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Medizin

Wie Stress das kardiovaskuläre Risiko erhöht

Mittwoch, 18. Januar 2017

dpa

Boston – Menschen, die eine hohe Aktivität in der Amygdala aufweisen, könnten ein er­höhtes Risiko haben, einen Schlaganfall oder andere kardiovaskuläre Ereignisse zu er­leiden. Im Lancet berichten die Forscher um Ahmed Tawakol vom Massachusetts General Hospital und der Harvard Medical School (2017; doi: 10.1016/S0140-6736(16)31714-7) entsprechende Ergebnisse.

Stress ist ein unspezifischer Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse. Die Steigerung des Blutdrucks, die diabetogen wirkende Ausschüttung von Cortisol, ungesunde Kom­pen­sationsmechanismen wie Ernährung, Alkohol und Rauchen können eine Folge von Stress sein. Ob jedoch nicht auch andere unabhängige Mechanismen eine Rolle spielen, bleibt häufig unklar. Tierstudien weisen darauf hin, dass Stress die Aktivität im Knochen­mark steigert und inflammatorische Prozesse begünstigt. 

Die Forscher untersuchten unter anderem die Aktivität der Amygdala im Gehirn. Diese Hirnstruktur steuert unter anderem Reaktionen wie Angst und Wut. 

238 Patienten erhielten im Rahmen der Studie ein PET/CT ihres Gehirns. Die Wissen­schaftler erhoben Daten zur Aktivität der Amygdala, CRP, Inflammation in den Arterien und der Knochenmarksaktivität. Bei 13 Teilnehmern, die nebenbefundlich an einer post­traumatischen Belastungsstörung litten, untersuchten die Forscher außerdem die indi­vi­duellen Stresslevel der Probanden über psychologische Befragungen.

Die Aktivität der Amygdala korrelierte in der Studie mit der Inflammation und der Kno­chen­­marksaktivität. Subjektiv empfundener Stress schien ein Grund für die erhöhte Ak­ti­vität in der Amygdala und der arteriellen Entzündungsreaktion zu sein. Die Teil­nehmer mit dem höchsten Stresslevel zeigten die höchste Aktivierung der Amygdala. 

Innerhalb der dreieinhalb Jahre, in denen die Forscher die Teilnehmer untersuchten, er­litten 22 Probanden ein kardiovaskuläres Ereignis. Eine starke Aktivität in der Amygdala war hierbei ein deutlicher Risikofaktor (Hazard Ratio = 1,59, KI = 1,27–1,98, p = < 0,0001).

Zusammenfassend zeigten die Ergebnisse, dass die Aktivität der Amygdala ein robuster Prädiktor für das kardiovaskuläre Risiko sei, so die Wissenschaftler. Sie vermuten, dass die erhöhte Aktivität die Entzündungsreaktion in den Arterien und die Produktion von Leukozyten direkt begünstigt. © hil/aerzteblatt.de

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