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Medizin

Darmkrebs: Gen-Sequenzierung findet Mutationen bei jedem sechsten jüngeren Patienten

Montag, 19. Dezember 2016

/wikipedia

Columbus/Ohio – Einer von sechs Darmkrebspatienten im Alter unter 50 Jahren hatte in einer prospektiven Kohortenstudie mindestens eine Mutation in einem krebsrelevanten Gen. Etwa die Hälfte der hereditären Erkrankungen wäre laut dem Bericht in JAMA Oncology (2016; doi: 10.1001/jamaoncol.2016.5194) mit dem bisherigen Screening nicht erkannt worden.

Etwa zehn Prozent aller kolorektalen Karzinome treten vor dem 50. Lebensjahr auf. Ein ungewöhnlich frühes Erkrankungsalter ist bei Krebspatienten immer ein Hinweis auf eine genetische Ursache. Beim Darmkrebs werden derzeit jedoch Nachforschungen nur dann vorgenommen, wenn weitere Familienmitglieder erkrankt sind.

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In diesem Fall wird im Tumorgewebe nach sogenannten Mikrosatelliten-Instabilitäten oder immunhisto­chemischen Veränderungen gesucht, die ein indirekter Hinweis auf ein HNPCC („Hereditary Non-Polyposis Colorectal Cancer“) sind, das auch als Lynch-Syndrom bezeichnet wird. Ursache sind Defekte der DNA-Reparatur, weshalb die Patienten ein erhöhtes Risiko auf Krebserkrankungen in anderen Organen haben. Dies rechtfertigt eine intensivierte Krebsvorsorge. Aufgrund der autosomal-dominanten Vererbung sind mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Familienmitglieder betroffen, denen ebenfalls zu einer intensiven Krebsvorsorge geraten wird.

Das Screening des Tumorgewebes ist aus heutiger Sicht eine veraltete Technik, die in den nächsten Jahren vermutlich durch Gentests abgelöst wird, die an einer Blutprobe durchgeführt werden können. Die genauesten Ergebnisse liefert dabei die Sequen­zierung von Genen, die sämtliche Mutationen aufspüren kann, während herkömmliche Gentests nur nach wenigen bekannten Mutationen suchen.

Die Ohio Colorectal Cancer Prevention Initiative hat in den letzten Jahren bei allen Patienten, die im Alter von unter 50 Jahren erkrankt waren, die DNA-Sequenz von 25 bekannten Krebsgenen untersucht. Außerdem wurde das Tumorgewebe auf Mikro­satelliten-Instabilitäten oder immunhistochemische Veränderungen hin untersucht.

Ergebnis: Bei 72 von 450 Patienten (16 Prozent) wurden 75 Genmutationen gefunden, die als Verursacher des Kolorektalkarzinoms infrage kommen. Am häufigsten waren das Lynch-Syndrom (acht Prozent), gefolgt von einer familiären adenomatösen Polyposis (1,1 Prozent) sowie monoallelische und biallelische MUTYH-Mutationen (0,9 beziehungsweise 1,1 Prozent), die als Darmkrebsursache bekannt sind.

Darüber hinaus wurden jedoch bei 13 Patienten Mutationen in weiteren Krebsgenen gefunden. Darunter waren Mutationen in den Brustkrebsgenen BRCA1/2 (sechs Patienten, OMIM 113705 und 600185), CHEK2 (ein Patient; OMIM 604373) und PALB2 (zwei Patienten, OMIM 610355) sowie in den Genen ATM (drei Patienten, OMIM 607585) und CDKN2A (ein Patient, OMIM 600160). Das erste ist Ursache der Ataxia telangiectasia, das zweite ist als Auslöser von Melanomen bekannt.

Welchen Anteil diese Mutationen beim Darmkrebs haben und inwieweit sie ein erhöhtes Risiko von Angehörigen anzeigen, ist derzeit nicht bekannt. Die Ergebnisse bestätigen jedoch die Erfahrungen der letzten Jahre, nach denen es eine Reihe von Gendefekten gibt, die nicht nur einzelne Tumore auslösen, sondern „systemrelevant“ für die Krebs­entstehung sind. Welche Konsequenzen sich daraus für das Screening ergeben, wird sicherlich in den nächsten Jahren Gegenstand weiterer Untersuchungen sein. © rme/aerzteblatt.de

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