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Medizin

Kniegelenk: FDA lässt autologes Chondro­zyten-Transplantat zu

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Mikroskopische Aufnahme von hyalinem Knorpel /dpa

Silver Spring – Die US-Arzneibehörde FDA hat den Einsatz eines autologen Chondro­zyten-Implantats zugelassen. Es besteht aus Knorpelzellen des Patienten, die im Labor vermehrt und auf eine Membran aus Schweinekollagen aufgetragen werden. Das Präparat hat in einer randomisierten klinischen Studie bei Patienten mit sympto­matischen Korpeldefekten im Knie bessere Ergebnisse erzielt als eine Mikro­frakturierung, einem heutigen Standard.

Die autologe Chondrozyten-Transplantation wurde erstmals 1994 der medizinischen Öffentlichkeit vorgestellt. Mats Brittberg von der Universität Göteborg und Mitarbeiter berichteten damals im New England Journal of Medicine (1994; 331: 889-95) über 23 Patienten mit tiefen Knorpeldefekten im Kniegelenk. Die Behandlung bestand aus der Entnahme von Knorpel aus einem Randbereich einer Femurkondyle. Aus der Gewe­beprobe wurden dann im Labor Knorpelzellen isoliert und in einer Zellkultur vermehrt. Die neuen Knorpelzellen wurden dann in einem zweien Eingriff in die Knorpelläsion injiziert, die vorübergehend mit einem Periostlappen gedeckt wurde. 

Inzwischen wurde die Technik weiterentwickelt. Standard ist heute das Matrix-assoziierte Transplantationsverfahren (MACI), bei dem die Knorpelzellen bereits im Labor auf eine Kollagen-Trägersubstanz aufgebracht werden. Die US-Firma Vericel Corporation aus Cambridge/Massachusetts verwendete dafür eine (übrigens in Deutschland produzierte) Membran aus Schweinekollagen, die besonders reißfest ist.

Um das Produkt auf den Markt zu bringen, musste der Hersteller sein Verfahren in einer randomisierten kontrollierten Studie mit einem Standardverfahren zur Reparatur von Knorpeldefekten vergleichen. Dies ist ein Unterschied zu Europa und Deutschland, wo die autologe Chondrozyten-Transplantation auch ohne vergleichende Studien von vielen Orthopäden angeboten wird.

Die notwendige Zulassungsstudie wurde ab Juli 2008 an 16 Zentren in sieben europäischen Ländern (ohne deutsche Beteiligung) durchgeführt. Die 144 jüngeren Teilnehmer (Durchschnittsalter etwa 35 Jahre) hatten eine Läsion von der Größe von im Mittel 5 cm2 im Knorpelgewebe des Kniegelenks, die Schmerzen verursachte und die Kniefunktion einschränkte. Die meisten hatten sich die Läsion bei einer Verletzung zugezogen. 

Die Patienten wurden eins zu eins auf ein MACI oder eine Mikrofrakturierung randomisiert. Bei der Mikrofrakturierung wird der Knochen unterhalb der Knorpelläsion mit scharfen Instrumenten bearbeitet. Dies führt zum Austritt von Knochenmarkzellen, die sich in ihrer neuen Umgebung in Knorpelzellen differenzieren sollen.

Das Ziel der Studie war die Linderung der Schmerzen und eine Verbesserung der Kniefunktion, die nach zwei Jahren mit den entsprechenden Subskalen des KOOS-Fragebogens („Knee injury osteoarthritis outcome score“) evaluiert wurde. Beide Therapien erwiesen sich als effektiv.

In der MACI-Gruppe verbesserte sich der Schmerzscore von 37,0 auf 82,5 Punkte. Nach der Mikrofrakturierung kam es zu einer Verbesserung von 35,5 auf 70,9 Punkte, die damit etwas schwächer ausfiel. Der Unterschied von 11,76 Punkten war signifikant. Auch die Funktion des Kniegelenks verbesserte sich nach beiden Behandlungen: Von 14,9 auf 60,9 in der MACI-Gruppe und von 12,6 auf 48,7 nach der Mikrofrakturierung. Die Differenz hier betrug 11,41 Punkte. 

Der Anteil der Patienten, die auf die Behandlung ansprachen, war mit 87,5 Prozent in der MACI-Gruppe ebenfalls höher als nach der Mikrofrakturierung. Der Anteil der Non-Responder war in der MACI-Gruppe mit 12,5 Prozent gegenüber 31,9 Prozent geringer. Auch diese Unterschiede waren signifikant.

Die meisten Patienten aus der zweijährigen klinischen Studie nahmen an einer dreijährigen Folgeuntersuchung teil. Die dortigen Ergebnisse stützen nach Auskunft der FDA die Zulassung der neuen Behandlungsmethode.

© rme/aerzteblatt.de

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