NewsVermischtesNeues Mikroskop löst bis zur Nanometer­ebene auf
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Neues Mikroskop löst bis zur Nanometer­ebene auf

Montag, 9. Januar 2017

Mit dem MINFLUX-Mikroskop lassen sich erstmals Moleküle optisch trennen, die nur wenige Nanometer voneinander entfernt sind. /Klaus Gwosch, MPI für biophysikalische Chemie

Göttingen – Forscher um Nobelpreisträger Stefan Hell vom Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie in Göttingen haben ein neues Fluoreszenzmikroskop ent­wickelt, mit dem sich Moleküle trennen lassen, die nur Nanometer voneinander entfernt sind. Das Mikroskop ist damit mehr als einhundert Mal schärfer als herkömmliche Licht­mikroskope.

„Mit diesem Verfahren wird es in Zukunft möglich sein, Zellen molekular zu kartogra­fieren und schnelle Vorgänge in ihrem Inneren in Echtzeit sichtbar zu machen. Das könnte un­ser Wissen über die molekularen Abläufe in lebenden Zellen revolutionieren“, sagte Hell, Direktor am MPI für biophysikalische Chemie. Die Arbeit ist in der Zeitschrift Science er­schienen (2016; doi: 10.1126/science.aak9913).

Anzeige

Der Physiker Ernst Abbe hatte 1873 formuliert, dass die Auflösung von Lichtmikros­kopen auf die halbe Wellenlänge des Lichts begrenzt ist – also auf etwa 200 Nanometer. Hell zeigte mit der von ihm 1994 erdachten und fünf Jahre später experimentell umge­setzten sogenannten STED-Mikroskopie, dass sich diese Grenze überwinden lässt. STED und das ein paar Jahre später entwickelte PALM/STORM erreichen in der Praxis eine Trenn­schärfe von etwa 20 bis 30 Nanometern. Für die Entwicklung dieser ultrahochauf­lösen­den Lichtmikroskopie-Techniken wurden Hell, Eric Betzig und William Moerner im Jahr 2014 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.

Hell hatte nun die Idee, die Stärken beider Techniken in einem neuen Konzept zu verbin­den. Das neue Verfahren namens „MINFLUX“ schaltet – wie PALM/STORM – einzelne Mo­leküle zufällig an und aus. Gleichzeitig bestimmt es aber – wie STED – deren exakte Position mit einem Donut-förmigen Laserstrahl, der im Gegensatz zu STED nicht zum Ab­regen, sondern zum Anregen der Fluoreszenz benutzt wird. Liegt das Molekül auf dem Do­nut-Ring, so leuchtet es; liegt es exakt in seinem dunklen Zentrum, so leuchtet es nicht, doch man hat seine genaue Position gefunden.

Neben der molekularen Auflösung bietet die Kombination von STED und PALM/STORM einen weiteren Vorteil: Sie ist sehr schnell. Bereits mit STED konnte man Echtzeitvideos aus dem Inneren lebender Zellen aufnehmen. Doch nun sei es möglich, die Bewegung von Molekülen in einer Zelle mit einer 100 Mal besseren zeitlichen Auflösung zu verfol­gen, hieß es aus der Arbeitsgruppe. Die Forscher sind überzeugt, dass sich zukünftig selbst extrem schnelle Abläufe in lebenden Zellen untersuchen lassen – etwa die Be­we­gung zellulärer Nanomaschinen oder die Faltung von Proteinen. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. Juli 2019
Rostock – Forscher der Universität Rostock und eines Medizintechnikunternehmens aus Selmsdorf haben nach eigenen Angaben ein neues Fingeroxymeter entwickelt, mit dem Patienten auch während einer
MRT-taugliches Fingeroxymeter entwickelt
16. Juli 2019
Jena – Der Jenaer Medizintechnikkonzern Carl Zeiss Meditec schraubt nach einem Sprung bei Umsatz und Gewinn die Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr nach oben. So sollen die Erlöse nun das obere
Carl Zeiss Meditec verzeichnet Ergebnis- und Gewinnsprung
16. Juli 2019
Lübeck – Der Medizin- und Sicherheitstechnikkonzern Dräger hat das zweite Quartal mit einem negativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) abgeschlossen. Nach den vorläufigen Geschäftszahlen lag das
Dräger beendet zweites Quartal mit schlechterem Ergebnis
15. Juli 2019
Ulm – Die Universität Ulm und die Ulmer Ausgründung SpineServ erhalten rund eine Million Euro aus dem Projekt iPSpine der Europäischen Union (EU). Das von der Universität Utrecht koordinierte
Forschung an Biomaterialien zur Behandlung degenerierter Bandscheiben
3. Juli 2019
Bremen – Einen neuen Katheter, der selbstständig im Gefäßsystem navigieren kann, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medizin MEVIS in Bremen entwickelt. Um Katheter gezielt
Intelligenter Katheter steuert durch das Gefäßsystem
14. Juni 2019
Silver Spring/Maryland und Bonn – Die Ergebnisse einer Metaanalyse, nach der mit Paclitaxel beschichtete Ballons oder Stents langfristig die Mortalität von Patienten mit peripherer arterieller
Periphere Verschlusskrankheit: Erhöhen mit Paclitaxel beschichtete Ballons und Stents langfristig die Mortalität?
12. Juni 2019
Silver Spring/Maryland – US-Ärzte dürfen Jugendlichen im Alter von 11 bis 18 Jahren, die unter einem Reizdarmsyndrom leiden, ein kleines Gerät verschreiben, das am Außenohr über feine Nadeln
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER