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Medizin

Präeklampsie häufig Vorbote auf spätere Erkrankungen der Retina

Mittwoch, 4. Januar 2017

Montreal – Frauen, die während der Schwangerschaft eine Präeklampsie entwickeln, haben im späteren Leben ein erhöhtes Risiko auf Netzhauterkrankungen. Dies zeigt eine Kohortenstudie in Obstetrics & Gynecology (2017; 129: 42-49).

Bei einer von 20 Frauen kommt es während der Schwangerschaft zu einem Anstieg des Blutdrucks und zu einer Proteinurie. Diese Präeklampsie ist eine gefürchtete Schwan­ger­schaftskomplikation, von der sich die Frauen jedoch in der Regel nach der Entbindung erholen. Die pathologische Anfälligkeit der Blutgefäße, die zur Präeklampsie geführt hat, bleibt jedoch erhalten. Bekannt ist, dass Frauen nach einer Präeklampsie ein erhöhtes Risiko auf eine arterielle Hypertonie und damit auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine chronische Niereninsuffizienz haben.

Eine weitere Folge könnten Erkrankungen der Netzhaut in den Augen sein, wie Nathalie Auger von der Universität Montreal jetzt in einer Analyse von Daten der staatlichen Gesundheitsversorgung im kanadischen Bundesstaat Quebec zeigt. Die Epidemiologin hat untersucht, ob Frauen, in deren Krankenakten anlässlich der Entbindung in der Klinik eine Präeklampsie vermerkt wurde, in den folgenden Jahren häufiger wegen Augenerkrankungen hospitalisiert wurden als Schwangere, die nicht an einer Präeklampsie erkrankt waren. Die Studie umfasst 1,1 Millionen Frauen und den Zeitraum von 1989 bis Ende März 2014.

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Ergebnis: Frauen mit einer Präeklampsie in der Vorgeschichte erkrankten in der Folge mehr als doppelt so häufig an einer Netzhautablösung und mehr als sieben Mal häufiger an einer Retinopathie. Ein Teil der Assoziation ließ sich auf andere Begleitfaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck, Adipositas und Dyslipidämien zurückführen.

Es blieb jedoch ein deutliches „Restrisiko“: Auger ermittelt eine Hazard Ratio von 2,39 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,52-3,74) auf eine zugbedingte Netzhautablösung und von 2,48 (1,40-4,41) auf eine rissbedingte Netzhautablösung. Eine diabetische Retinopathie trat mit einer Hazard Ratio von 4,13 (3,39-5,04) ebenfalls deutlich häufiger auf. Am höchsten war die Gefahr, wenn die Präeklampsie bereits in der Frühschwan­gerschaft diagnostiziert oder als schwerwiegend eingestuft wurde.

Die Studie kann nicht belegen, dass die Präeklampsie für die späteren Retinaschäden verantwortlich ist. Dies spielt für die Betreuung der Schwangeren jedoch keine Rolle. Eine Konsequenz der Untersuchung könnte laut Auger sein, Frauen nach einer Präeklampsie regelmäßig auf Augenschäden untersuchen zu lassen, um Netz­hauterkrankungen rechtzeitig zu entdecken und zu behandeln, bevor es zu dauerhaften Sehstörungen kommt. © rme/aerzteblatt.de

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