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Medizin

Malaria: Impfung mit abgeschwächten Parasiten immunogen und sicher

Donnerstag, 5. Januar 2017

Die Anophelesmücke überträgt den Malariaerreger in Form von Sporozoiten während ihrer Blutmahlzeit auf den Menschen. / Sebastian Mikolajczak, Center for Infectious Disease Research

Seattle, Washington – Genetisch abgeschwächte Plasmodium-Parasiten konnten bei ersten Testpersonen erfolgreich als Impfstoff gegen Malaria eingesetzt werden. Die Forscher sprechen von einem Meilenstein in der Entwicklung des Malariaimpfstoffs. Der Mediziner und Epidemiloge Jürgen May vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) bewertet den Fortschritt positiv; ob der Impfstoff eine langfristige Immunität gewährt, müsse jedoch noch nachgewiesen werden. Die Studie ist in Science Translational Medicine erschienen (2017; doi:10.1126/scitranslmed.aad9099).

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Zum Erfolg führte die Forscher um Sebastian Mikolajczak vom Center for Infectious Disease Research (CIDR) und Fred Hutchinson Cancer Research Center ein triple knock-out. Drei Gene des Parasiten Plasmodium falciparum, dem Erreger der Malaria tropica, wurden entfernt, die für die Infektion relevant sind. Diese abgeschwächten Parasiten (genetically attenuated parasites, „GAPs“) können sich in der Leber nicht vermehren. Dennoch lösen die lebenden Einzeller eine Immunantwort aus, die die Testpersonen vor einer echten Malariainfektion schützen würde, teilen die Autoren mit. Bereits eine Impfdosis reicht aus, sagt Mikolajczak.

Zehn Testpersonen hatten sich freiwillig zur Verfügung gestellt. Die GAP wurden in Form von Sporozoiten über infizierte Anophelesmücken übertragen. Dafür mussten die Teilnehmer zehn Minuten ihren Arm 150 bis 200 Mücken für eine Blutmahlzeit anbieten. Alle zehn Personen zeigten nach mindestens 170 Stichen ein negatives Blutbild und hatten zudem Antikörper gegen Sporozoiten gebildet.

„Die Studienergebnisse bringen den ersten Beweis dafür, dass genetisch abgeschwäch­te Parasiten immungen und sicher beim Menschen sind“, schätzen auch Robert Seder vom Vaccine Research Center am National Institutes of Health und May, die nicht an der Studie beteiligt waren. In einem nächsten Schritt müsste jetzt die Effizienz, mit der der Impfstoff wirkt, geprüft werden. „Die schützenden Antikörper konnten die Forscher zwar nachweisen. Ob der Antikörpertiter jedoch einen langanhaltenden Schutz gewährt, ist noch nicht sicher“, ergänzt May, Arbeitsgruppenleiter der Infektionsepidemiologie am BNITM in Hamburg. Die Einschätzung, dass es sich bei der Forschung um einen Meilenstein der Malariaimpfstoffentwicklung handle, ist ihm daher auch zu enthusiatisch.

Zahlen und Fakten
Mehr als 214 Millionen Menschen infizierten sich weltweit 2015 mit Malaria, eine halbe Millionen starb.

Etwa 40 Prozent der Weltbevölkerung lebt in Malaria-Endemiegebieten.

Quelle: WHO

„Bei Malaria gibt es keine hundert­pro­zentige Immunität“, erklärt der Epidemio­loge. Nur eine Teilimmunität sei möglich, die die Betroffenen auch wieder verlieren könnten. Denn Plasmodien passen sich weit stärker als beispielsweise Influenza­viren ihrer Umwelt an und weichen so etablierten Medikamenten aus. Zurzeit steht daher keine Schutzimpfung gegen Malaria zur Verfügung. Stattdessen können Menschen in gefährdeten Regionen der Erkrankung mit einer Expositionsprophylaxe oder einer Chemoprophylaxe vorbeugen. Der am weitesten entwickelte Impfstoff­kandidat ist RTS,S, bestehend aus dem größten Teil des präerythrozytären Oberflä­chen­protein CSP von Plasmodium falciparum; dies ist an Hepatitis-Bs-Antigen gebunden und wird zusammen mit dem Adjuvans AS02 verabreicht. In einer Phase-3-Studie erreichte der Impfstoff jedoch noch keine ausreichende Effizienz. Im Deutschen Ärzteblatt wurde darüber berichtet.

MalariaVakzine: Effektivität und Risiken

Obwohl in den letzen Jahrzehnten viele Erfolge im Kampf gegen Malaria gefeiert werden konnten, sind als nächster Schritt in Richtung Elimination verlässliche Impfungen nötig. Bisher lässt sich damit aber nur ein geringer Schutz erzielen. Die Entwicklung von RTS,S wurde in den 1980er-Jahren gemeinsam vom Walter-Reed-Institut der US Armee und dem Pharmakonzern Glaxo SmithKline Biologicals (GSK) initiiert.

© gie/aerzteblatt.de
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