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Medizin

Parkinson: Alpha-Synuclein reist vom Hirn zum Magen

Montag, 9. Januar 2017

Bonn – Das Protein Alpha-Synuclein, dessen Ablagerung in den Lewy-Körperchen als Ursache des Morbus Parkinson diskutiert wird, kann über den Nervus vagus vom Gehirn aus in den Magen gelangen. Dies zeigen tierexperimentelle Studien in Acta Neuropathologica (2016; doi: 10.1007/s00401-016-1661-y), die ein neues Schlaglicht auf die Pathogenese der degenerativen Hirnerkrankung werfen.

Alpha-Synuclein ist ein normaler Bestandteil von Nervenzellen. Es kommt vor allem in den Synapsen vor, wo es an der Ausschüttung von Neurotransmittern beteiligt sein soll. Alpha-Synuclein ist auch der Hauptbestandteil der Lewy-Körperchen. Diese Ablagerungen treten beim Morbus Parkinson, der Lewy-Körperchen-Demenz und anderen neurodegenerativen Erkrankungen auf, die deshalb auch als „Synucleinopathien“ bezeichnet werden. Nach einer derzeit von einigen Hirnforschern favorisierten Hypothese sind die Ablagerungen von Alpha-Synuclein in den Lewy-Körperchen für das Absterben der Hirnzellen verantwortlich und damit die Ursache der neurodegenerativen Erkrankungen.

Vor diesem Hintergrund hat der Nachweis von Alpha-Synuclein außerhalb des Gehirns für Aufsehen gesorgt. Insbesondere die Ablagerungen im Magen-Darm-Trakt haben die Fantasie der Hirnforscher beflügelt. Einige meinen sogar, dass Alpha-Synuclein mit der Nahrung in den Darm und von dort ins Gehirn gelangt. Der Morbus Parkinson könnte dann wie die Bovine spongiforme Enzephalopathie oder die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit eine Prionen-Erkrankung sein. Diese Hypothese ist allerdings nicht belegt, und sie wird durch die Ergebnisse, die ein Team um Donato Di Monte vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn jetzt vorstellt, weiter infrage gestellt.

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Die Forscher können zeigen, dass Alpha-Synuclein, das mittels maßgeschneiderter Viren in Nervenzellen des Mittelhirns von Ratten angelagert wurde, nach einiger Zeit in der Magenwand nachweisbar ist. Die Forscher konnten den Weg, den das Protein dabei zurücklegte, im Einzelnen nachzeichnen. Das Protein gelangte vom Mittelhirn zunächst zur Medulla oblongata, dem untersten Bereich des Hirnstamms.

Die Medulla oblongata ist der Ursprungs- und Zielort des Nervus vagus, der unter anderem den Magen-Darm-Trakt parasympathisch versorgt. Tatsächlich waren die Proteine nach einiger Zeit im Nervus vagus nachweisbar und zwar ausschließlich in den efferenten Fasern, die Signale vom Gehirn in die Peripherie leiten. 

Das Alpha-Synuclein folgte diesen Nervenleitungen und erreichte nach etwa sechs Monaten die Magenwand. Auf diesem Weg passierte es mehrmals die Synapsen von Nervenzellen. Welche physiologische Funktion diese Wanderung durch das Nerven­system hat, wissen die Forscher nicht.

Di Monte betont zudem, dass seine Ergebnisse die Infektionshypothese nicht ausschließen. Es bleibe möglich, dass Erkrankungen, die mit Alpha-Synuclein assoziiert sind, im Verdauungssystem entstehen. Der Nachweis von Alpha-Synuclein allein im Darm belege diese Hypothese jedoch nicht, da das Protein auch in der Lage sei, den Weg in der anderen Richtung zurückzulegen. © rme/aerzteblatt.de

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