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Medizin

MDR-Tuberkulose unter Migranten aus Somalia

Dienstag, 27. Dezember 2016

Stockholm – Flüchtlinge aus Somalia haben in den letzen Monaten eine bisher in Europa kaum bekannte Variante der multiresistenten MDR-Tuberkulose eingeschleppt. Die wenigen Erkrankungen, die in vier Ländern aufgetreten sind und nach einer Einschätzung des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) derzeit kein Risiko für die einheimische Bevölkerung darstellen, konnten durch eine Genom­analyse des Erregers auf eine gemeinsame Herkunft zurückgeführt werden.

Somalia gehört zu den Ländern, in denen sich die MDR-Tuberkulose stark ausgebreitet hat. Bei 8,7 Prozent der neu entdeckten Erkrankungen sind die Erreger auf die Standard­medikamente Rifampicin und Isoniazid resistent, bei den vorbehandelten Fällen liegt der Anteil bei 47 Prozent. Experten rechnen deshalb seit Längerem damit, dass auch unter den Flüchtlingen, die im letzten Jahr nach Europa kamen, Menschen mit einer MDR-Tuberkulose sind.

In der Schweiz wurden zwischen Februar und August 2016 die ersten sieben Erkrankungen erkannt. Fünf Patienten waren aus Somalia, einer aus Eritrea und einer aus Äthiopien. Die Genomanalyse ergab, dass die Erreger bei allen sieben Patienten identisch oder nahezu identisch waren. Seither sind neun weitere Erkrankungen aufgetreten, davon sechs in Deutschland, zwei in Österreich und eine in Schweden. Alle Flüchtlinge stammen aus Somalia und alle waren mit dem gleichen MDR-Erreger infiziert.

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Die ECDC geht davon aus, dass weitere Flüchtlinge betroffen sind. Derzeit ist noch unklar, ob sich die Personen in ihrer Heimat oder auf der Flucht angesteckt haben. Die MDR-Variante, mit der die Flüchtlinge infiziert sind, ist in Europa bislang nicht verbreitet. Nur zwei von 2.828 MDR-Tuberkulosen aus der Zeit zwischen 2003 und 2015 waren auf den Erreger zurückzuführen. Beide Male stammen die Betroffenen ebenfalls aus Ostafrika.

Das Risiko einer Übertragung auf die einheimische Bevölkerung stuft die ECDC als gering ein. Eine Übertragung erfolgt in der Regel nur bei einer offenen Tuberkulose. Sie setzt zudem den direkten Kontakt mit dem Erkrankten voraus. Betroffen wären in erster Linie andere Flüchtlinge in derselben Unterkunft. Ganz ausschließen lässt sich die Übertragung auf die einheimische Bevölkerung allerdings nicht. Aufgrund der geringen Zahl der Erkrankten dürfte die Gefahr derzeit aber gering sein. © rme/aerzteblatt.de

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