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Nach Terroranschlag: Rettungskonzept hat funktioniert

Dienstag, 20. Dezember 2016

/dpa

Berlin – Das Rettungskonzept für den sogenannten „Massenanfall von Verletzten“ hat funktioniert. Das hat der Chef der Berliner Feuerwehr, Landesbranddirektor Wilfried Gräf­ling, heute auf der Pressekon­ferenz zum mutmaßlichen Terroranschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt erklärt.

Nachdem zuerst bei der Feuerwehr ein Unfall gemeldet worden sei, habe sich zügig he­raus­kristallisiert, dass es sich um einen „Massenanfall von Verletzten“ hand­ele. „Das ist ein Schadensereignis, bei dem eine Vielzahl von Menschen betroffen sind und bei dem wir mit einer Vielzahl von verletzten Personen rechnen müssen“, erläuterte Gräfling. Das Kon­­zept habe letztlich dazu geführt, dass 153 Einsatzkräfte vor Ort gewesen seien. Da­rü­­­ber hinaus habe es Unterstützung von 80 Kräften von Hilfsorganisationen, insbeson­dere dem Deutschen Roten Kreuz, gegeben.

Gräfling betonte, das Konzept, das nicht erst seit den Terroranschlägen existiere und bun­desweit Stan­dard sei, sei zuletzt im Hinblick auf drohende Terroranschläge validiert und angepasst worden. Die Einsatzkräfte seien daher „in gewisser Art und Weise vorbe­reitet“ gewesen. Trotzdem habe man für neun Menschen vor Ort nichts mehr tun können. 52 Verletzte seien in den Berliner Kliniken aufgenommen worden. Davon 18 lebensge­fähr­lich verletzte Menschen, von denen drei mittlerweile verstorben seien. 14 Schwer- und 17 Leicht­­verletzte habe es darüber hinaus gegeben.

Nach Worten Gräflings hat auch die Verteilung der Patienten an die Berliner Kliniken gut funktioniert. „Wir haben in Berlin eine relativ hohe Krankenhausdichte. Alle schwer Ver­letz­ten konnten so auf die Krankenhäuser gezielt verteilt werden, dass sie alle Indivi­dual­medizin genießen konnten und keiner zurückgestellt werden musste“, erklärte er. Der Feuerwehrchef führte aus, die Kliniken seien darauf vorbereitet gewesen. Zu dem Kon­zept gehöre es, dass die Kran­ken­häuser – sobald sich der Notfall abzeichne – vorab in­formiert würden. Diese wür­den dann ihre internen Ressourcen in der Notaufnahme, in den Schockräumen und in der Diagnostik hochfahren, um dem erhöhten Anfall von Ver­letzten gerecht zu werden. Das Konzept habe sich bewährt, sagte Gräfling.

Er wies zudem auf eine extrem hohe Hilfsbereitschaft der Bürger vor Ort hin. „Wir haben auch Unterstützung gefunden von Ärzten, die zufällig vorbeigekommen sind, oder sich be­reit erklärt haben, unsere Notärzte, die vor Ort waren, zusätzlich zu unter­stüt­zen“, er­läu­terte er. Das System habe insgesamt „funktioniert“, resümierte er.

Aus der Berliner Charité hieß es am Nachmittag, es würden derzeit noch sechs Men­schen mit schweren Verletzungen auf den Intensivstationen der drei Charité-Kliniken be­treut, zwei weitere seien zwischenzeitlich verstorben. Darüber hinaus befänden sich zwei Patienten mit mittelschweren Verletzungen und drei mit leichten Verletzungen weiterhin in Behand­lung. An allen drei Standorten der Klinik sei gestern Abend Katastro­phenalarm ausgelöst wor­den. Die Charité habe insgesamt 13 Patienten aufgenommen, hieß es. Für Opfer und Angehörige sei eine psychologische Betreuung eingerichtet worden.

Der Anschlag hat auch dazu geführt, dass die Ehrenamtlichen der Ökumenischen Tele­fonseelsorge in Mecklenburg-Vorpommern mehr zu tun haben. Wie die Beauftragte der Träger, Ute Krause, heute in Schwerin sagte, bildeten Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg eine Organisationseinheit. Anrufende aus den drei Ländern würden an einen Gesprächspartner aus einem der drei Länder vermittelt. Nach dem Anschlag sei der Gesprächsbedarf deutlich gestiegen, sodass eine zusätzliche zweite Lei­tung ge­schal­tet worden sei, sagte Krause.

Am gestrigen Montagabend war ein Lkw vorsätzlich in die Menschenmenge auf dem Weih­nachtsmarkt rund um die Berliner Gedächtniskirche gesteuert worden. Die Sicherheitsbehörden gehen von einem Attentat aus. „Wir haben kei­nen Zweifel mehr, dass es sich bei dem schrecklichen Ereignis gestern Abend um einen Anschlag gehan­delt hat“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). „Wir müssen nach jetzi­gem Stand von einem ter­ro­­risti­sch­en Anschlag ausgehen“, betonte auch Bundes­kan­zle­rin Angela Merkel (CDU). Die Generalbundesanwaltschaft habe die Ermittlungen über­nommen, teilte Bundesjustiz­mi­nister Heiko Maas (SPD) bereits ges­tern am Abend über Twitter mit. © may/afp/aerzteblatt.de

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