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Medizin

Studie: Schnitzel und Steaks erhöhen Diver­tikulitis-Risiko

Mittwoch, 11. Januar 2017

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Boston – Der häufige Verzehr von unverarbeitetem rotem Fleisch, sprich von Schnitzeln und Steaks, war in einer prospektiven Beobachtungsstudie in Gut (2017; doi: 10.1136/gutjnl-2016-313082) mit einem Risiko verbunden, an einer Divertikulitis zu erkranken.

Neben dem Mangel an Ballaststoffen gilt der häufige Verzehr von rotem Fleisch als mögliche Ursache für die Entwicklung von Darmdivertikeln, die in den westlichen Ländern bei 28 bis 45 Prozent der Erwachsenen nachweisbar sind und deren Prävalenz im Alter auf über 70 Prozent ansteigt.

Eine frühere Analyse der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC) hatte ergeben, dass Vegetarier zu 31 Prozent seltener an Darmdivertikeln erkranken (BMJ 2011; 343: d4131). Auch in einer älteren Auswertung der Health Professionals Follow-Up Study (HPFS) kam heraus, dass der Verzehr von rotem Fleisch mit einer erhöhten Rate von Darmdivertikeln assoziiert war. 

Die meisten Menschen mit Darmdivertikeln sind asymptomatisch. Zu Symptomen kommt es erst, wenn sich die Darmdivertikel entzünden. Diese Divertikulitis ist nicht nur sehr schmerzhaft. Wegen der Gefahr von Darmperforationen sind Gesundheit und Leben der Patienten gefährdet (weshalb die Leitlinien nach mehreren Episoden zu einer operativen Entfernung der betroffenen Darmabschnitte raten). Rauchen, die Einnahme von Nicht-steroidalen Antiphlogistika (NSAID), Bewegungsmangel und Adipositas sind etablierte Risikofaktoren der Divertikulitis. Ob die Ernährung einen Einfluss hat, wurde bisher kaum untersucht. 

Ein Team um Andrew Chan hat deshalb erneut die Daten der Health Professionals Follow-Up Study ausgewertet. Von den 51.529 Männern, die seit 1986 für die Beobachtungsstudie rekrutiert werden konnten, sind bisher 764 an einer Divertikulitis erkrankt.

Ein Abgleich mit den Ernährungsgewohnheiten, die bei den Teilnehmern alle vier Jahre erfragt wurden, ergab, dass die Divertikulitis bei Männern mit dem höchsten Verzehr von rotem Fleisch (oberstes Quintil) etwa doppelt so häufig auftrat wie bei Männern mit dem niedrigsten Verzehr (unterstes Quintil). Die Fleischliebhaber waren jedoch auch häufiger Raucher und auch die Risikofaktoren NSAID-Einnahme, Bewegungsmangel und Adipositas waren bei ihnen häufiger.

Chan führte deshalb eine Multivariat-Analyse durch, die diese Begleitrisiken von dem Verzehr von rotem Fleisch trennte. Es blieb bei einem um 59 Prozent erhöhten Risiko, das bei weiteren Analysen einzig auf den Verzehr von nicht-verarbeitetem rotem Fleisch zurückgeführt werden konnte. Chan ermittelte für das oberste Quintil ein relatives Risiko von 1,15, das mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,12 bis 2,03 statistisch signifikant war. Für verarbeitetes rotes Fleisch, also Wurstwaren und Hamburger war das Risiko nicht erhöht (relatives Risiko 1,03; 0,78-1,35). Der Verzehr von Geflügelfleisch oder Fisch war ebenfalls nicht mit einem erhöhten Risiko auf eine Divertikulitis assoziiert.

Bleibt die Frage, worauf das Risiko zurückzuführen ist. Chan weist darauf hin, dass der vermehrte Verzehr von rotem Fleisch mit einem Anstieg von Entzündungsparametern wie dem C-reaktiven Protein verbunden ist. Auch ein ungünstiger Einfluss auf die Darmflora sei denkbar.

Eine mögliche Ursache könnte jedoch sein, dass nicht-verarbeitetes rotes Fleisch als Schnitzel oder Steak in der Regel in größeren Portionen verzehrt wird. Dies könnte dann im unteren Dickdarm zu einer entzündlichen Reizung des Darms führen, zumal Fleischesser häufiger unter einer Verstopfung leiden und der Druckanstieg bei der Defäkation deshalb deutlich höher ist als bei Menschen, die sich ballaststoffreich ernähren. © rme/aerzteblatt.de

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