Medizin

Europa-Studie: Nosokomiale Infektionen im ersten Lebensjahr häufig

Montag, 16. Januar 2017

Stockholm – Kinder im ersten Lebensjahr haben ein deutlich erhöhtes Risiko auf eine nosokomiale Infektion, wenn sie in einem Akutkrankenhaus behandelt werden. Am höchsten ist das Risiko laut einer Studie in Lancet Infectious Diseases (2016; doi: 10.1016/S1473-3099(16)30517-5) auf Intensiv- und Neugeborenenstationen. Zwischen den einzelnen europäischen Ländern bestehen beträchtliche Unterschiede.

In den Jahren 2011/2012 haben in 29 europäischen Ländern 1.149 Kliniken jeweils für einen Tag den Anteil der Patienten ermittelt, die an einer im Krankenhaus erworbenen Infektion litten. Die Punktprävalenz betrug 5,7 Prozent. Kinderstationen fielen insgesamt gesehen nicht aus dem Rahmen, wie eine aktuell Analyse von Walter Zingg vom Imperial College London zeigt. Die Punktprävalenz lag mit 4,2 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 3,7 bis 4,8) sogar unter dem Durchschnitt.

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Es gab jedoch Ausnahmen. Dies waren einmal Intensivstationen für Neugeborene, wo 10,7 Prozent (9,0-12,7) an einer nosokomialen Infektion litten. Auf pädiatrischen Intensivstationen lag die Punktprävalenz sogar bei 15,5 Prozent (11,6-20,3 Prozent). Die meisten der betroffenen Kinder (77 Prozent) waren jünger als 12 Monate.

Am häufigsten war eine Sepsis (45 Prozent) gefolgt von Infektionen der unteren Atemwege (22 Prozent). Obwohl die meisten Sepsis-Fälle bei Säuglingen unter 12 Monaten auftraten, war der Anteil laut Zingg auch in anderen Altersgruppen hoch. Die Sepsis war mit einer hohen Mortalität verbunden. Bei den überlebenden Kindern kam es häufig zu neurologischen Spätschäden.

Auffällig ist eine große Bandbreite in der Punktprävalenz. In Polen erleiden mehr als 10 Prozent aller Kinder im Krankenhaus eine nosokomiale Infektion, in Deutschland sind es weniger als 3 Prozent 

Zingg hält angesichts der hohen Prävalenz ein paneuropäisches Programm für dringend erforderlich, wobei der Schwerpunkt auf Neugeborenen- und Pädiatrie-Intensivstationen liegen müsse und in erster Linie die hohe Rate von Bakteriämien angegangen werden müsste. 

Derzeit wird eine zweite Punkt-Prävalenz-Befragung durchgeführt. Die Ergebnisse werden allerdings in diesem Jahr noch nicht vorliegen. © rme/aerzteblatt.de

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