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Abtreibung in Texas: Gesetz verlangt Beerdigung von Föten

Montag, 19. Dezember 2016

Austin – Der Weg zu einer Abtreibungsklinik ist für Frauen im konservativen Texas schon bisher kein leichter. Oft müssen sie sehr weite Strecken fahren und Wochen auf einen Ter­min warten. Bald wird es für sie emotional wie finanziell noch schwerer. Denn seit heu­te gilt in dem Südstaat ein neues Gesetz: Jeder in einer Klinik oder Praxis abgetriebene Fö­tus, egal wie weit entwickelt, muss begraben oder im Krema­torium verbrannt werden. Dasselbe gilt für Föten nach Fehlgeburten in einer solchen Institution.

Der Streit zwischen Abtreibungsgegnern und -befürworten – „Pro Life“ gegen „Pro Choi­ce“ – wird in den USA seit vielen Jahren mit Vehemenz geführt. Nach dem Wahlsieg der so­zialkonservativen Republikaner gewinnt er vielerorts erneut an Fahrt, obwohl das Recht auf Abtreibung in den USA gesetzlich garantiert ist. Doch viele konservative Staa­ten finden Wege, dieses nationale Recht mit eigenen Gesetzen immer wieder zu perfo­rie­ren. Texas schreitet dabei gerne voran – in diesem Fall geht es offiziell darum, die öffent­liche Gesundheit und Sicherheit zu wahren.

In öffentlichen Statements der Befürworter steht dieser Aspekt allerdings nicht im Vorder­grund. „Ich glaube nicht, dass sterbliche Überreste von Embryonen wie medizi­nischer Ab­fall behandelt und auf Mülldeponien landen sollten“, sagte der republikani­sche Gou­ver­neur Greg Abbott in der New York Times.

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David Brown vom Center for Reproductive Rights in Texas hält auf dem Portal Vox.com da­gegen: „Eine Frau zu zwingen, nach einem Schwangerschaftsabbruch oder einer Fehl­geburt für die Beerdigung zu bezahlen, ist nicht nur absurd, sondern auch eine un­nötige Belastung und ein Übergriff in ihre persönlichen Überzeugungen.“

Betroffenen Frauen droht nun eine deutliche erhöhte Rechnung: Denn zu den Kosten für einen Abbruch, von der Familienplanungsorganisation Planned Parenthood je nach Me­tho­de mit 300 bis 900 US-Dollar veranschlagt, kommen unter Umständen mehr als doppelt so hohe Bestattungsgebühren.

Für Unternehmen dieser Branche könnte es künftig betriebsam werden. Bestatter müss­ten von Klinik zu Klinik fahren, um fetale Überreste einzusammeln. Der konkrete Ablauf ist zwar noch unklar, aber es ist wahrscheinlich, dass Kliniken diese Kosten an die Pa­tien­tinnen weitergeben. Denn der wirtschaftliche Druck für Anbieter von Abtrei­bungen ist hoch. Der soziale ohnehin. Vor vielen Kliniken versammeln sich regelmäßig Pro-Life-Akti­visten und beschimpfen die Frauen als Mörderinnen.

Bereits in den vergangenen Jahren haben Texas und andere Staaten kontinuierlich da­ran gearbeitet, Abtreibungskliniken das Handwerk zu legen. Die Auflagen für eine Praxis – etwa an Ausstattung und Ausbildung des Personals – sind mittlerweile so hoch, dass viele schließen mussten. In Texas, mit einer Fläche doppelt so groß wie Deutsch­land, schrumpfte nach einem solchen Gesetz von 2013 die Zahl der Praxen von 41 auf 18.

Seit Langem schon meldet der Bundesstaat, in dem es sehr viele Teenager-Schwanger­schaften gibt, stetig weniger Abtreibungen (2006: 82.000; 2014: 55.000). Auch US-weit gibt es diesen Trend. Von 2004 bis 2013 ging die Zahl um rund 20 Prozent auf 664.000 zurück, wie aus einer Statistik des US-Gesundheitsbehörde CDC hervorgeht. Die weit­aus überwiegende Zahl der Abbrüche findet vor der neunten Woche statt.

Aktivisten auf der anderen Seite des Spektrums versuchen gegenzuarbeiten. Eine Bewe­gung unter dem Namen „Gynuity Health Projects“ will Frauen, die eine Schwanger­schaft abbrechen wollen, den Weg zu den oft weit entfernten Praxen komplett ersparen. Im Rah­men einer Studie betreuten Mediziner Frauen telefonisch, das Medikament für den Abbruch landete per Versand im Briefkasten. Frauen nahmen vor allem teil, weil sie sich wünschten, den Abbruch möglichst privat und ohne großen Aufwand durchführen zu können. Auch das neue Bestattungsgesetz gilt nicht für Abbrüche oder Fehlgeburten, die zu Hause passieren. © dpa/aerzteblatt.de

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