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Medizin

Brustkrebs: Präoperativer Impfstoff zeigt in Studie erste Wirkung

Mittwoch, 4. Januar 2017

dpa

Philadelphia – Ein experimenteller Impfstoff gegen das Brustkrebs-Antigen HER2, der in den Wochen vor der Operation mehrfach in die Lymphknoten und/oder die vom Krebs befallene Brust injiziert wird, hat sich in einer klinischen Studie als sicher und verträglich erwiesen. Bei jeder vierten Patientin mit einem duktalen Carcinoma in situ (DCIS) waren laut der Publikation in Clinical Cancer Research (2016; doi: 10.1158/1078-0432.CCR-16-1924) bei der Operation keine Krebszellen mehr im Tumor nachweisbar.

Das Ziel einer Krebsvakzine ist die Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte gegen den Tumor. Diese Immunabwehr wird getragen von T-Zellen, die durch sogenannte dendritische Zellen auf ihre Aufgabe vorbereitet werden. Die „Schulung“ der T-Zellen erfolgt in den Lymphknoten. Dort treffen die dendritischen Zellen, die den Tumor entdeckt haben, auf die T-Zellen. Die dendritischen Zellen präsentieren den T-Zellen ein Tumor-Antigen, das an einen MHC-Klasse-II-Proteinkomplex gebunden ist. Mit diesem „Fahndungsfoto“ begeben sich die T-Zellen dann auf die Suche nach den Krebszellen.

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Ein Team um Brian Czerniecki von der Perelman School of Medicine in Philadelphia hat in den letzten Jahren eine Krebsvakzine entwickelt, die die Immunabwehr gegen das Mammakarzinom verbessern soll. Die Vakzine besteht aus dendritischen Zellen, die zunächst per Apherese aus dem Blut der Patientinnen gewonnen wurden.

Im Labor wurden die Zellen dann mit sechs HER2-Proteinen versehen, jeweils gebunden an einem MHC-Klasse-II-Proteinkomplex. HER2 ist beim Mammakarzinom ein häufiges Tumor-Antigen, das zudem eine besonders aggressive Erkrankung mit einer schlechten Prognose für die Patientin anzeigt.

Um eine besonders gute Wirkung zu erzielen, wurden die mit HER2 versehenen dendritischen Zellen den Patientinnen in die Lymphknoten der Achselhöhle oder der Leiste injiziert. Bei einigen Frauen wurde der Impfstoff in die vom Tumor befallene Brust injiziert. Wieder andere Frauen erhielten Injektionen in Lymphknoten und Brust.

An der Studie nahmen 54 Frauen mit einem Brustkrebs im Frühstadium teil, dessen Zellen vermehrt HER2 exprimieren. Ursprünglich sollte die Studie auf Frauen mit einem duktalen Carcinoma in situ (DCIS) beschränkt werden. Bei der histologischen Unter­suchung stellte sich jedoch heraus, dass der Tumor bei 12 Frauen bereits ein invasives Stadium erreicht hatte. Alle Frauen wurden über sechs Wochen einmal wöchentlich mit den modifizierten dendritischen Zellen geimpft.

Ziel der Studie war, Sicherheit und Verträglichkeit der Impfung zu untersuchen. Laut Czerniecki sind hier keine Probleme aufgetreten. Einige Teilnehmerinnen berichteten zwar über Müdigkeit, Reaktionen an der Injektionsstelle und über Schüttelfrost. Die Beschwerden waren jedoch milde und gefährdeten niemals die Gesundheit der Frauen.

Bei acht von zehn Frauen konnten die Forscher vor der Operation in Blutproben eine vermehrte Immunreaktion der T-Zellen gegen den Tumor nachweisen. Bei 12 von 42 Frauen mit DCIS (28,6 Prozent) war die Immunreaktion so stark, dass nach der Operation in dem  entfernten Gewebe keine lebenden Tumorzellen mehr vorhanden waren. Unter den 12 Patientinnen mit invasiven Tumoren kam es nur einmal zu dieser kompletten pathologischen Remission.

Czerniecki betrachtet die Ergebnisse als vielversprechend, auch wenn aufgrund der kleinen Teilnehmerzahl und einer fehlenden Vergleichsgruppe ohne Impfung noch keine sicheren Aussagen zur Effektivität möglich sind. © rme/aerzteblatt.de

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