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Medizin

Mastozytose: Medikament für Hunde wirkt auch bei Menschen

Dienstag, 10. Januar 2017

Paris – Der Tyrosinkinase-Hemmer Masitinib, der in der Tiermedizin zur Behandlung von Mastzelltumoren beim Hund zugelassen ist, hat in einer Phase 3-Studie bei Patienten mit schwerer systemischer Mastozytose eine gute Wirkung erzielt. Der Hersteller hat aufgrund der jetzt im Lancet (2017; doi: 10.1016/S0140-6736(16)31403-9) publizierten Ergebnisse bei den Arzneimittelbehörden die Zulassung beantragt.

Mastzelltumore sind eine häufige Neoplasie bei Haushunden. Der Tumor ist zwar lange auf Haut und Subkutis begrenzt. Die Freisetzung von Histamin und anderen bioaktiven Substanzen hat jedoch ein paraneoplastisches Syndrom zur Folge. Besonders unan­genehm sind Ulzerationen in Magen und Duodenum. Fressunlust, Erbrechen, Teerstuhl und Blutarmut veranlassen viele Halter, die Hunde einschläfern zu lassen, zumal es bisher keine Heilung für die Mastzelltumore gibt.

Die meisten Mastzelltumore exprimieren den Rezeptor c-kit. Er ist Andockstelle für den sogenannten Stammzellfaktor, der im Knochenmark die Proliferation hämatopoetischer Stammzellen fördert. Beim Mastzelltumor ist c-kit ein Onkogen, das die Proliferation des Tumors fördert.

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Masitinib hemmt die Weiterleitung dieser Wachstumssignale. Bei Hunden führt dies zu einem Wachstumsstillstand des Mastzelltumors. In einer veterinärmedizinischen Zulassungsstudie wurde die Zeit bis zur erneuten Progression des Tumors von 83 auf 241 Tage verlängert.

Beim Menschen sind Malignome aus Mastzellen sehr viel seltener als beim Hund. Die Erkrankung verläuft anders als beim Hund in der Regel systemisch. Am häufigsten ist die indolente Variante der systemischen Mastozytose (Prävalenz 1: 26.000), bei der vor allem das Knochenmark befallen ist, in der Untergruppe der „smouldering“ systemischen Mastozytose mit einem Infiltrationsgrad von über 30 Prozent. Die Prognose der indo­lenten systemischen Mastozytose ist gut. Eine aggressive Verlaufsform oder eine Mastzell-Leukämie sind eher selten.

Trotz der Bezeichnung „indolent“ ist die Erkrankung für die meisten Patienten mit Symptomen verbunden, die die Lebensqualität beeinträchtigen. Die vier wichtigen „Handicaps“ sind Pruritus, Flushes, Depressionen und Müdigkeit. Eine 75-prozentige Linderung in den vier „Handicaps“ (4H75) war der primäre Endpunkt einer Phase 3-Studie, in der der Hersteller AB Science aus Paris die Wirksamkeit seines veterinär­medizinischen Wirkstoffs an Patienten mit indolenter systemischer Mastozytose (einschließlich der „smouldering“-Variante) testen ließ.

Die 135 Teilnehmer wurden über 24 Wochen entweder mit Masitinib oder mit Placebo behandelt. In der Masitinib-Gruppe wurde der 4H75-Endpunkt zu 18,7 Prozent erreicht (122,6 von 656,5 möglichen Reaktionen). Im Placebo-Arm waren es nur 7,4 Prozent (48,9 von 656,5 möglichen Reaktionen). Der Unterschied von 11,3 Prozentpunkten bedeutet, dass die behandelten Patienten eine vierfach erhöhte Chance auf ein Ansprechen hatten (Odds Ratio 3,6; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,2-10,8).

Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren Durchfall (11 versus 2 Prozent in der Placebo-Gruppe), Hautausschlag (6 versus 0 Prozent) und eine Asthenie (6 versus 2 Prozent). Die häufigsten schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse waren Durchfall (4 versus 2 Prozent) und eine Urtikaria (3 versus 0 Prozent). Lebensbedrohliche Toxizitäten traten nicht auf.

Der Hersteller hat inzwischen bei der US-amerikanischen und der europäischen Arzneimittelagentur eine Zulassung beantragt. FDA und EMA haben dem Mittel einen Orphan Drug-Status zugestanden, der das Genehmigungsverfahren erleichtert und dem Hersteller nach der Zulassung einen längeren Patentschutz gewährleistet.

Der Rezeptor c-kit wird auch von Zellen anderer Malignome exprimiert. Der Hersteller lässt nach eigener Aussage die Wirksamkeit bei Melanom, multiplem Myelom, Kolorektalkarzinom, Prostatakrebs, Pankreaskarzinom und T-Zell-Lymphom prüfen. Weitere Studien untersuchen eine etwaige Wirkung bei schwerem Asthma. Auch bei einigen neurologischen Erkrankungen wie Morbus Alzheimer, Multipler Sklerose und bei der amyotrophischen Lateralsklerose werden derzeit klinische Studien durch­geführt. © rme/aerzteblatt.de

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