Medizin

Raucherentwöhnung: FDA schwächt Warnungen für Vareniclin und Bupropion ab

Dienstag, 20. Dezember 2016

Silver Spring – Die Gefahr, dass die Medikamente Vareniclin (Champix) und Bupropion (Zyban), die Rauchern bei der Entwöhnung helfen sollen, schwere Stimmungs­schwankungen beziehungsweise Verhaltens- oder Denkstörungen auslösen, ist geringer als bislang angenommen. Zu dieser Einschätzung gelangt die US-Arzneimittelbehörde FDA aufgrund der Ergebnisse einer den Herstellern auferlegten Studie. In der Fachinformation zu Champix soll jetzt ein umrahmter Warnhinweis gestrichen, bei Zyban der Text „entschärft“ werden.

Die FDA hatte in den letzten Jahren mehrmals Warnmeldungen (Drug Safety Commu­nication) zu Vareniclin und Bupropion veröffentlicht. Anlass waren Berichte über psychiatrische Komplikationen gewesen, die vor allem nach der Verordnung von Vareniclin beobachtet worden waren. Dazu gehörten Ängste, Nervosität, Anspannungen, depressive Stimmungen, ungewöhnliches Verhalten oder Suizidgedanken, was bei Champix in einem umrahmten Warnhinweis kulminierte. Auch nach einer Raucher­entwöhnung mit Bupropion war es zu psychiatrischen Auffälligkeiten gekommen.

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Gleichzeitig zu den Warnhinweisen hatte die FDA die Hersteller Pfizer und GlaxoSmithKline zu einer placebokontrollierten Sicherheitsstudie verpflichtet. An der EAGLES-Studie nahmen 8.144 Patienten teil, die einen Rauchstopp geplant hatten. Etwa die Hälfte litt unter psychischen Vorerkrankungen. Bei den meisten waren dies affektive Störungen (Depressionen) oder Angststörungen. Es gab aber auch Teilnehmer mit psychotischen Störungen oder einer Persönlichkeitsstörung.

Die Teilnehmer wurden in der Studie auf vier Gruppen randomisiert, in denen die Raucherentwöhnung durch Nikotinpflaster, Vareniclin, Bupropion oder Placebo unterstützt wurde. Zu den Endpunkten gehörte die Rate von neuropsychiatrischen Komplikationen. Diese traten laut den im Frühjahr im Lancet (2016; 387: 2507-2520) veröffentlichten Ergebnissen bei Menschen ohne psychische Vorerkrankungen relativ selten auf. Die Inzidenz lag in allen vier Gruppen bei etwa 3 Prozent. Es gab keinen Unterschied zwischen den drei Wirkstoffgruppen und der Placebogruppe.

Unter den Patienten mit psychischen Vorerkrankungen kam es in allen vier Gruppen deutlich häufiger zu neuropsychiatrischen Symptomen. Die Inzidenz lag in der Placebogruppe und bei den Anwendern von Nikotinpflastern bei etwa 10 Prozent. In der Vareniclingruppe und der Bupropiongruppe war die Inzidenz mit 12 Prozent etwas höher, wobei es zwischen diesen beiden Gruppen keine Unterschiede gab.

In den meisten Fällen handelte es sich um Rückfälle oder eine Verstärkung vorbe­stehender neuropsychiatrischer Symptome. Eine mögliche Erklärung ist, dass der Stress, der mit dem Rauchstopp verbunden ist, und nicht die Medikamente für die Symptome verantwortlich waren. Dafür spricht auch, dass die Nebenwirkungen meist vorüber­gehender Natur waren. Sie waren außerdem milde und eine Hospitalisierung der Patienten war in der Regel nicht erforderlich. 

Die FDA setzt die Nebenwirkungen mit der Erfolgsrate der Raucherentwöhnung in Beziehung, die mit Hilfe von Nikotinpflastern, Vareniclin oder Bupropion ungefähr doppelt so hoch war wie in der Placebo-Gruppe. Die Nutzen-Risiko-Bilanz fiel positiv aus. Die FDA sieht deshalb keinen Grund, den Einsatz der Wirkstoffe einzuschränken.

Die FDA hatte die Ergebnisse der Studie im September in einer Tagung zur Diskussion gestellt. Zehn Gutachter rieten der FDA damals, sämtliche Warnhinweise zu entfernen, vier meinten, die Formulierungen sollten abgeschwächt werden, während fünf sich gegen eine Änderung aussprachen.

Die FDA, die nicht an das Votum der externen Gutachter gebunden ist, entschied sich jetzt, der Mehrheit zu folgen. Der umrahmte Warnhinweis zu Champix wird gestrichen und die Warnhinweise zu Bupropion werden abgeschwächt. Beide Hersteller müssen jedoch weiterhin auf die Gefahr von neuropsychiatrischen Komplikationen hinweisen, die zum vorzeitigen Abbruch der Behandlung zwingen können. Beide Hersteller dürften jedoch auch die Gelegenheit nutzen, um in den Fachinformationen die günstigen Ergebnisse der EAGLES-Studie zur Effektivität ihrer Präparate herauszustellen. © rme/aerzteblatt.de

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