Medizin

Weihnachtszeit riskant fürs Herz und welche Kinder der Weihnachtsmann vorzieht

Freitag, 23. Dezember 2016

London – Weihnachten ist für die meisten Menschen ein Fest der Besinnlichkeit und der Nächstenliebe. So sollte es sein und die meisten Menschen planen sicherlich auch, die Feiertage und die Zeit zwischen den Jahren in Frieden und in guter Gesundheit zu verbringen. Auch die Spendenbereitschaft ist hoch, wovon nicht zuletzt der Weihnachtsmann profitiert, wenn er bedürftige Kinder besucht.

Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus. Für viele Menschen ist Weihnachten vor allem mit Stress verbunden. Die Geschenke müssen verpackt, der Weihnachtsbaum aufgestellt werden, die Gans muss in den Ofen und die Verwandtschaft will besucht werden. In vielen Familien eskalieren am Heiligabend die aufgeschobenen Konflikte des Jahres. Zum Stress kommt dann das opulente Weihnachtsessen und auch der freizügige Alkoholkonsum sowie Tage eines absoluten Bewegungsmangels. Dies alles führt dazu, dass jedes Jahr die Zahl der kardialen Todesfälle in den beiden Wochen zwischen Heiligabend und den Heiligen Drei Königen ansteigt.

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Der Soziologe David Phillips von der Universität von Kalifornien in San Diego hatte bereits in einer früheren Untersuchung darauf hingewiesen, dass in der Holiday Season 4,65 Prozent mehr Menschen an kardialen Ursachen sterben als an anderen Zeiten des Jahres. Die nicht-kardiale Sterblichkeit war sogar um 4,99 Prozent erhöht (Circulation 2004; 110: 3781-3788). Dabei konnte Phillips glaubhaft ausschließen, dass dies an einer schlechteren Versorgung in den Krankenhäusern liegt, deren Betrieb zwischen den Jahren auf das Notwendige zurückgefahren wird. Die meisten Todesfälle ereigneten sich, bevor die Menschen eine Klinik erreichten. 

Einen Einwand konnte Phillips jedoch nicht widerlegen. Der Jahreswechsel fällt in Nordamerika wie auch in Europa die kälteste Jahreszeit und es blieb möglich, dass die niedrigen Temperaturen der Grund für die Übersterblichkeit sind. Dass diese Erklärung nicht zutrifft, kann jetzt Josh Knight von der Universität Melbourne im Journal of the American Heart Association (JAHA 2016; 5: e005098) zeigen, der die Sterbedaten von Neuseeland ausgewertet hat. 

Auf der südlichen Halbkugel fällt Weihnachten bekanntlich in die wärmste Zeit des Sommers. Wie in Nordamerika ist die Sterblichkeit in Neuseeland in den Sommermonaten am geringsten. Mitten in der Talsohle gibt es jedoch einen kleinen Anstieg, der genau in die Zeit zwischen dem 25. Dezember und dem 7. Januar fällt. Die Zunahme betrifft nur die kardiale Sterblichkeit und das Ausmaß ist mit einer Zunahme um 4,2 Prozent in etwa so groß wie in der US-Studie. Auffällig ist zudem, dass das durchschnittliche Alter beim Tod mit 76,2 Jahren fast ein Jahr niedriger ist als im übrigen Jahr, wo die Lebenserwartung in Neuseeland derzeit 77,1 Jahre beträgt.

Die Ursache für den vorzeitigen Tod zur Weihnachtszeit kann die Studie nicht klären. Der hohe emotionale Druck, der mit den Feiertagen verbunden ist, die plötzlichen Veränderungen in der Ernährung und im Alkoholkonsum sowie Bewegungsmangel, vielleicht verbunden mit dem Ortswechsel beim Besuch der Verwandtschaft bieten jedoch plausible Erklärungen. 

Ein weiterer mit Weihnachten verbundene Mythos wird durch eine - zugegeben nicht ganz ernst genommene, aber im Ergebnis dennoch bittere – Studie im British Medical Journal (BMJ 2016; 355: i6355) widerlegt. Weihnachten ist die Zeit der Nächstenliebe, und wer wäre hier bedürftiger als die Kinder, die die Feiertage im Krankenhaus verbringen müssen. In Großbritannien organisieren die meisten Kliniken den Besuch eines Weihnachtsmannes. Dies gelingt in wohlhabenden Regionen des Landes häufiger als in den ärmeren Gegenden, wie John Park von der TH Chan School of Public Health der Havard Universität in Boston durch Anrufen bei allen Kinderkliniken im Vereinigten Königreich herausgefunden hat.

Die Bereitschaft des Weihnachtsmannes, die Kinder im Krankenhaus zu besuchen, war insgesamt groß. In England organisierten 89 Prozent der Kliniken, in Wales 92 Prozent und in Schottland 93 Prozent aller Kliniken eine Feier. In Nordirland war der Weihnachtsmann sogar auf allen Kinderstationen präsent. 

Der Vergleich mit einem Deprivationsindex, der sieben sozioökonomische Faktoren (Einkommen, Beschäftigung, Krankenversicherung, Ausbildung, Wohneigentum, Kriminalität, Lebensumfeld) berücksichtigt, ergab, dass Kinderkliniken in den ärmeren Regionen zu 23 Prozent seltener vom Weihnachtsmann besucht werden. In England war das Risiko sogar um 31 Prozent erhöht.

Park hat zudem untersucht, ob wenigstens die Hoffnung der Kinder, durch eine vorbildliche Lebensweise ein Anrecht auf den Besuch des Weihnachtsmannes (und damit auf ein Geschenk) erworben zu haben, zutrifft. Auch dies scheint nicht der Fall zu sein. Die Kriminalitätsrate und auch die Häufigkeit des unentschuldigten Fehlens in der Schule hatte keinen Einfluss auf die Motivation des Weihnachtsmannes, sich im Krankenhaus blicken zu lassen. Die Kinder erfahren früh: Der Weihnachtsmann besucht lieber die reicheren Kinder. © rme/aerzteblatt.de

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