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Medizin

Anti-NMDA-Rezeptor-Anti­körper gehäuft bei Psychosepatienten

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Oxford – Patienten, die an einer Psychose erkranken, haben häufiger positive An­ti-NM­DA-Rezeptor-Antikörper in peripheren Blutproben als gesunde Kontrollen. Belinda Len­nox und ihr Team an der University of Oxford berichten in The Lancet Psychiatry über die möglicherweise unterschätzte Bedeutung von autoimmun wirksamen Anti­körpern bei Psy­chosepatienten (2016; doi: 10.1016/S2215-0366(16)30375-3).

Die Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis wurde erstmals 2007 beschrieben. Die Erkran­kung löst zu Beginn meist psychiatrische Symptome aus wie Wahnvorstellungen, Hallu­zinati­o­nen und Angstzustände. Im Verlauf kann es dann zu epileptischen Anfällen, vege­ta­tiven Entgleisungen und einer Katatonie kommen. Es müssen jedoch nicht immer alle diese Symptome auftreten. Verantwortlich für die Erkrankung sind Anti-NMDA-Rezeptor-Anti­kör­per, welche die Glutamatrezeptoren in neuronalen Synapsen angreifen. Seit Ent­deck­ung der Erkrankung wurden noch eine Reihe weiterer Antikörper beschrieben, die auto­immune Enzephalitiden auslösen können.

Obwohl wahrscheinlich nur ein geringer Teil aller Schizophrenien durch die Antikörper verursacht wird, gehen viele führende Experten davon aus, dass die Erkrankung in der Psychiatrie unterdiagnostiziert ist. Besonders bei jungen psychotischen Patienten, die aus völliger Gesundheit einen foudroyanten Krankheitsverlauf mit Anfällen oder einer Ka­tatonie erleiden, sollten Ärzte an eine autoimmune Enzephalitis denken. In vier von fünf Fällen sind die Patienten weiblich.

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Die Forscher untersuchten in ihrer Studie die Häufigkeit von verschiedenen Antikörpern, die als Auslöser von autoimmunen Enzephalitiden bekannt sind. Sie bestimmten den Ti­ter im peripheren Blut von gesunden Probanden (n = 105) und von Patienten, die erst­mals die Diagnose einer Psychose erhalten hatten (n = 228).

Es zeigte sich, dass neun Prozent der Patienten positive Antikörper aufwiesen, während die gesunden Probanden nur in vier Prozent der Fälle Antikörper hatten. Im Fall der Anti-NMDA-Rezeptor-Antikörper hatten drei Prozent der Patienten (n = 7) positive Anti­körper. Bei den Gesunden war hingegen niemand positiv für diese Antikörper. Klinisch zeigte sich zwischen den positiv und den negativ getesteten Psychosepatienten kein Un­terschied.

Möglicherweise könnten bei den positiv getesteten Patienten die Antikörper eine wichti­ge Rolle in der Pathogenese spielen. Ob diese Patienten auch von einer immunsuppres­si­ven Therapie profitieren, testen die Forscher gerade in einer kontrollierten randomi­sier­ten Studie. © hil/aerzteblatt.de

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