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Medizin

Kernspin erkennt vorgeburtliche Fehlbildungen des Gehirns besser

Freitag, 16. Dezember 2016

dpa

Sheffield – Eine fetale Magnetresonanztomographie war in einer prospektiven Ver­gleichs­studie im Lancet (2016; doi: 10.1016/S0140-6736(16)31723-8) deutlich häufiger als eine genaue Ultraschalluntersuchung in der Lage, den Verdacht auf eine Fehlbildung des Gehirns abzuklären.

Kernspintomographische Untersuchungen von Feten werden bereits seit zwei Jahr­zehnten durchgeführt. Die Methode gilt als sicher, da sie anders als die Com­puter­tomographie ohne Strahlung auskommt. Die Untersuchung ist jedoch kostspielig, weshalb sie sich als Regeluntersuchung bisher nicht durchgesetzt hat.

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Ein mögliches Einsatzgebiet sind Schwangerschaften, bei denen beim Screeing durch den Frauenarzt der Verdacht auf eine Fehlbildung des Gehirns geäußert wird. Die anschließende hochauflösende Ultraschalluntersuchung kann eine Fehlbildung nicht immer ausschließen, da sich das zeitliche Fenster mit der Entwicklung der knöchernen Schädelkalotte langsam schließt und eine Kopflage im kleinen Becken die Untersuchung erschweren kann.

Die MERIDIAN-Studie („MRI in the diagnosis of fetal brain abnormalities in utero“) hat beide Verfahren bei Schwangeren verglichen, bei denen während der Routine-Untersuchung zwischen der 18. und 21. Gestationswoche der Verdacht auf eine Fehlbildung des Gehirns geäußert wurde.

Bei allen Frauen wurde zunächst eine detaillierte Ultraschalluntersuchung an einem von 16 Pränatalzentren durchgeführt. Allen Frauen wurde anschließend eine fetale Magnetresonanztomographie (MRT) angeboten, die 823 Frauen annahmen. Die Ergebnisse von Sonographie und MRT wurden mit den postnatalen Diagnosen oder bei einem Schwangerschaftsabbruch mit den Autopsiebefunden verglichen.

Wie das Team um Paul Griffiths von der Universität Sheffield berichtet, traf die MRT-Diagnose in fast allen Fällen (93 Prozent) zu, die Ultraschalluntersuchung lag dagegen nur in zwei Drittel (68 Prozent) der Fälle richtig. Nur in zwei von 570 Fällen hatte die Ultraschalluntersuchung einen richtigen Befund erkannt, der in der anschließenden MRT übersehen wurde.

Dagegen musste bei 144 von 570 Frauen (25 Prozent) die Ultraschalldiagnose nach der MRT korrigiert werden. In 387 von 783 Fällen (49 Prozent) veränderte das MRT die Einschätzung der Ärzte zur Prognose der Schwangerschaft. In 269 von 783 Fällen (34 Prozent) wurden neue Entscheidungen über den weiteren Verlauf der Schwangerschaft getroffen: 84 von 783 Frauen (11 Prozent) entschieden sich für einen Abbruch der Schwangerschaft, 115 von 783 Frauen entschieden sich für das Kind und nahmen an einer Beratung teil.

Die Ärzte gaben in 95 Prozent der Fälle an, dass sie dem Ergebnis des MRT vertrauen, nach der Ultraschalluntersuchung waren es nur 82 Prozent gewesen. Insgesamt 95 Prozent der Frauen sagten, dass sie bei einer künftigen Schwangerschaft – falls erforderlich – erneut eine MRT durchführen lassen würden, etwa 80 Prozent der Frauen meinten, die Untersuchungen haben ihnen geholfen, die Situation ihres Kindes besser einzuschätzen.

Griffiths hält aufgrund der Ergebnisse die MRT für eine sinnvolle Ergänzung bei Schwan­ger­schaften mit einem Verdacht auf eine Hirnanomalie. Offen ist allerdings noch die Kostenfrage, da Hirnanomalien mit einer Prävalenz von 3 auf 1.000 Schwan­ger­­schaften zu den häufigeren Fehlbildungen gehören. Griffiths kündigte hierzu eine Kosten-Nutzen-Analyse an.

© rme/aerzteblatt.de

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