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Politik

Prävention chronischer Krankheiten: Deutschland liegt deutlich zurück

Freitag, 16. Dezember 2016

Beim Alkoholkonsum, Rauchen, Obst- und Gemüseverzehr schneiden Deutsche im Vergleich zu EU-Bürgern schlecht ab. /Klicker, pixelio.de

Berlin – In Europa sollen vorzeitige Todesfälle durch nichtübertragbare Krankheiten bis 2025 um 25 Prozent verringert werden. Die Teilnehmer der Konferenz „The European Response to Chronic Diseases – the Role of Civil Society“, die diese Woche in Brüssel zu Ende ging, bestätigten damit die Ziele des neuen Aktionsplans der Weltgesundheits­organisation (WHO) für Europa. Bekämpfen möchte die WHO Krebs, Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes und chronischen Atemwegserkrankungen vor allem mit gesunder Ernährung, körperlicher Bewegung, sauberer Luft sowie besseren Lebensmitteln. Für Deutschland nahm die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) an der EU-Konferenz teil.

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Die WHO entwirft in ihrem „Aktionsplan zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten 2016 bis 2025“ die Zukunftsvision eines Europas, das frei von nichtübertragbaren Krankheiten, vorzeitigen Todesfällen und vermeidbaren Behinderungen ist. Krank­heitsfördernd sind vor allem Tabak- und Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Bluthochdruck, Adipositas und Umweltfaktoren wie Luftver­schmutzung. „Auf dem Weg zur Vermeidung der chronischen Krankheiten haben wir Fortschritte gemacht“, berichtet DANK-Sprecher Dietrich Garlichs. „Aber es existieren in Europa teilweise erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern, und Deutschland liegt in vielen Bereichen deutlich zurück.“

Deutschland lebt vergleichsweise ungesund
Wie die neuesten Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) belegen, hat Deutschland etwa einen überdurchschnittlichen Alkoholkonsum in Europa. Während im Schnitt jeder EU-Bürger pro Jahr zehn Liter puren Alkohol trinkt, sind es in Deutschland elf Liter – Spitzenkonsument ist Litauen mit 14 Litern pro Kopf und Jahr, Schweden und Italiener trinken hingegen mit etwa sieben Litern deutlich weniger. Beim Rauchen belegt Deutschland einen schlechten 15. Platz unter den 28 EU-Ländern. Beim Obst- und Gemüseverzehr landet Deutschland laut OECD-Index sogar auf dem drittletzten Platz unter 28 EU-Staaten.

Unausgewogene Ernährung wirkt sich direkt auf Erkrankungsraten aus. So stellte kürzlich der Euro Herz Index fest, dass Deutschland bei der Herzgesundheit aufgrund eines ungesunden Lebensstils mit zu hohem Zucker- und Alkoholkonsum sowie zu wenig Gemüse- und Obstverzehr beim Vergleich von 30 europäischen Ländern nur Rang 14 einnimmt – trotz seiner leistungsstarken Krankenversorgung. „Wir verfügen gewissermaßen über einen hochwertigen Reparaturbetrieb, was das Herz betrifft“, resümiert DANK-Sprecher Garlichs. „Noch wichtiger wäre es allerdings, diese Erkrankungen überhaupt gar nicht erst entstehen zu lassen.“

WHO empfiehlt Zucker, Fett und Salz zu besteuern
Um hier voranzukommen, empfiehlt der WHO-Europaplan Steuern zu nutzen, um die Nachfrage nach Tabak, Alkohol sowie Nahrungsmitteln und Getränken mit hohem Gehalt an Zucker, Fett und Salz zu beeinflussen. Schließlich wirbt der Aktionsplan für veränderte Rezepturen von Lebensmittelprodukten: Transfette und gesättigte Fette sollten durch ungesättigte Fette ersetzt, Salz- und Zuckergehalt reduziert werden. © EB/gie/aerzteblatt.de

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