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Medizin

Leben an großen Straßen erhöht das Demenzrisiko (ein wenig)

Dienstag, 10. Januar 2017

verkehr-dpa

Toronto – Wer sein Leben nahe an einer großen Straße verbringt, könnte sein Demenzrisiko damit leicht erhöhen. Dies geht aus einer epidemiologische Studie des Gesundheitsamtes im kanadischen Ontario hervor, die Forscher um Richard Burnett in Lancet veröffentlicht haben (doi: 10.1016/S0140-6736(16)32399-6).

Feinstaub, der an großen Straßen entsteht, kann ein Risikofaktor für viele vaskuläre Erkrankungen sein. Dies wurde beispielsweise in einer Studie der University Washington nachgewiesen (doi:10.1056/NEJMoa054409). Dass das Leben an einer Straße auch für das Gehirn eine Gefahr darstellen könnte, konnte beispielsweise eine kleine Studie mit mexikanischen Kindern nachweisen. Kinder, die im stark luftverschmutzten Mexiko City lebten, schnitten in neurokognitiven Tests schlechter ab, hatten häufiger ein auffälliges cMRT und wiesen erhöhte Entzündungsmarker im Blut auf (doi:10.1016/j.bandc.2008.04.008). Entzündliche Prozesse und kardiovaskuläre Risikofaktoren können langfristig die Entstehung einer Demenz begünstigen.

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In ihrer Studie konnten die Wissenschaftler die Daten von etwa 6,6 Millionen Bürgern der kanadische Provinz Ontario einbeziehen. Sie beobachteten die Inzidenz von Demenz, Parkinson und MS-Fällen in der Zeit von 2001 bis 2012 und verglichen diese mit der Wohndistanz zu stark befahrenen Straßen.

Nahezu jeder der Teilnehmer wohnte höchstens einen Kilometer von einer stark befahrenen Straße entfernt. Es zeigte sich im Verlauf der Studie, dass Teilnehmer, die weniger als 50 Meter entfernt lebten, ein sieben Prozent höheres Demenzrisiko hatten. Zwischen 50 und 100 Metern war es noch um vier Prozent erhöht und bei über 200 Metern war es wieder auf dem Durchschnittsniveau der Bevölkerung.

Für Parkinson und Multiples Sklerose fanden die Forscher keine Veränderung des Risikos. Weitere Analysen zeigten, dass durch die Exposition von Stickstoffdioxiden und Feinstaub das Risiko gestiegen sein könnte, wenn es auch den Effekt nicht vollständig erklärte.

Falls eine kausaler Zusammenhang zwischen Demenz und Straßenverkehr besteht, könnte die starke Luftverschmutzung in Schwellenländern wie Mexiko, China und Indien ein erhebliches Risiko für die kognitive Gesundheit darstellen, so die Forscher.

© hil/aerzteblatt.de

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