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Medizin

PARP-Inhibitor Rucaparib bei Ovarialkarzinom effektiv

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Silver Spring - Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat mit Rucaparib einen zweiten PARP-Inhibitor zur Behandlung des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms zugelassen. Rucaparib, das auf ähnliche Weise wie Olaparib die DNA-Reparatur in den Krebszellen hemmt, hat in zwei Phase 2-Studien bei BRCA-positiven Tumoren das progressionsfreie Überleben verlängert. Die Zulassung ist an die Durchführung weiterer Studien gebunden.

Das Ovarialkarzinom gehört zu den Krebserkrankungen, die mangels eines Screenings in der Regel zu spät erkannt werden. Von den 7.380 Frauen, die in Deutschland jährlich erkranken, sterben 5.646 Frauen an dem Krebsleiden. Neue Wirkstoffe werden deshalb dringend benötigt. Zu den derzeit vielversprechenden Substanzen gehören die sogenannten PARP-Inhibitoren. 

Diese Wirkstoffe hemmen eine Reparatur der DNA durch das Enzym Poly-ADP-Ribose-Polymerase (PARP). Auf diese Form der DNA-Reparatur sind alle Krebserkrankungen mit defekten BRCA-Genen angewiesen, zu denen etwa 15 bis 20 Prozent aller Ovarialkarzinome gehören. Die BRCA-Gene sind ebenfalls an der DNA-Reparatur beteiligt. Ihr Ausfall fördert einerseits die Krebsentstehung, weil Krebsmutationen nicht mehr eliminiert werden. Andererseits stellt die defekte DNA-Reparatur ein Risiko für die Proliferation jedes Tumors dar, weil Mutationen auch die Funktion von Krebszellen stören können. Tumore mit defekten BRCA-Genen können nur proliferieren, wenn PARP funktioniert. PARP-Inhibitoren sind deshalb ein vielversprechendes Mittel zur zielge­richteten Behandlung von BRCA-positiven Ovarialkarzinomen.

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Ende 2014 wurde mit Olaparib der erste PARP-Inhibitor zugelassen. In Europa wurde das Mittel 2015 eingeführt. Einsatzgebiet sind fortgeschrittene Ovarialkarzinome, in deren Zellen BRCA-Mutationen nachgewiesen wurden. Ausschlaggebend für die Zulassung waren die Ergebnisse einer Phase 2-Studie, in der Olaparib das pro­gressionsfreie Überleben im Vergleich zu Placebo signifikant von 4,3 Monaten auf 11,2 Monate verlängerte.

Rucaparib erzielte in zwei Phase 2-Studien eine ähnlich gute Wirkung. An den Studien nahmen 106 Patientinnen teil, bei denen es nach einer oder zwei früheren Chemotherapien zur Tumorprogression gekommen war. Bisher gab es in dieser Situation kaum noch eine Behandlungsmöglichkeit. Unter der Therapie mit Rucaparib kam es bei 54 Prozent zu einer Rückbildung des Tumors, die im Mittel über 9,2 Monate anhielt.

Diese Ergebnisse reichten der FDA, um Rucaparib in einem beschleunigten Verfahren zuzulassen. Der PARP-Inhibitor darf bei Patientinnen eingesetzt werden, bei denen es nach zwei oder mehr Chemotherapien erneut zu einer Tumorprogression gekommen ist. Voraussetzung sind allerdings BRCA-Mutationen, für deren Nachweis der Hersteller einen eigenen Test entwickelt hat. Die Zulassung ist in den USA an die Durchführung weiterer klinischer Studien gebunden. Der Hersteller hat auch in Europa die Zulassung beantragt.

Die Nebenwirkungen sind ähnlich wie bei Olaparib. Am häufigsten kommt es zu Übelkeit, Erschöpfung, Erbrechen, Anämien, Bauchschmerzen, Geschmacksstörungen, Verstopfung, Appetitmangel, Diarrhoe, Thrombozytopenie und Dyspnoe. Das Medikament schädigt das Knochenmark (myelodysplastisches Syndrom) und ist teratogen. © rme/aerzteblatt.de

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