Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Stillen in Deutschland: aktuelle KiGGS-Daten liefern nur einen kleinen Teil des Monitorings

Freitag, 16. Dezember 2016

Die Stillquoten für die ersten 6 Monate sind ungewiss. /dpa

Berlin – Zwischen den Geburtenjahrgängen 2001/2002 und 2007/2008 nahm die Prävalenz jeglichen Stillens tendeziell zu. Das zeigen Daten der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) des Robert Koch-Instituts, die letzte Woche in der zweiten Ausgabe des Journals of Health Monitoring publiziert wurden (2016, doi: 10.17886/RKI-GBE-2016-038). Die Stilldauer hat sich demnach seit 2001 bis 2008 nicht geändert. Im Vergleich zu regionalen Studien lagen die Stillquoten eher unter dem Durchschnitt.

Verschiedene Arten des Stillens

  • Jegliches Stillen: zusätzlich nahrhafte Flüssigkeiten und Beikost
  • Volles Stillen: zusätzliche Flüssigkeiten wie Wasser und Tee
  • Ausschließliches Stillen

Während in den Geburtenjahrgängen (GJ) 2001/2002 77 Prozent der Mütter angaben, jemals gestillt zu haben, waren es in den GJ 2007/2008 schon 82,5 Prozent. Nach sechs Monaten waren es 2001/2002 noch fast 50 Prozent, 2007/2008 gute 54 Prozent. Ausschließ­lich gestillt wurden weit weniger Kinder. Obwohl die Empfehlung der Weltgesund­heitsorganisation (WHO) lautet: „Als weltweite Gesundheitsempfehlung sollten Säuglinge während der ersten sechs Lebensmonate ausschließlich gestillt werden, um optimales Wachstum, Entwicklung und Gesundheit zu erlangen.“ Laut KiGGS stillten nach sechs Monaten aber nur noch 10,2 Prozent (2001/2002) der Mütter ihre Kinder ausschließlich und 2007/2008 fast zwölf2 Prozent. Danach fällt die Quote weiter ab.

Ein deutlicher Abfall der Stillquoten sei zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat zu sehen, heißt es in der Publikation – sowohl für ausschließliches, volles als auch jegliches Stillen. Vor allem Mütter von Frühgeborenen mit einfacher Bildung und jene, die auch während der Schwangerschaft rauchten, würden deutlich kürzer stillen.

Experten fordern ein systematisches Stillmonitoring
Von einem Stillmonitoring wäre eine kontinuierliche Auswertung der einzelnen Jahr­gänge zu erwarten. Diese können die periodisch erhobenen und zudem retrospektiven KiGGS-Daten jedoch nicht liefern. Auf europäischer Ebene fordert der Aktionsplan „Schutz, Förderung und Unterstützung des Stillens in Europa“ daher auch ein standardisiertes Stillmonitoring. Dafür sollen nach Ansicht der Nationalen Stillkommis­sion verschiedene Datenquellen zusammenfließen, auch die der KiGGS-Studie.

Bereits im Sommer dieses Jahres äußerte Klaus Abraham bei einem Fachgespräch von CDU/CSU zur frühkindlichen Ernährung die Forderungen nach prospektiven Studien. „Von den empfohlenen Stillquoten der WHO ist Deutschland weit entfernt“, vermutete der Vorsitzende der Nationalen Stillkommission. Monitoringprojekte würden seit Jahren scheitern, nicht zuletzt wegen der Finanzierung. Dabei seien die gesundheitlichen Vorteile des Stillens in den ersten sechs Monaten bekannt. Auch im Deutschen Ärzte­blatt wurde in der Ausgabe 43/2016 berichtet.

Frühkindliche Ernährung: Die ersten 1000 Tage entscheiden

Schwangerschaft und Kleinkindalter – hier sind die Chancen Übergewicht zu verhindern am effektivsten. Dennoch berücksichtigt das Präventionsgesetz diesen Zeitraum zu wenig, die nationale Studienkohorte schließt ihn komplett aus.

© gie/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

10. Mai 2018
New York – Fast jedes fünfte Baby in Deutschland wird einem Unicef-Bericht zufolge nicht gestillt. Während in Entwicklungs- und Schwellenländern wie Peru, Madagaskar und Nepal je 99 Prozent der Babys
Fast jedes fünfte Baby in Deutschland wird nicht gestillt
17. April 2018
Amarillo/Texas – Wenn Schwangere Cannabis rauchen, sei es zum Vergnügen oder aus medizinischer Indikation, dann gelangt der psychoaktive Wirkstoff THC auch in die Muttermilch, wie eine
Cannabis erreicht die Muttermilch
22. Februar 2018
New York – Eine Transgender-Frau, die als Mann geboren wurde, hat erfolgreich das Kind ihrer Lebenspartnerin gestillt. Nach dem Bericht ihrer behandelnden Ärzte in Transgender Health (2018; doi:
Transgender-Frau stillt Baby ihrer Lebenspartnerin
17. Januar 2018
Oakland/Kalifornien – Mütter, die ihre Säuglinge 6 Monate oder länger stillen, erkranken einer prospektiven Kohortenstudie in JAMA Internal Medicine (2018; doi: 10.1001/jamainternmed.2017.7978)
Studie: Stillen kann späterem Diabetes der Mutter vorbeugen
5. Januar 2018
Philadelphia/Atlanta – Viele Eltern in den USA füttern ihre Babys zu früh mit Nahrung abseits der Muttermilch. Vor allem Kinder, die weniger als 4 Monate oder gar nicht gestillt wurden, erhielten
Säuglingsnahrung: Viele Kinder erhalten zu früh Beikost
14. November 2017
London – Teenager leiden nur halb so häufig unter Neurodermitis, wenn ihre Mütter nach der Geburt in der Klinik zum Stillen motiviert wurden. Dies kam in der größten randomisierten Studie heraus, die
Stillen: Geburt in „Baby-Friendly Hospital“ schützt Teenager vor Neurodermitis
4. Oktober 2017
Hamburg – Nahrungsergänzungsmittel für stillende Mütter sind Verbraucherschützern zufolge in vielen Fällen überflüssig und bergen zudem das Risiko einer möglichen Überdosierung. Von 14 untersuchten

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige