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Politik

Wiederholt Lieferengpässe bei Antibiotika: Patientensicherheit ist in Gefahr

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Lieferengpässe bei Arzneimitteln treten immer wieder auf und dauern teils Monate.  /Tim Reckmann pixelio.de

Köln/Berlin – Derzeit kommt es auf dem deutschen und internationalen Arzneimittel­markt erneut zu Lieferengpässen bei Antibiotika. Betroffen ist die Wirkstoffkombination Piperacillin/Tazobactam. In der Liste des Bundesinstituts für Arzneimittelsicherheit und Medizinprodukte (BfArM) taucht der Engpass jedoch nicht auf. Denn eine Meldepflicht gibt es in Deutschland nicht. Experten der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) und des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) fordern, Strategien zu entwickeln, um die Bereitstellung lebenswichtiger Medikamente zu garantieren und Resistenzentwicklung entgegenzuwirken.

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Eine Explosion in einer Produktionsstätte in China, in der ein großer Teil des weltweit verfügbaren Wirkstoffs verarbeitet wird, ist nach dem aktuellen Erkenntnisstand des BfArM der Hauptgrund für den derzeitigen Lieferengpass bei Piperacillin/Tazobactam. Das Breitband-Antibiotikum wirkt gegen unterschiedliche Arten von Bakterien. Anders als viele Antibiotika kann Piperacillin/Tazobactam auch gegen gramnegative Bakterien eingesetzt werden.

„Diese Wirkstoffkombination wird wegen ihres breiten Wirkspektrums bei verschiedenen schweren Infektionen – auch Krankenhausinfektionen – eingesetzt und ist ein hoch­wirksames und unentbehrliches Medikament“, sagt Winfried Kern, Vorstandsmitglied der DGI und Leiter der Infektiologie an der Universitätsklinik Freiburg. Auch bei anderen Antiinfektiva kommt es regelmäßig zu Lieferschwierigkeiten, zuletzt unter anderem bei Präparaten mit dem Wirkstoff Daptomycin oder Ampicillin/Sulbactam.

Ursachen für Lieferengpässe:

  • Preiswettbewerb, vor allem bei generisch verfügbaren Wirkstoffen
  • Pharmazeutische Unternehmen verlagern die Produktion oft in Schwellenländer, die nicht über die hiesigen Sicherheitsstandards verfügen und deshalb anfälliger sind für Produktionsprobleme.
  • Konzentration der Roh- und Wirkstoffproduktion in den Händen von immer weniger Anbietern
  • weltweit steigende Nachfrage nach bestimmten Antibiotika

Quelle: Martin Hug, Direktor der Apotheke der Universitätsklinik Freiburg und Mitglied des Ausschusses Antiinfektive Therapie des ADKA

„Oftmals müssen wir auf Antibiotika mit unnötig breitem Wirkspektrum zurück­greifen“, sagt Katja de With, Sprecherin der Sektion Antibiotic Stewardship der DGI und Leiterin der Klinischen Infektiologie am Universitätsklinikum Dresden. Die Bemühungen um eine rationale Antibiotikaverordnung und die Eindämmung von Resistenzen drohen an den immer wieder auftretenden Lieferengpässen zu scheitern. „Es entstehen Nachteile in der Behandlung bis hin zur Gefährdung des Patienten“, warnt de With.

Was passieren muss
„Auf der Ebene der Patientenversorgung muss es originäre Aufgabe von Infektiologen sein, gemeinsam mit Klinikapothekern Strategien zu entwickeln, um bei Antibiotika-Lieferengpässen eine sichere und wirksame Behandlung von Infektions-Patienten sicherzustellen“, sagt Kern. Darüber hinaus benötige man dringend einen Masterplan, um der Problematik als solcher zu begegnen – hier seien vor allem Politik und Industrie gefragt, ergänzt Matthias Fellhauer, Direktor der Apotheke des Schwarzwald-Baar Klinikums und Vorsitzender des Ausschusses Antiinfektive Therapie der ADKA. „Ein erster wichtiger Schritt wäre eine verbindliche Meldepflicht bei Lieferengpässen für die Industrie.“ Der jetzige Lieferengpass wurde nur auf Hinweis der ADKA in einer Pressemitteilung öffentlich bekannt gemacht und besteht schon seit mindestens Mitte November.

Des Weiteren fordern DGI und ADKA Politik und Industrie dazu auf, Strategien zu erarbeiten, die die Produktions- und Lieferfähigkeit von Arzneimittel verbessern, auch wenn deren Patentschutz abgelaufen ist. Die Versorgung mit lebensnotwendigen Medikamenten müsse gewährleistet sein, sonst gerate die Patientensicherheit ernsthaft in Gefahr, so die Experten von DGI und ADKA. © gie/EB/aerzteblatt.de

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