NewsMedizinStudie: Obdachlose bekommen zu wenig Schlaf
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: Obdachlose bekommen zu wenig Schlaf

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Paris – Menschen ohne festen Wohnsitz leiden häufiger unter Schlaflosigkeit und Tages­müdigkeit als der Rest der Bevölkerung. Dies ergab eine Umfrage unter Obdachlosen in Frankreich. Die Studie in JAMA Internal Medicine (2016; doi: 10.1001/jamainternmed.2016.7827) weist auf ein weiteres Gesundheitsrisiko am Rande der Gesellschaft hin.

Schlaf ist ein wichtiger Bestandteil der Gesundheit. Menschen, die weniger als sechs Stunden am Tag schlafen, sind häufiger übergewichtig, und sie erkranken häufiger an Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen oder Angstzuständen. Sie leiden häufiger unter Schmerzen und sind vermehrt unfallgefährdet. Betroffen sind keineswegs nur Menschen, die ihren Feierabend in ihrer eigenen Wohnung genießen können und dann viel zu lang vor dem Fernseher oder anderen elektronischen Geräten sitzen bleiben.

Auch Obdachlose, die nicht unter Zeitmangel leiden und morgens nicht früh aufstehen müssen, bekommen häufig zu wenig Schlaf. In einer Umfrage, die Damien Léger von der Université Paris Descartes in verschiedenen französischen Städten durchführte, betrug die Schlafdauer der 3.465 Menschen ohne festen Wohnsitz durchschnittlich sechs Stunden und 31 Minuten. In der Allgemeinbevölkerung in Frankreich sind es sieben Stunden und neun Minuten. Insgesamt acht Prozent der Obdachlosen berichte­ten, dass sie weniger als vier Stunden am Tag schlafen, verglichen mit drei Prozent in der Allgemeinbevölkerung.

Anzeige

Obdachlose Frauen berichteten zweimal häufiger als Männer, dass sie weniger als vier Stunden in der Nacht schlafen. Insgesamt 41 Prozent der Obdachlosen klagten über Schlafstörungen und 33 Prozent der Obdachlosen litten unter einer vermehrten Tages­müdigkeit. In der Allgemeinbevölkerung sind es 19 Prozent (Schlafstörungen) und 15 Prozent (Tagesmüdigkeit). Insgesamt 25 Prozent der Obdachlosen gaben an, regel­mäßig Schlafmittel einzunehmen (15 in der Allgemeinbevölkerung).

Schlafstörungen sollten in der medizinischen Betreuung dieser besonders verletzlichen Gruppe stärker beachtet werden, findet Léger. Die Behandlung sollte sich dabei nicht auf die Ausgabe von Schlaftabletten beschränken. In den Unterkünften sollte darauf geachtet werden, dass die Betroffenen vor Lärm geschützt im Dunkeln schlafen können. Die Räume sollten zudem ausreichend beheizt sein, und den Betroffenen sollten bei Bedarf Ohrenstöpsel und Schlafmasken zur Verfügung gestellt werden. Ein Sichtschutz, der den betroffenen ein Gefühl der Sicherheit vermittelt, könnte sich ebenfalls positiv auf die Schlafeigenschaften auswirken. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #582750
M. Malone
am Montag, 2. Januar 2017, 14:11

Überflüssige Studie!!!

Wer in Kenntnis der Humanwissenschaften, der sozialen Realität, und unter aller größter Anwendung der Ratio zum gegenteiligen Schluß kommen sollte - wie die Iniatoren der Studie offensichtlich befürchten - kann genauso gut an den Weihnachtsmann glauben oder das die historische Person Jesu angesichts ihrer Ich-Stärke, Charisma ...als Sohn eines Zimmermanns aus der sozialen Unterschicht kommt genau wie Ghandi u. N. Mandela natürlich aus den Slums von Kalkutta sprich Durban kommen und dann ihr "Comming out" gehabt haben. Aber das soll in gut katholischen Kreisen ja immer noch......
LNS

Nachrichten zum Thema

29. August 2019
San Francisco – Eine seltene Variante im Gen des Beta1-Adrenozeptors sorgt dafür, dass mehrere Mitglieder einer Familie mit weniger als sechs Stunden Schlaf am Tag auskommen. Die Entdeckung in Neuron
Mutation im Beta1-Adrenozeptor verkürzt den Schlaf
29. August 2019
Hannover – Stress im Beruf ist Ursache Nummer eins für Schlafstörungen. Das Gedankenkarussell rund um die Arbeit bringt fast jeden Zweiten von rund 1.000 Befragten (41 Prozent) gelegentlich um den
Stress im Beruf häufigste Ursache für Schlafstörungen
26. August 2019
Bad Oeynhausen – Ein implantierter Zwerchfellschrittmacher, der nächtliche Atempausen erkennt und durch Stimulation des Nervus phrenicus beendet, kann eine zentrale Schlafapnoe nachhaltig vermindern.
Zwerchfellschrittmacher bei zentraler Schlafapnoe offenbar nachhaltig wirksam
20. Juni 2019
Mainz – In Deutschland fehlen nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) Schlaflabore oder schlafmedizinische Ambulanzen. Die Wartezeiten seien sehr
Schlafmediziner weisen auf Mangel an Schlaflaboren hin
3. Juni 2019
Brüssel – Das Ende der halbjährlichen Zeitumstellung in der EU ist nicht absehbar. „Es scheint, dass die meisten Mitgliedstaaten mehr Zeit benötigen“, heißt es in einem öffentlichen Dokument der
Ende der Zeitumstellung nicht in Sicht
8. Mai 2019
Tübingen – Die Großhirnrinde kann durch wiederholtes Üben schon innerhalb kurzer Zeit neue Gedächtnisspuren aufbauen. Allerdings sind diese nur dann allein für das Erinnern ausreichend, wenn auf das
Wie Schlaf das Gedächtnis fördert
7. Mai 2019
Berlin – Mit einer neuen Kurzinformation informiert das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) über Krankheitszeichen und Behandlungsmöglichkeiten bei Narkolepsie. Der zweiseitige Flyer
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER