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Telefonseelsorge: Politische Themen nehmen wenig Raum ein

Dienstag, 27. Dezember 2016

/dpa

München – Beziehungen, Krankheit, Einsamkeit. Diese Themen sind in der Telefonseel­sorge sehr präsent. Tagespolitische Themen spielen auch eine Rolle. Jedoch nehmen die­se deutlich weniger Raum ein als die persönliche Lebenswelt der Menschen. Die Zahl der Anrufe ist bei den befragten Telefonseelsorge-Stellen nicht gestiegen. Manche sind schon jetzt voll ausgelastet. Betroffene müssen mehrmals anrufen.

„Themen, die in den Medien präsent sind, bekommen wir auch bei der Telefonseelsorge zu hören“, sagte etwa Norbert Ellinger, Leiter der Abteilung Telefonseel­sorge des Evan­ge­lischen Beratungszentrums München. „Das ebbt aber auch schnell wieder ab“. Nach dem Amoklauf im Münchner Olympia Einkaufszentrum im Juli dieses Jahres habe etwa jeder dritte Anruf mit dem schrecklichen Ereignis zu tun gehabt.

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Oft sei das aber nur ein Anknüpfungspunkt: „Da werden Ängste wieder angerührt, die es sowieso schon gibt, et­wa dass die Menschen sich verloren fühlen.“ Ellinger schätzt, dass sich 90 Prozent der Gespräche um die eigene Lebenswelt der Menschen drehen: Krank­heiten, Krisen, Fami­lie, die Arbeitswelt. „Wir arbeiten immer am Limit, sind fast ständig voll ausgelastet“, sag­te Ellinger. Daher könne man davon ausgehen, dass die Gesprächszahlen sich nicht we­sentlich von denen im Vorjahr unterscheiden.

„Tagespolitische Themen schlagen sich gar nicht so sehr nieder, wie man vielleicht er­war­ten würde“, sagte auch Birgit Dier. Die Pfarrerin ist zuständig für die Telefon­seelsorge der Stadtmission Nürnberg. Der Amoklauf in München im Juli sei zum Beispiel nicht be­son­ders präsent gewesen in den Gesprächen. Dier erklärt sich das so: „Viele unserer An­rufenden sind schon so stark mit ihrem eigenen Leben, der Bewältigung ihres Alltags und ihren oft aus psychischen Krankheiten resultierenden Problemen beschäftigt, dass daneben kaum noch Energie bleibt für das Weltgeschehen beziehungsweise politische Fragen.“

Rund 9.200 Gespräche haben die Mitarbeiter der Telefonseelsorge Augsburg im Jahr 2016 geführt. Im Vorjahr waren es nahezu genauso viele. „Der Anteil psychi­scher Proble­me ist mit insgesamt 46 Prozent sehr hoch. Beziehungsfragen sind mit 44 Prozent das zweit­häufigste Thema“, erläuterte der Leiter der Telefonseelsorge Augs­burg, Diakon Franz Schütz. Darüber hinaus gebe es eine Vielzahl von anderen Themen, zum Beispiel Flüchtlingspolitik oder Onlinebeziehungen.

„Die meisten Anrufe haben mit familiären Beziehungen zu tun“, sagte auch Josef Kraus, Leiter der Telefonseelsorge Ingolstadt. Persönlich habe er nicht das Gefühl, dass The­men wie Terror oder die Flüchtlingspolitik eine größere Rolle spielten. Die Statistik er­fasst diese Themen allerdings nicht extra, sondern fasst sie unter dem Punkt „Ängste“ zusammen. Diese machen aber weniger als ein Sechstel aller Gesprächs­themen aus.

Anfang des Jahres habe es häufiger Anrufe im Zusammenhang mit der vermehrten Mi­gra­tion von Flüchtlingen gegeben, erläuterte Lisa Eichermüller von der Telefonseelsorge Regensburg. „Die Menschen haben vor allem über Ängste gespro­chen, inzwischen hat sich das aber wieder beruhigt. Die Themen, die im Vordergrund stehen, sind Einsamkeit und Beziehungen aller Art, auch zu Kollegen oder Geschwis­tern.“ Die Zahl der Anrufe sei nicht gestiegen. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #113003
Claus-F-Dieterle
am Dienstag, 27. Dezember 2016, 20:52

Aber nicht nur Anrufe!

Entlastend und ermutigend können auch persönliche Gespräche mit einem Gemeindeseelsorger und Gemeindegliedern wirken. Hebräer 10,25: "Einige haben sich angewöhnt, den Gemeindeversammlungen fernzubleiben. Das ist nicht gut; vielmehr müsst ihr einander Mut machen..." Und Jesus Christus spricht in Matthäus 11,28: "Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich will euch erquicken."
LNS

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