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Medizin

Opiate: Ambulante Buprenorphin-Thera­pie vermindert Drogenkonsum

Freitag, 23. Dezember 2016

Burlington/Vermont – Eine ambulante Interimsbehandlung mit Buprenorphin hat abstinenzbereiten Drogenkonsumenten in einer US-Studie im New England Journal of Medicine (2016; 375: 2504-2505) geholfen, die Wartezeit bis zu einer stationären Behandlung zu überbrücken.

Die derzeitige Opiatepidemie in den USA hat vor allem in ländlichen Regionen die therapeutischen Kapazitäten weit überschritten. Viele Drogenabhängige, die zu einer Behandlung bereit wären, müssen oft Monate oder Jahre warten, bis ein Therapieplatz für sie zur Verfügung steht. In der Zwischenzeit waren die Betroffenen weiter auf den illegalen Drogenkonsum angewiesen, der sie häufig mit dem Gesetz in Konflikt oder durch eine Überdosis in Gefahr brachte.

Eine von Suchtexperten der Universität in Burlington im US-Staat Vermont entwickelte Interimsbehandlung mit Buprenorphin hat in einer Studie den meisten Betroffenen geholfen, während der Wartezeit „clean“ zu bleiben. An der Studie hatten 50 Drogen­abhängige teilgenommen, die im Durchschnitt 7,2 Jahre lang Opiate konsumiert hatten, davon 78 Prozent intravenös. Insgesamt 30 Prozent hatten bereits Überdosierungen erlebt und zwar im Durchschnitt 3,6 Mal.

Die Teilnehmer waren motiviert, einen Entzug zu beginnen. Da aktuell keine Plätze zur Verfügung standen, wurden sie auf eine Warteliste gesetzt. Die Hälfte nahm zur Überbrückung an einem Interimsprogramm teil, das Stacey Sigmon und Mitarbeiter entworfen hatten. Die Abhängigen bekamen einen elektronisch gesteuerten „Safety Pill Dispensor“ ausgehändigt. Mit dem kleinen Gerät konnten die Abhängigen einmal am Tag, aber nur während einer bestimmten Zeitphase, ihre tägliche Dosis Buprenorphin beziehen.

Der „Safety Pill Dispensor“, der sich in der stationären Behandlung von Opiatabhängigen bewährt hat, sollte verhindern, dass die Teilnehmer Dosierungsfehler begehen und sich eine Überdosis des Schmerzmittels verabreichen. Die Motivation wurde weiter durch tägliche Anrufe von einem Sprachdialogsystem unterstützt, das die Teilnehmer zu Rückmeldungen aufforderte. Einmal im Abstand von zwei Wochen mussten die Teilnehmer die betreuenden Ärzte aufsuchen, um den „Safety Pill Dispensor“ füllen zu lassen und durch Urinproben zu belegen, dass sie nicht rückfällig geworden sind.

Dies funktionierte, wie Stacey Sigmon von der Universität Vermont und Mitarbeiter jetzt berichten, vorzüglich. Die Urinproben waren nach vier Wochen zu 88 Prozent, nach acht Wochen zu 84 Prozent und nach zwölf Wochen zu 68 Prozent negativ, während sie in der Kontrollgruppe bei allen Teilnehmern zu allen Zeitpunkten positiv waren. Die Abhän­gi­gen waren auch nach eigenen Angaben „clean“ und sie gaben weniger Sucht­symtome im „Addiction Severity Index“ an. Die Auswertung der „Safety Pill Dispensor“ ergab, dass sie 99 Prozent aller Tabletten eingenommen hatten. Auch die täglichen Monitoring-Aufrufe wurden zu 96 Prozent beantwortet. Auf einer Skala von null bis fünf bewerteten die Teilnehmer ihre Zufriedenheit mit 4,6 Punkten.

Das Projekt wurde mittlerweile auch in Massachusetts von der Polizei aufgenommen. Das Revier in Gloucester, einer Kleinstadt in Massachusetts, hat sogar begonnen, Werbung für das Programm zu machen. Es fordert die Drogenabhängigen auf, sich bei der Polizei zu melden. Dort erwartet sie dann keine Strafverfolgung, sondern die Überweisung in eine ambulante Therapie. „Angel Programm“ nennen die Polizisten ihr Angebot. © rme/aerzteblatt.de

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