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Niederlande: „Verfah­rensfehler“ bei In-vitro-Fertili­sation

Donnerstag, 29. Dezember 2016

/dpa

Utrecht – In einer niederländischen Klinik sind möglicherweise 26 Frauen irrtümlich mit Sperma be­fruchtet worden, das nicht für sie bestimmt gewesen ist. Das Labor habe ei­nen „Verfah­rensfehler“ gemacht, bestä­tigte das Universitätskrankenhaus Utrecht heute. „Es besteht die Möglichkeit, dass Eizellen mit Sperma befruchtet wurden, das nicht von dem beabsichtigten Vater stammt“, hieß es in einer Erklärung. Die Klinik untersucht nun, ob eine der Frauen tatsächlich von einem verkehrten Mann schwanger wurde. Die Wahr­scheinlichkeit, dass falsches Sperma verwendet wur­de, sei gering, könne aber „nicht aus­geschlossen“ werden, betonte die Universitätsklinik.

Der Fehler trat bei der intracytoplasmatische Spermainjektion (ICSI) auf. Offenbar hat­­te das Labor der Klinik von April 2015 bis November 2016 eine Pipette benutzt, in der sich noch Res­te von Samenzellen ei­nes anderen Mannes befanden. Ein Labor­mit­arbei­ter hatte dies im November dieses Jahres entdeckt. Daraufhin seien die Behandlungen sofort ge­stoppt worden, teilte das Krankenhaus mit. Wie es zu dem Fehler kommen konnte, ist unklar. Die Gesundheitsbehörden wurden informiert.

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Inzwischen sind laut Klinikum neun Kinder geboren und vier Frauen noch schwanger. Von dem Verfahrensfehler sind den Angaben zufolge auch eingefrorene Embryos be­troffen, die vorerst nicht verpflanzt würden. Die Paare seien informiert worden. Mit ihnen würden so schnell wie möglich Termine für weitere Untersuchungen, etwa DNA-Tests, ver­einbart. Dutzende beunruhigte Paare hatten sich gestern bei der Klinik gemeldet. Vie­le hätten Fragen über ihre Behandlungen und mögliche Folgen, sagte ein Klinik­sprecher. Von dem Fehler sind Paare aus vier Kliniken betroffen. Das IVF-Labor des Universitäts­krankenhauses ist zuständig für Fruchtbarkeitsbehandlungen in der Region um Utrecht.

Der Interessensverband von Menschen mit Fruchtbarkeitsproblemen, Freya, reagierte geschockt. Die Regeln bei der künstlichen Befruchtung seien sehr streng, sagte eine Sprecherin. „Wir betrachten dies als einen einmaligen Vorfall.“ Doch für die betroffenen Paare sei die Unsicherheit entsetzlich. „So einen Anruf will man vom Krankenhaus nicht bekommen.“

Verwechslungen des Spermas sind bei der IVF selten, aber sie kommen vor. In Singapur wurde 2012 ein Fall bekannt, in dem eine Frau irrtümlich mit Sperma befruchtet wurde, das nicht von ihrem Mann stammte. Die chinesischstämmige Frau hatte eine Klinik we­gen Fahrlässig­keit verklagt, nachdem sie an ihrem 2010 geborenen Baby einen auffall­end dunklen Hautton festgestellt hatte.

Seit der Zeugung des weltweit ersten Retortenbabys 1978 können Ärzte Eizellen außer­halb des Körpers befruchten. Am häufigsten wird die Intra-Cytoplasmatische Sper­ma-In­jektion (ICSI) genutzt. Sie kommt bei Fruchtbarkeitsproblemen des Mannes zum Ein­satz. In Deutschland sind nach Expertenschätzungen etwa sechs Millionen Frauen und Männ­er ungewollt kinderlos. 2014 gab es knapp 88.000 Behandlun­gen zur künstlichen Be­fruchtung.

© dpa/afp/aerzteblatt.de

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