Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

HIV: Früher Therapiebeginn verhindert schwere bakterielle Infektionen

Donnerstag, 5. Januar 2017

dpa

London – Eine frühzeitig antiretrovirale Therapie schützt HIV-Infizierte nicht nur vor den klassischen opportunistischen Infektionen der erworbenen Immunschwäche Aids. In einer maßgeblichen randomisierten Studie kam es laut einer Analyse in Lancet HIV (2017; doi: 10.1016/S2352-3018(16)30216-8) auch seltener zu einer Reihe von schweren bakteriellen Infektionen, die in der Regel nicht mit HIV-Infektionen in Verbindung gebracht werden.

Die erworbene Immunschwäche Aids war Anfang der 80er Jahre entdeckt worden, weil die betroffenen Patienten an ungewöhnlichen Infektionen wie Pneumocystis-Pneumonie, Toxoplasmose oder Aspergillus-Pneumonie erkrankt waren, die bei jüngeren Menschen mit intaktem Immunsystem in der Regel nicht auftreten. Diese opportunistischen Infektionen bilden zusammen mit einigen Tumoren noch heute die AIDS-definierenden Erkrankungen. Bakterielle Infektionen gehören mit der Ausnahme von Tuberkulose und Salmonellen-Sepsis nicht dazu.

Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Immunschwäche Aids nicht auch „gewöhnliche“ bakterielle Pneumonien, Hautinfektionen oder auch eine bakterielle Arthritis begünstigt, die damit durchaus einen Anteil an der Krankheitslast der HIV-Infektion haben können.

Ein Team um Andrew Phillips vom University College London hat den Zusammenhang jetzt an den Daten der INSIGHT START Studie untersucht. Die Studie hatte 4.685 HIV-Infizierte auf eine sofortige antiretrovirale Therapie oder auf einen Behandlungsbeginn nach Abfall der CD4-Zellen auf unter 350/µl randomisiert.

Die Studie war 2015 vorzeitig abgebrochen worden, nachdem es in der Gruppe mit frühzeitiger Therapie zu deutlich weniger Aids-bedingten Ereignissen, schwerwiegenden Nicht-Aids-Ereignissen oder Todesfällen gekommen war, dem primären Endpunkt der Studie. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für die heutige Empfehlung, HIV-Infizierte ab dem Zeitpunkt der Diagnose zu behandeln.

Die Autoren können jetzt zeigen, dass die Vermeidung von schweren bakteriellen Infektionen einen wesentlichen Beitrag am Ausgang der INSIGHT START Studie hatten. Von den 120 schweren bakteriellen Infektionen waren nur 34 in der Gruppe mit sofortigem Therapiebeginn aufgetreten gegenüber 86 Infektionen nach verzögertem Therapiebeginn. Dies ergibt eine Hazard Ratio von 0,39, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,26 bis 0,57 signifikant war.

Das bedeutet, dass ein sofortiger Behandlungsbeginn das Risiko von schweren bakteriellen Infektionen um 61 Prozent senkt. Die häufigsten schweren Infektionen waren bakterielle Pneumonien und eine Lungentuberkulose. Die Atemwege reagierten offenbar als erste auf einen verminderten Immunschutz. Es kam aber auch seltener zu Hautinfektionen oder Darminfektionen und selbst die Rate von Syphilis-Infektionen war geringer. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

19.05.17
Lebenserwartung HIV-Infizierter um zehn Jahre gestiegen
Bristol – Die Lebenserwartung eines HIV-Infizierten ist seit Beginn der antiretroviralen Therapie gegen HIV 1996 in Europa und Nordamerika um zehn Jahre gestiegen. Der Anstieg gilt für Erkrankte, die......
12.05.17
Ärzte sollen häufiger HIV-Tests anbieten
Berlin – „Kein Aids für alle!“ und das bis 2020, so lautet das Motto der der neuen Kampagne der Deutschen Aids-Hilfe (DAH), die heute startete. Damit unterbietet die DAH das Ziel der Vereinten......
09.05.17
HIV-Test für zu Hause: Bundesgesundheits­ministerium prüft Zulassung
Berlin – In Deutschland könnten schon bald HIV-Tests für zu Hause legal sein. In Europa seien seit kurzer Zeit erstmals Schnelltests erhältlich, die wesentlich genauer und einfacher zu handhaben seien......
31.03.17
HIV-Hilfegesetz: Bund will Entschädigung für Opfer des Blutskandals alleine zahlen
Berlin – Schon bald werden der Stiftung „Humanitäre Hilfe“ die Gelder ausgehen, mit denen sie Betroffene des Blutskandals entschädigt. Nach aktuellem Stand reichen die Mittel für HIV-Infizierte und......
28.03.17
Millionenförderung für Stiftung humanitäre Hilfe geplant
Berlin – Die „Stiftung humanitäre Hilfe“, eine Hilfseinrichtung für Opfer des „Blutkonservenskandals“, soll künftig mit neun bis zehn Millionen Euro jährlich aus Bundesmitteln finanziert werden. Das......
24.03.17
Berlin – Eine HIV-Infektion ist grundsätzlich kein Hindernis mehr für den Dienst in der Bundeswehr. Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) begrüßte gestern die offizielle Neuregelung in der Truppe.......
14.03.17
HIV: Kombinierte Antikörper könnten Virusreplikation langfristig kontrollieren
New York – Eine frühzeitige Behandlung mit mehreren breitneutralisierenden Antikörpern könnte das Immunsystem befähigen, eine HIV-Infektion aus eigener Kraft zu kontrollieren. Dies zeigen neue......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige