Medizin

Studie: Wochenend-Sportler leben länger

Dienstag, 10. Januar 2017

Leicester – Die „Wochenend-Krieger“, die die zur Krankheitsprävention empfohlenen täglichen 30 Minuten mäßiger oder 15 Minuten intensiver körperlicher Aktivität auf das Wochenende verlegen, dürfen nach neuen Ergebnissen aus Kohortenstudien in JAMA Internal Medicine (2016; doi: 10.1001/jamainternmed.2016.8014) ebenfalls auf eine Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs sowie auf eine Senkung der Gesamtsterblichkeit hoffen.

Bewegungsmangel gilt als Hauptursache für Adipositas, die das Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs erhöht. Zur Prävention wird der Bevölkerung neben einer vollwertigen Ernährung zu regelmäßiger körperlicher Aktivität geraten, die in epidemiologischen Studien mit einem verminderten Risiko assoziiert war, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs zu sterben.

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Die Weltgesundheitsorganisation rät Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren pro Woche zu mindestens 150 Minuten Bewegung in mittlerer oder zu 75 Minuten in intensiver Intensität. Als ideal gelten 30 Minuten mäßiger Bewegung pro Tag, wobei sich die Wege zur Arbeit als Trainingseinheit anbieten. Nicht alle Berufstätigen können jedoch mit dem Rad zur Arbeit fahren, und viele bringen die Disziplin zum morgend­lichen Jogging oder dem Besuch im Freibad nicht auf.

Es gibt jedoch eine zunehmende Gruppe von Menschen, die sich am Wochenende in sportliche Aktivitäten stürzen. Dies können längere Radtouren sein oder auch kommerzielle Fitness-Aktivitäten. Ob diese „Wochenend-Krieger“ (Weekend Warriors) eine präventive Wirkung erzielen, wird von vielen Experten bezweifelt.

Die Harvard Alumni Health Study hatte zwar gewisse Hinweise gefunden. Es hatten aber nur Männer an der Studie teilgenommen und die Zahl der Weekend Warriors (580) und der Todesfälle (67) war relativ gering. Die deutliche Senkung des Sterberisikos (relatives Risiko = 0,41), die in der Harvard Alumni Health Study gefunden wurde, war deshalb mit einem weiten 95-Prozent-Konfidenzintervall (0,21-0,81) versehen. Und bei Männern mit mindestens einem Hauptrisikofaktor (relatives Risiko 1,02; 0,75-1,38) war kein Effekt beobachtet worden.

Ein Team um Gary O’Donovan von der Loughborough University (bei Leicester in England) hat jetzt zur gleichen Fragestellung die Daten der Health Survey for England und der Scottish Health Survey ausgewertet. Es handelt sich um repräsentative stichprobenartige Befragungen zum Gesundheitszustand der Bevölkerung. Die Interviewer erkundigen sich dabei auch nach den Freizeitaktivitäten. O’Donovan hat die Antworten mit den Sterberegistern der beiden Länder abgeglichen.

Die gepoolte Analyse umfasst 63.591 Erwachsene im Alter von über 40 Jahren, die in den Jahren 1994 bis 2012 befragt wurden und von denen inzwischen 8.802 gestorben sind, darunter 2.780 an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 2.526 an Krebs.

Unter den Teilnehmen waren 2.341 Weekend Warriors, die nach den Berechnungen von O’Donovan ein um 30 Prozent niedrigeres Gesamtsterberisiko hatten als die 39.947 Befragten, die sich in der Freizeit kaum bewegten. Die Hazard Ratio von 0,70 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,60 bis 0,82 signifikant. Eine Reduktion der Sterblichkeit erzielten allerdings auch die 14.224 Personen, die regelmäßig aktiv waren, dabei aber die Vorgaben der WHO nicht erfüllten. Die Hazard Ratio betrug hier 0,69 (0,65-0,77). Auch die 7.079 Personen, die aus Sicht der WHO alles richtig machten, hatten mit einer Hazard Ratio von 0,65 (0,58-0,73) kein deutlich besseres Ergebnis. 

Auch bei der Reduktion der Herz-Kreislaufsterblichkeit und der Krebssterblichkeit gab es keine deutlichen Unterschiede zwischen den drei Aktivitätsgruppen. Wichtiger als die Vorgaben der WHO zu erfüllen ist demnach, dass sich Erwachsene überhaupt bewegen. Die Verlagerung der Aktivität auf das Wochenende, scheint nach den Ergebnissen der Studie eine durchaus sinnvolle Strategie zu sein. 

Die Weekend Warriors in der Studie waren zu 65 Prozent Männer. Die Analyse zeigt allerdings, dass Frauen eine gleich gute Prävention erzielen. Zu 45 Prozent waren die Weekend Warriors am Wochenende nur einmal aktiv. Etwa 90 Prozent nahmen an sportlichen Aktivitäten teil, bei 31 Prozent beschränkte sie die Aktivität auf längere und zügige Spaziergänge. Im Durchschnitt waren die Weekend Warriors 300 Minuten aktiv. © rme/aerzteblatt.de

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