Politik

RKI sieht Deutschland als Schlusslicht bei Masernelemination in Europa

Donnerstag, 5. Januar 2017

Berlin – Gravierende Impflücken, besonders bei Masern und Grippeschutz, bemängelt das Robert-Koch-Institut (RKI). „Schlimm, dass Deutschland inzwischen in Europa das Schluss­licht der Masernelimination darstellt“, sagte dessen Präsident Lothar Wieler bei der Vorstellung einer neuen „KV-Impfsurveillance“. Für diese Untersuchung hat das RKI die Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) ausgewertet.

Aus den Daten haben die RKI-Wissenschaftler die absolute Zahl der Kinder hoch­ge­rech­net, die zum empfohlenen Zeitpunkt nicht oder nicht vollständig gegen Masern ge­impft sind: Im Alter von 24 Monaten waren nach der neuen Auswertung bundesweit 150.000 Kinder des Jahrgangs 2013 nicht vollständig und weitere 28.000 Kinder gar nicht gegen Masern geimpft. Die Problemregionen liegen vorwiegend in den Ballungs­räu­men. In Dres­den, Hamburg, Köln, Leipzig und München hatten im Alter von 24 Mona­ten jeweils zwischen 2.000 und 4.100 Kinder des Jahrgangs 2013 keinen ausreichenden Masern-Impfschutz, in Berlin sogar 7.300.

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Die Auswertung liefert außerdem Daten zur Rotavirus-Impfung. Die ständige Impfkom­mis­sion empfiehlt diese Impfung seit 2013, sie sollte im Alter von sechs bis zwölf Wochen be­ginnen und mit 32 Wochen abgeschlossen sein. Die Impfquote für eine vollständige Impf­serie liegt beim Geburtsjahrgang 2014 bei 66 Prozent. Auf Kreisebene ist die Spannweite sehr groß, im Landkreis Rosenheim (Bayern) sind nur 15,4 Prozent der Säuglinge kom­plett gegen Rotaviren geimpft, in Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt) sind es 89,3 Prozent.

Sorge bereitet den RKI-Epidemiologen auch die abnehmende Bereitschaft von Senioren, sich gegen Influenza impfen zu lassen. Waren in der Saison 2009/2010 noch 47,7 Pro­zent der mindestens 60-Jährigen geimpft, so ist der Anteil in der Saison 2015/2016 auf 35,3 Prozent gesunken.

Einen leichten Aufwärtstrend gibt es dagegen bei der für Mädchen im Alter zwischen neun und vierzehn Jahren empfohlene Impfung gegen humane Papillomviren (HPV). Die Quote liegt aber nur bei 30,5 Prozent. Eine Infektion mit HPV gilt als wichtigster Auslöser für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs. Die Impfung schützt vor Krebsvorstufen am Gebärmutterhals.

Die Auswertung der KV-Abrechnungsdaten zeigt laut RKI Defizite, Fortschritte und große regionale Unterschiede bei den Impfquoten. Das Institut hat dies mit finanziellen Mitteln des Bundesministeriums für Gesundheit als Projekt vorgenommen. „Sie als Rou­tine-Ins­trument und zweite Säule des Impfquoten-Monitorings in Deutschland langfristig zu etab­lieren wäre mehr als wünschenswert“, hieß es aus dem RKI. © hil/aerzteblatt.de

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