NewsMedizinHirnblutung: Amyloidablagerungen erhöhen das Risiko
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Hirnblutung: Amyloidablagerungen erhöhen das Risiko

Freitag, 20. Januar 2017

Eine Hirnblutung kann durch Amyloid­fibrillen oder Bluthochdruck getriggert werden. /psdesign1, Fotolia

Schwerin/Aachen – Für Patienten mit einer zerebralen Amyloidangiopathie (ZAA) könnte eine Thrombolyse oder die Einnahme oraler Antikoagulanzien das Risiko einer Hirn­blutung erhöhen. Darauf weisen mehrere retrospektive Studien hin. Die Amyloid­ab­lage­rungen im Gehirn, die auch typisch für Morbus Alzheimer sind, sollten daher bei der Therapie nach einem Schlaganfall berücksichtigt werden. Darauf weisen die Autoren einer Übersichtsarbeit hin, die im Deutschen Ärzteblatt erschienen ist (Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 37–42).

Bei Patienten mit einer zerebralen Amyloidangio­pathie (ZAA) verändern Amyloidfibrillen im Gehirn die arteriellen Gefäße. Es bilden sich Mikroaneurysmen, fibrinoide Nekrosen, Gefäßverschlüsse und konzen­trische Aufsplitterungen.

Prävalenz der ZAA

  • 30 % bei den 60- bis 69-Jährigen
  • 50 % bei den 70- bis 89-Jährigen
  • ZAA kommt bei 10 % aller primären intrazere­bralen Blutungen als Ursache infrage
Anzeige

Kommt es nach einer Lyse zu Mikro­blutungen und einer intrakraniellen Blutung (ICB), kann dies an Amyloid­fibrillen im Gehirn (ZAA-Blutung) oder an einem Bluthochdruck (hypertensive Blutung) liegen. Zwar erlauben prospek­tive Studien derzeit keinen Rückschluss darauf, welche der beiden Ursachen wie häufig auftritt. Metaanalysen von patho­lo­gisch-anatomischen Untersuchungen thrombolysebedingter Blutungen geben hingegen einen Hinweis auf die Ursache. Demnach spielt die ZAA eine übergeordnete Rolle: Bei 70 % der Gewebeproben konnten Forscher Amyloid­ab­lagerungen feststellen. Dabei kommt das Krankheitsbild in einer gleichaltrigen Population nur bei 22 % vor.  

Ähnliche Hinweise liegen bei der Einnahme von Vitamin-K-Antagonisten vor. Mikro­blutungen, für die ZAA-Patienten ein erhöhtes Risiko haben, steigern auch das Risiko einer ICB. Etwas geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Hirnblutung, wenn die Betrof­fe­nen neue orale Antikoagolantien (NOAK) einnehmen. Studien, die einen langfristig besseren Verlauf mit geringeren ICB-Raten unter NOAK zeigen, konnten die beiden Autoren Frank Block und Manuel Dafotakis nicht finden.

Folgen für die Therapie
Alles deutet darauf hin, dass Amyloid­ab­lagerungen die Diagnose nach einer Throm­bolyse oder einer oralen Antikoagulation bei einem Schlaganfall entscheidend beein­flussen. Dennoch reiche die Evidenz bisher nicht aus, um einem ZAA-Patienten eine Lysetherapie vorzuenthalten, schlussfolgern Block und Dafotakis von den Neurologi­schen Kliniken in Schwerin und Aachen in der Übersichtsarbeit.

Es müsse aber eine Risiko-Nutzen-Abwägung erfolgen, wenn bei ZAA-Patienten eine Lyse geplant ist oder Vitamin-K-Antagonisten zum Einsatz kommen sollen, heißt es im Fazit. Für Patienten mit Vorhofflimmern und Kontraindikationen gegen eine langfristige orale Antikoagulation käme ein interventioneller Vorhofohrverschluss infrage. Diese Alternative könne ZAA-Patienten aber derzeit noch nicht basierend auf Studien empfohlen werden.

Auch für Statine gebe es Hinweise für einen Zusammenhang mit ZAA, ergänzen die Autoren. Sie erhöhen ebenfalls das Blutungsrisiko bei Patienten mit Amyloid­ab­lage­rungen im Gehirn. Ärzten empfehlen die Autoren daher, die Indikation vorab streng zu prüfen.

Eine intrakranielle Blutung sei sicherlich die schlimmste Komplikation der Thrombolyse­therapie, heißt es in der Übersichtsarbeit. Symptomatische Blutungen treten bei 2,4 bis 10 % der Fälle zwei bis drei Tage nach der Thrombolyse auf. Sie können sogar tödlich enden. © gie/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Juli 2019
Boston – Gesunde Teilnehmer einer Langzeitstudie, die aufgrund von Beta-Amyloid-Ablagerungen im Gehirn ein erhöhtes Risiko auf eine Alzheimer-Demenz hatten, konnten ihre kognitiven Fähigkeiten länger
Körperliche Aktivität könnte kognitiven Verfall durch Beta-Amyloide verzögern
18. Juli 2019
Berlin – Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert ein neues Verbundprojekt zum Thema Schlaganfall. Das an den Universitäten Duisburg/Essen, München, Hamburg und Münster angesiedelte
Überregionaler Forschungsverbund zum Schlaganfall gefördert
17. Juli 2019
Berlin/Boston – Die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, steigt bekanntlich mit zunehmendem Alter. Eine mögliche Ursache für diesen Zusammenhang haben Wissenschaftler um Susanne Wegmann vom
Warum Alzheimer vor allem im Alter auftritt
16. Juli 2019
Exeter – Wer nicht raucht, sich gesund ernährt, Sport treibt und wenig Alkohol trinkt, kann dadurch sein Demenzrisiko auch dann senken, wenn er (oder sie) genetisch vorbelastet ist. Das zeigt eine
Gesunder Lebensstil kann genetisches Demenzrisiko abschwächen
15. Juli 2019
Thousand Oaks/Kalifornien – Erneut ist ein Wirkstoff, der die Ablagerung von Beta-Amyloid im Gehirn verhindern soll, in klinischen Studien gescheitert. Die Hersteller Novartis und Amgen gaben letzte
Wieder Alzheimer-Studienabbruch zu BACE1-Inhibitor
10. Juli 2019
University Park/Pennsylvania – Menschen mit niedrigen Cholesterinwerten haben möglicherweise ein erhöhtes Risiko auf einen hämorrhagischen Schlaganfall. Dies kam in einer prospektiven
Niedriges LDL-Cholesterin könnte Hirnblutungen auslösen
8. Juli 2019
Erlangen – Ein neues digitales Demenzregister soll helfen, mehr über die Erkrankung zu erforschen und die Situation von Betroffenen und deren Angehörigen zu verbessern. Mit dem Forschungsprojekt
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER