlegen.

Aus meiner Sicht - und ob die richtig ist, weiß ich auch nicht - wäre eine Rückbesinnung auf ehedem beste hausärztliche Traditionen angebracht, also mit Nachtbereitschaft und Wochenenddiensten. Allerdings nicht zum Null-Tarif.

Wenn man ehrlich ist, entstand das Dilemma deswegen, weil die Allgemeinärzte ihre Ruf- und Anwesenheitsbereitschaft nie wirklich kostendeckend und fair erstattet bekommen haben, und daß die meisten Hausärzte deswegen froh sind, daß der Schwarze Peter jetzt bei den Krankenhäusern liegt.

Es muß wieder zu einer sinnvollen Arbeitsteilung kommen, mit hausärztlichen Hausbesuchen bei hausärztlichen Erkrankungen, mit Inanspruchnahme der Notfallabulanzen bei echten stationärpflichtigen erkrankungen und mit Notarzteinsätzen bei Notfällen.
Eigentlich wäre es einfach.

Dr.Karlheinz Bayer, sowohl Hausarzt wie Leitender Notarzt in Baden-Württemberg, und sehr unzufrieden mit der Entwicklung
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