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Medizin

Multiple Sklerose: Schwere Nebenwirkung durch Alemtuzumab beheben

Mittwoch, 18. Januar 2017

Bochum – Das Multiple-Sklerose-(MS-)Medikament Alemtuzumab kann schwere, unberechenbare Nebenwirkungen auslösen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Team um Aiden Haghikia und Ralf Gold von der Klinik für Neurologie der Ruhr-Universität Bochum im Katholischen Klinikum Bochum. In Lancet Neurology berichten die Wissenschaftler von zwei Patienten, bei denen die Infusion von Alemtuzumab die Symptome erheblich verschlimmerte (2017; doi: 10.1016/S1474-4422(16)30382-9). Das Team beschreibt außerdem eine Therapie, die die schädlichen Nebenwirkungen erfolgreich eindämmte.

Der Antikörper Alemtuzumab bindet das Protein CD52 hauptsächlich auf T- und B-Lymphozyten, was den Tod der Immunzelle zur Folge hat.

Multiple Sklerose ist die häufigste neurologische Erkrankung des jungen Erwachsenenalters. Sie zeichnet sich aus durch chronische Entzündungen im zentralen Nervensystem. Das Immunsystem des Körpers greift die Isolierschicht der Nervenfasern, das Myelin, an und schädigt so dauerhaft die Zellfortsätze.

Therapie: Inzwischen gibt es zehn verschiedene Klassen von Medikamenten, die speziell für die MS-Behandlung zugelassen sind und in Studien für wirksam befunden wurden. Dazu gehört auch Alemtuzumab, im Handel unter dem Namen Lemtrada erhältlich.

Aus den Zulassungsstudien war bereits bekannt, dass ein Viertel der behandel­ten Patienten meist leichte Nebenwir­kungen zeigt, sekundäre Autoimmun­prozesse. Dabei richten sich Immun­zellen gegen körpereigene Zellen, vorwiegend in der Schilddrüse; aber auch Niere oder Blutplättchen können betroffen sein.

Alemtuzumab löst neuen Entzün­dungs­modus aus
Die beiden beschriebenen Patienten erhielten Alemtuzumab, weil sie trotz anderer Therapien unter starken Krankheitsschüben mit Entzündungen im zentralen Nervensystem litten. Sechs Monate nach der Therapie hatten sich diese Symptome deutlich verschlechtert. Mit kernspintomografischen Untersuchungen entdeckten die Forscher eine Art neuen Entzündungsmodus. Sie fanden Bereiche im Gehirn, in denen sich das Kontrastmittel ringförmig in der weißen Substanz eingelagert hatte. Diese hatten die Patienten in ihrer bisherigen Krankheitsgeschichte nicht aufgewiesen. Bislang ist unklar, ob die beobachteten Probleme verschlimmerte MS-Symptome darstellen oder einen davon unabhängigen sekundären Autoimmunprozess.

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Blutplasma-Austausch und Rituximab dämmen Nebenwirkungen wieder ein
In beiden Fällen konnten die Mediziner die Nebenwirkungen eindämmen, die beobach­teten ringförmigen Ablagerungen im Gehirn bildeten sich zurück. Auch ein Jahr nach der Behandlung waren die Patienten noch in einem stabilen Zustand. Neben einem Blut­plasma-Austausch behandelten sie beide mit dem Antikörper Rituximab. Das Medika­ment tötet fast sämtliche B-Lymphozyten ab. Die Forscher vermuten, dass genau diese Immunzellen hinter den Entzündungen stecken, die sie als Nebenwirkungen beobach­teten. „Dieser therapeutische Algorithmus könnte vielen MS-Patienten weltweit helfen, die unter ähnlichen Nebenwirkungen von Alemtuzumab leiden“, sagt Haghikia. © EB/gie/aerzteblatt.de

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