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Medizin

Zika-Übertragung durch Mücken in Deutschland sehr unwahrscheinlich

Montag, 16. Januar 2017

Culex pipiens /dpa

Hamburg – Die in Deutschland heimische Hausmücke Culex pipiens und ihre Verwandten sind nicht in der Lage, das Zikavirus zu übertragen. Auch bei der asiatischen Tigermücke Aedes albopictus, die in den letzten Jahren nach Süddeutschland eingeschleppt wurde, ist dies laut Laborexperimenten in Eurosurveillance (2017; doi: 10.2807/1560-7917.ES.2017.22.2.30437) nur bei hohen Außentemperaturen möglich. Die Forscher schätzen deshalb die Gefahr einer autochthonen Zika-Übertragung in Deutschland als sehr gering ein.

Das Zikavirus hat sich seit 2007 in 75 Ländern der Erde ausgebreitet. In Südamerika erkrankten im letzten Jahr vermutlich mehr als eine halbe Million Menschen, darunter viele Schwangere, die nach Angaben der Pan American Health Organization 2.439 Kinder mit einer Zika-assoziierten Mikrozephalie gebaren. Deutschland wurde bisher von der Epidemie verschont, auch wenn seit Oktober 2015 mehr als 200 Zikavirus-Infektionen bei Reiserückkehrern diagnostiziert wurden.

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Das Virus hatte jedoch – abgesehen von einem einzelnen Fall einer sexuellen Über­tragung – keine Chance, sich hierzulande auszubreiten. Dies dürfte auch 2017 so bleiben, wie die Experimente zeigen, die ein Team um Prof. Egbert Tannich vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in einem speziellen Sicherheitslabor durchgeführt hat.

Die Forscher ließen Stechmücken nach 24-stündigem Fasten an virushaltigem Blut saugen. Zwei bis drei Wochen danach wurde ein kleiner Tropfen Speichel der Mücken aufgefangen und auf infektiöse Viruspartikel untersucht. Die Experimente wurden zum einen an heimischen Stechmücken (Culex molestus, pipiens und torrentium) durch­geführt, die die Forscher im Sommer 2016 in Hamburg gesammelt hatten. Bei 11 bis 47 Prozent der Mücken wurde danach die Virus-RNA nachgewiesen, wobei die Konzen­trationen mit den Außentemperaturen anstiegen. Es gelang jedoch niemals, die Viren im Speichel nachzuweisen oder Zellen mit dem Speichel zu infizieren.

Etwas anders ist die Situation bei der asiatischen Tigermücke (Ae. albopictus). Die Forscher infizierten Mücken, die sie aus Italien erhalten hatten. Eine zweite Probe stammte aus Freiburg. Die asiatische Tigermücke gelangt hin und wieder mit Warenimporten nach Deutschland. In Süddeutschland kann sie an warmen Sommertagen überleben. In der Saison 2015/16 überlebten im Schwarzwald einzelne Exemplare sogar den Winter. A

ls Vektor für das Zikavirus kommt die asiatische Tigermücke dennoch nur in Ausnahmefällen in Betracht. In den Laborexperimenten nahmen die Mücken die Viren zwar mit der Blutmahlzeit auf. Im Speichel der Tiere waren sie später jedoch nur bei einer Außentemperatur von 27 Grad Celsius nachweisbar, nicht aber bei 18 Grad Celsius.

Damit ist eine autochthone Übertragung des Zikavirus in Süddeutschland zwar theoretisch möglich. Die Wahrscheinlichkeit ist aber extrem gering, wie Norbert Becker von der Gesellschaft zur Förderung der Stechmückenbekämpfung in Speyer berichtet. Eine Übertragung setze zum einen voraus, dass eine Tigermücke einen der wenigen Reiserückkehrer sticht, die Zikaviren im Blut haben. Zum anderen müsste dies in den Sommermonaten während einer mehrwöchigen Hitzephase mit für Deutschland sehr hohen Temperaturen geschehen.

Dass beide Bedingungen zusammentreffen, ist sehr unwahrscheinlich. Für die Mittel­meerregion gilt dies allerdings nicht. Hier sind die klimatischen Bedingungen für die asiatische Tigermücke und eine Übertragung wesentlich günstiger. Experten schließen eine autochthone Verbreitung nicht aus, wie sie 2016 in Florida beobachtet wurde. In den USA ist es im letzten Jahr zu 1.292 Infektionen bei Schwangeren gekommen. Das Zika Pregnancy Registry der Centers for Disease Control and Prevention verzeichnet bisher 36 Geburten von Kindern mit Zeichen einer Zika-Embryopathie. © rme/aerzteblatt.de

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