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Ernährungsstudie 2017: Gesund geht vor lecker

Mittwoch, 11. Januar 2017

Gesund essen wird wichtiger /Michael Ottersbach_pixelio.de

Berlin – Erstmals hat der Wunsch nach gesundem Essen den nach schmackhaften Gerichten überholt. „Hauptsache gesund“ ist den Menschen in Deutschland am wichtigsten, wenn es um ihre Ernährung geht. Das geht aus der Ernährungsstudie der Techniker Krankenkasse (TK) hervor, die heute in Berlin vorgestellt wurde.

Aufklärung und Bildung in Sachen gesunde Ernährung seien jedoch nicht die Lösung, damit gesunde Lebensmittel tatsächlich auf den Tellern landen, sind sich TK und foodwatch einig. Auch das zeige die Studie und widerlegt damit Ansätze, die die Lebensmittel­industrie, der Bundesernährungsminister Christian Schnmidt und einige Krankenkassen vertreten.

Gefragt, worauf es ihnen bei ihrer Ernährung ankommt, gaben 45 Prozent der Befragten an, dass sie vor allem gesund essen möchten. In der letzten Befragung zum Ernäh­rungs­verhalten der Menschen in Deutschland 2013 sagten das nur 35 Prozent. Damit steht „gesund“ erstmals noch vor „lecker“ (41 Prozent). An Relevanz verlieren auch die Kriterien „kalorienarm“ und „schnell“.

Der Wille, sich gesund zu ernähren, ist bei guten 40 Prozent da. Dennoch vernachlässigt jeder dritte Berufstätige eine gesunde Ernährung. Mangelnde Zeit und Ruhe nannten die 1.200 befragten Studienteilnehmer am häufigsten (56 Prozent) als Ursache, warum sie sich nicht gesund ernähren würden. Am Arbeitsplatz nehmen sich etwa 60 Prozent nicht ausreichend Zeit zu essen. Gute 30 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer sind der Ansicht, dass die Auswahl in der Kantine eine gesunde Ernährung erschwert. Mit unzureichendem Wissen oder fehlender Beratung bergündete hingegen nur jeder Vierte die Wahl der ungesunden Lebensmittel (siehe Grafiken).

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Intervention in den Lebenswelten wirksamer als Verhaltensprävention
„Investionen in Bildungsprogramme klingen erst mal gut – sind aber nicht die Lösung des Problems“, sagt Oliver Huinziga von der Verbraucherorganisation foodwatch. Die Forschung habe bereits zuvor gezeigt, dass Bildungsprogramme Übergewicht und Fehlernährung nur unzureichend vorbeugen können. Huinziga bezieht sich bei dieser Aussage auf eine Übersichtsarbeit von James Müller für das Kompetenznetz Adipositas. „Diese hat gezeigt, dass Verhaltensprävention Übergewicht bei Kindern und Jugend­lichen um sage und schreibe ein Prozent senkt.“

Forderungen der Politik, das Thema Ernährung auf die Lehrpläne zu nehmen, sieht daher auch Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK, kritisch. Wichtiger sei es, die Lebenswelten zu ändern, beispielsweise in Kantinen gesundes Essen anzubieten. Wenig hilfreich seien einige Präventionsangebote zum Thema Ernährung der Kranken­kassen, um Übergewicht zu bekämpfen. „Die Nachfrage danach steigt bei der TK vor allem in der Zeit vor Weihnachten“, sagt Baas aus Erfahrung.

Ihm ist bewusst, dass Kochkurse und Bewegungsprogramme vor allem von Menschen wahrgenommen werden, die sowieso schon joggen oder kochen. Dennoch möchte er auf dieses Marke­ting­instrument nicht verzichten, gab er offen auf Nachfrage zu. Was laut der Studie zumindest einigen bei der gesunden Ernährung hilft, sind Foodpostings. Fast 20 Prozent motivieren die Bilder anderer User mit gesundem Essen dazu, sich gesünder zu ernähren (siehe letzte Grafik).

Die Wenigsten haben wirklich Unverträglichkeiten
Eine etwas merkwürdige Entwicklung, die die Studie aufgedeckt habe, sei die Zunahme von Unverträglichkeiten, sagte Baas. „Zu diesem Thema erreichen uns auch immer mehr Anfragen.“ Dieses Phänomen schreibt Baas jedoch den Hollywoodstars zu, die gerne über ihre Unverträglichkeiten in den Medien sprechen und als Vorbild dienen. „Bei unsere Umfrage gaben zwölfmal mehr Jugendliche an, plötzlich lakotoseintolerant zu sein.“ Das seien sie natürlich nicht, ist Baas überzeugt.

Die meisten Menschen vertragen Gluten, Lactose oder Histamin sehr gut. Mehr als 80 Prozent der Befragten können essen, was sie wollen. Sie haben weder Lebensmittel-Unverträglichkeiten noch Allergien, heißt es im Ernährungsreport. Am weitesten verbreitet ist die Lactose-Unverträglichkeit. Hier hat sich der Anteil in den letzten drei Jahren seit der letzten Befragung der TK fast verdoppelt, auf insgesamt sieben Prozent.

Zum dritten Mal präsentiert die TK einen repräsentativen Querschnitt des Ernährungs­verhaltens der Erwachsenen in Deutschland. Im September 2016 befragte das Meinungs­forschungsinstitut Forsa für die vorliegende Untersuchung 1.200 deutsch­sprachige Personen ab 18 Jahren zu ihrem Ernährungsverhalten in Alltag, Freizeit und Beruf. Die befragten Menschen repräsentieren den Querschnitt der volljährigen Bevölke­rung in Deutschland. Gewichtet wird die Personenstichprobe nach Geschlecht, Alter, Bildung und Region. © gie/aerzteblatt.de

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