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Medizin

Wie eine Schwangerschaft das Gehirn der Mutter verändert

Dienstag, 20. Dezember 2016

dpa

Barcelona – Während der Schwangerschaft kommt es zu Veränderungen in Hirnarealen der sozialen Kognition, die möglicherweise die spätere Fürsorge der Mutter für das Kind beeinflussen. Dies ergab eine Langzeitstudie in Nature Neuroscience (2016; doi: 10.1038/nn.4458). Bei den Vätern wurden keine entsprechenden Veränderungen entdeckt – was aber eine Fürsorge nicht ausschließen muss.

Die Schwangerschaft ist mit einer erheblichen Umstellung des Hormonhaushalts verbunden. Der Progesteronspiegel steigt um das 10- bis 15-fache und der Körper der Frau wird mit Östrogenen in einer Menge überflutet, die die gesamte Produktion während des restlichen Lebens übersteigt. Dies hat dramatische Auswirkungen auf Herzleistung, Blutvolumen, Resorption von Nährstoffen im Darm und Stoffwechsel, die in zahlreichen Studien dokumentiert wurden.

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Wenig beachtet wurden – wenigstens beim Menschen – die Auswirkungen der Hormone auf das Gehirn. Bei Nagern kommt es zu deutlichen Veränderungen in der Morphologie und der Funktion des Gehirns, die das Verhalten der Muttertiere auch in der Zeit nach der Geburt prägen.

Ob es beim Menschen ähnliche Phänomene gibt, haben Elseline Hoekzema von der Universität Barcelona und Mitarbeiter an einer Gruppe von 25 Frauen mit Kinderwunsch untersucht. Bei den Frauen wurden zwei Kernspintomographien durchgeführt, die erste vor der Schwangerschaft, die zweite nach der Geburt des Kindes. Zum Vergleich wurden 19 erstmalige Väter sowie 20 Frauen und 17 Männer ohne Kinder untersucht. 

Eine computerbasierte Analyse zeigte, was auf den kernspintomographischen Aufnahmen nicht auf den ersten Blick erkennbar war. Während der Schwangerschaft war es zu einer leichten Volumenabnahme in Arealen des präfrontalen und des temporalen Cortex gekommen, die für soziale kognitive Leistungen zuständig sind. Bei den Vätern und den anderen Kontrollgruppen, die keinen hormonalen Veränderungen unterworfen sind, wurde die Volumenabnahme nicht beobachtet. 

Der Rückgang des Hirnvolumens bedeutet laut Hoekzema jedoch nicht, dass die Schwangerschaft mit dem Verlust von Hirnzellen verbunden ist. Die genauen morphologischen Grundlagen für den leichten Volumenrückgang konnte die Studie nicht klären. Wahrscheinlicher sei, dass die Hormone eine Reorganisation der Nervenver­bindungen bewirkt haben. Die Forscherin zieht einen Vergleich zur Pubertät. In dieser Lebensphase, die ebenfalls durch eine Veränderung im Hormonhaushalt ausgelöst wird, kommt es zu einem Abbau von Synapsen, den die Hirnforscher mit dem Beschneiden von Bäumen vergleichen und als „Pruning“ bezeichnen.

Für diese These spricht, dass die Hirnveränderungen keineswegs zu einem Verlust kognitiver Fähigkeiten führen. Die Frauen erzielen in den entsprechenden Tests gleich gute Ergebnisse wie die Männer und die Frauen ohne Schwangerschaft. Das „Pruning“ könnte jedoch die mütterliche Bindung an das Kind gefördert haben. Dafür sprechen die Antworten in einem Fragebogen (Maternal Postnatal Attachment Scale). Die Ergebnisse der jungen Mütter korrelierten hier mit dem Volumenrückgang in den sozialen kognitiven Hirnzentren.

Genau diese Hirnzentren zeigten in einer funktionellen Kernspintomographie eine vermehrte Aktivität, wenn den Müttern Bilder ihrer eigenen Kinder gezeigt wurden. Weitere Untersuchungen ergaben, dass die Veränderungen wenigstens über zwei Jahre nach der Geburt des Kindes anhielten und damit möglicherweise das Verhalten der Mütter in einer Phase prägen, in der das Wohlergehen des Kindes besonders stark von der Bindung an die Mutter abhängig ist. Die Auswirkungen der Schwangerschaft auf das Gehirn waren übrigens so ausgeprägt, dass eine Computersoftware anhand der kernspintomographischen Aufnahmen zu 100 Prozent feststellen konnte, ob eine Frau schwanger war oder nicht. © rme/aerzteblatt.de

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