Medizin

US-Leitlinie: Schwangerschaft auch bei komplexem Herzfehler möglich

Montag, 16. Januar 2017

Los Angeles – Frauen mit komplexen angeborenen Herzfehlern wurde bisher dringend von einer Schwangerschaft abgeraten. Die American Heart Association rückt in einer aktuellen Leitlinie in Circulation (2017; doi: CIR.0000000000000458) von einer generellen Kontraindikation ab. Grundlage der Entscheidung sollte nicht die Art des Herzvitiums, sondern der kardiovaskuläre Status der Patienten sein.

Die meisten Frauen mit angeborenen Herzfehlern erreichen heute das gebärfähige Alter. Viele entwickeln einen Kinderwunsch. Jede Schwangerschaft ist jedoch mit einer erheblichen Belastung für Herz und Kreislauf verbunden. So steigt bereits bei gesunden Frauen das Blutvolumen um etwa 40 Prozent, das Herzzeitvolumen nimmt um 30 bis 50 Prozent zu und die Herzfrequenz erhöht sich um 10 bis 20 Schläge pro Minute. Eine weitere Steigerung ergibt sich bei der Geburt. Bei jeder Wehe werden bis 400 Milliliter in die Venen gepresst. Die Herzleistung kann in der zweiten Phase der Geburt um bis zu 50 Prozent ansteigen.

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Ein gesundes Herz verkraftet diese Strapazen in der Regel ohne Probleme. Für Frauen mit einem angeborenen Herzfehler kann die Situation jedoch schnell kritisch werden. Als besonders gefährdet gelten Frauen mit einem Pulmonalarterienhochdruck und Links-Rechts-Shunt. Auch nach der operativen Korrektur einer Transposition der großen Arterien oder einer Fontan-Operation eines Ein-Kammer-Herzens wurde Frauen bisher strikt von einer Schwangerschaft abgeraten.

Die neue Leitlinie sieht dagegen auch bei diesen komplexen (aber chirurgisch korrigierten) Herzfehlern keine absolute Kontraindikation für eine Schwangerschaft. Bei ausgesuchten, klinisch stabilen Frauen mit einer guten venösen Funktion, aber ohne atriale Arrhythmien oder thromboembolischen Ereignissen in der Vorgeschichte könnten Frauen das Risiko einer Schwangerschaft wagen, schreibt die Gruppe um Mary Canobbio von der Universität von Kalifornien in Los Angeles.

Voraussetzung sei allerdings eine intensive kardiologische Betreuung während der Schwangerschaft sowie vor, während und nach der Geburt. Probleme können sich beispielsweise ergeben, weil die Medikation wegen der teratogenen Risiken einiger Wirkstoffe verändert werden muss. 

Die Frauen sollten vor der Schwangerschaft über die möglichen Risiken aufgeklärt werden. Dazu gehöre auch eine humangenetische Beratung, da einige Herzfehler vererbt werden können. Auch für die Geburt müsse ein Behandlungsplan erarbeitet werden. Die Leitlinie rät unter anderem zu einer Periduralanästhesie sowie zu einer ausreichenden Versorgung mit Schmerzmitteln, um ein zu starkes Pressen unter der Geburt zu vermeiden. © rme/aerzteblatt.de

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