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Vermischtes

Pfleger sollen gemordet und gequält haben

Montag, 16. Januar 2017

Lambrecht – In einem Seniorenheim in der Pfalz stehen drei Pfleger unter Verdacht, de­men­te Bewohner misshandelt, gefilmt und eine 85 Jahre alte Frau ermordet zu ha­ben. Alle drei – zwei Männer von 23 und 47 Jahren sowie eine 26-jährige Frau – sitzen in Un­tersuchungshaft. Der Leiter der Staatsanwaltschaft Frankenthal, Hubert Ströber, sagte, er habe so einen Fall in seiner Laufbahn noch nicht erlebt.

Dank einer anderen Mitarbeiterin des Hauses waren die Ermittler dem Trio auf die Spur gekommen. Die Frau habe von den Handyaufnahmen erfahren und die Heimleitung ein­ge­schaltet, die sich an die Polizei gewandt habe, sagt der Geschäftsführer des Bezirks­ver­bandes Pfalz der Arbeiterwohlfahrt (Awo), Markus Broeckmann. Die Beamten nahmen den Verdächtigen die Handys ab, auf denen sich die Filme befinden sollen. Zu den De­tails schweigt Broeckmann. „Das ist so entsetzlich, dass wir es zum Schutz der Misshan­del­ten nicht sagen möchten.“ Bekannt wurde, dass die 26-Jährige eine demente Frau mehrmals ins Gesicht geschlagen und mit Gegenständen beworfen haben soll.

Dass ein Mord passiert sein könnte, wurde offenbar beim Auswerten von Handy-Chat­ver­läufen klar. Dort, so heißt es, sollen sich die Verdächtigen über die Tat ausgetauscht ha­ben. Ströber will das aus ermittlungstaktischen Gründen weder bestätigen noch demen­­tie­ren. Er spricht lediglich davon, dass man Beweismittel habe, „die schon ein gewisses Gewicht haben“. Die Ermittler gehen davon aus, dass die 85-Jährige mit einer Überdosis Insulin getötet werden sollte. Als das nicht funktionierte, soll der 23-Jährige sie erstickt haben. Ein Mittäter müsse dabei nicht selbst Hand angelegt haben, sagte Ströber. Es komme auch eine verbale Beteiligung in Betracht.

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Die Ermittler untersuchen nun weitere Todesfälle zwischen Dezember 2015 und Sep­tem­­ber 2016. Eine zweistellige Zahl, bestätigte Ströber. Erschwerend könnte sich aus­wirken, dass sich viele Menschen nach dem Tod verbrennen lassen. Auch die 85-Jähri­ge sei eingeäschert worden. In diesem Fall müssten die Ermittler davon ausgehen, dass sie nichts Wesentliches mehr feststellen könnten. Auch Exhumierungen sind geplant.

Unter den rund 110 Mitarbeitern des AWO-Heims habe der Fall großes Entsetzen aus­ge­­löst, sagte Awo-Geschäftsführer Broeckmann. „Wir sind immer noch nahezu fas­sungs­los – wir verstehen das nicht.“ Die Verdächtigen seien bei Bewohnern und Kolle­gen sehr be­liebt und fachlich gut gewesen. Hinweise habe es nicht gegeben. Eine eigens einge­schal­tete Expertin habe nach einer Überprüfung ausgeschlossen, dass noch ein anderer Mitarbeiter involviert sein könne, sagte Broeckmann.

Auf die Frage, wie sich so ein Vorfall verhindern lasse, habe sie gesagt. „Das kann man nicht verhindern.“ Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sieht dennoch Verbesserungsmöglichkeiten – zum Beispiel in einer Anlaufstelle für ano­ny­me Hinweisgeber. Nach Angaben des Landesamtes für Soziales in Mainz war das Heim zuvor nicht aufgefallen.

Wie oft Gewalt im Heim vorkommt, lässt sich schwer sagen. „Es gibt ja keinen speziellen Straftatbestand Gewalt im Heim“, sagte Thomas Görgen von der Deutschen Hochschule der Polizei. Er geht von einer hohen Dunkelziffer aus – alleine schon deshalb, weil Ge­schädigte oftmals gar nicht mehr in der Lage seien, Anzeige zu erstatten.

Uwe Brucker vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen rechnet mit einem Anstieg der Taten an alten Menschen – weil deren Zahl zunehme. „Da haben Sie natürlich auch einen Anstieg in diesen Phänomenen.“

Und was weiß man über die Täter in der Pflege? „Die geben in den Prozessen oft Mitleid vor und dass sie Leiden beenden wollten“, sagte Brucker. „Aber letztlich ist es das Macht­­gefühl, das eine Rolle spielt, die Möglichkeit, über Leben und Tod zu ent­scheiden.“ © dpa/aerzteblatt.de

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